2018 – Verpasste Chancen in der E-Mobilität

Die Meldung, dass E-Tretroller leider in Deutschland auch im ersten Quartal nicht zugelassen sein werden, passt ganz wunderbar zum Thema des Jahres 2018. Es wurde viel geredet über die E-Mobilität, aber es wurde ganz wenig gemacht. Statt sich mit dem zukunftsträchtigen Thema zu beschäftigen, statt neue Konzepte der Mobilität auf der letzten Meile anzugehen und umzusetzen, jagte man sich von einem Dieselgipfel zum nächsten. Und deren Ergebnisse waren so vorhersagbar, wie das schöne Wetter im letzten Sommer. Am Ende des Jahres stellt man dann fest, dass das Jahr 2018 für die E-Mobilität ein verlorenes Jahr war. 

Natürlich gab es auch gute Nachrichten. Elon Musk bekam trotz mächtigen Gegenwind der Short-Seller den Tesla 3 an den Start und das Auto scheint sich wie geschnitten Brot zu verkaufen. Auf der Autoshow in Los Angeles habe ich mich spaßeshalber als Kaufinteressent in den USA ausgeben und nach einer halben Stunde Unterrichtung durch einen sehr motivierten Verkäufer musste mir dieser dann mitteilen, dass alle Testfahrtermine bis Februar 2019 ausgebucht seien. Man könne mich da nur auf die Warteliste setzen. Eventuell ginge es schneller, das Unternehmen fragt gerade Tesla 3 Besitzer an, ob diese ihren Wagen mal ausliehen würden. 

Derartig motivierende Nachrichten gab es aus Deutschland leider nicht. Die Verkaufszahlen der E-Autos haben nur leicht angezogen, der Förderungs-Topf ist weiter prall gefüllt. Dabei hätte man die Krise des Diesel leicht dafür nutzen können, den Verkauf der E-Autos zu fördern. Die Umtauschprämie, die es nun für alle Autofahrer gibt, die dummerweise einen Euro 4 oder Euro 5 Diesel besitzen, hätte man auch gut so gestalten können, dass man für ein E-Auto mehr Geld bekommen würde. Zusammen mit der E-Förderung hätte man den Preis eines Renault Zoe locker auf das Niveau eines sehr gut ausgestatteten VW Golf drücken können. 

Auch in Sachen Zukunftstechnologie scheint man zu schlafen. Der von fast der gesamten Industrie geforderte Ausbau der ultraschnellen 5G-Netze wurde zum Streitobjekt zwischen den nölenden Kommunikationsbetreibern, der restlichen Industrie und einer hilflos agierenden Politik. Unternehmen, wie der Deutschen Bahn, waren von dem Streit um einen flächendeckenden Ausbau dann derartig genervt, dass man ankündigte, den 5G-Ausbau entlang der Bahnstrecken  selber in die Hand zu nehmen. Wie schlecht muss es um den technologischen Fortschritt in Deutschland bestellt sein, wenn schon die Bahn die Geduld verliert?

Immerhin gab es auch Lebenszeichen aus der Autoindustrie. Audi und Daimler zeigten zwei sich ähnelnde E-SUV, die beide 2019 auf den Markt kommen. Porsche kündigte mit dem Taycan einen Sportwagen für das kommende Jahr und BMW will den E-Mini im Laufe des Jahres ins Rennen schicken. Aber der richtige Schwung wird dann wohl erst mit der IAA kommen. Denn dann dürfte VW die endgültige Version des I.D. zeigen. Jenem E-Auto, welches laut Volkswagen der Golf unter den Elektrofahrzeugen werden soll. 

Vergessen wir also am besten das Jahr 2018, in dem es die Regierung noch nicht mal fertig gebracht hat, eine Regelung für günstigen E-Tretroller umsetzen zu können und hoffen wir, dass 2019 das Jahr wird, in dem die E-Mobilität besser vorankommt. 

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Technologie, Internet und Mobilität sind Themen die mich und mein Leben antreiben. Als Journalist schreibe ich regelmäßig über diese Themen für die bekanntesten deutschsprachigen Magazine und Zeitungen. Dabei geht es vor allem um die Zukunft der Mobilität in unserer Welt. Elektrifizierung, Autonome Fahrzeuge, Carsharing, und die Wirtschaft um diese Themen werden von mir seit Jahren begleitet und kritisch beschrieben. Als einer der ersten Journalisten in Deutschland, habe ich mit CEOs aus der Mobilitätsbranche über Veränderungen und Herausforderungen gesprochen. Die Fragen, wie wir unsere Zukunft nachhaltig mobil halten, welche Unternehmen für die Veränderungen bereit sind, welche Herausforderungen und Gefahren auf uns warten, habe ich in vielen Artikeln und Analysen beschrieben.