Hallo Herr Lindner, Sie gefährden die deutsche Autoindustrie

Hallo Herr Lindner, wir müssen mal reden! 

Wenn Politiker das große Wort „Kulturkampf“ bemühen, dann muss es echt schlimm um eine Sache stehen. Dann müssen Gesellschaften quasi mit dem Rücken zum Abgrund stehen. Doch um welchen Kampf genau ging es Ihnen als Vorsitzender der FDP, als Sie das Wort in den Mund nahmen? Ging es um den Kampf zweier Wirtschaftssyteme? Oder ging es um eine Frage der Migrationspolitik? Nein, Sie, Herr Lindner, monierten, dass es einen Kulturkampf gegen das Auto und die Autoindustrie geben würde. Der Verbrennungsmotor solle “bewusst totgemacht werden“, sagen Sie. Offenbar meuchelt der E-Motor einen völlig unschuldigen Dieselmotor blutig ab und die Welt muss hilflos zusehen, wenn ich Sie da richtig verstehe. 

Als Freund der Elektromobilität und einer damit verbundenen Verkehrswende, trifft man auf solche und ähnliche Aussagen immer wieder. Die Zeitung mit den großen Buchstaben und wenig Inhalt treibt das Schicksal des Diesel auch schon seit einigen Monaten um. Bald sei der schöne Diesel von der Straße, jammert man, um gleich hinterher zu schieben, dass die Idee, die Welt ein bisschen zu retten, ja sowieso nur links-grün-versifftes Denken sei. Die Haltung schwappt dann auch in die Auto-Redaktionen rein, die, offensichtlich leicht besäuselt vom Dieseldampf, ebenfalls das Ende der Zivilisation kommen sehen. Drunter geht es sowieso nicht. 

Natürlich ist diese gekünstelte Aufregung auch schon in den sozialen Medien angekommen und hat selbst meine einigermaßen pfleglich kuratierte Timeline erreicht. Die Menge der dort täglich verbreiteten falschen Berichte über die E-Mobilität hat das Niveau von Impfgegnern und „Die Erde ist eine Scheibe“ Anhänger erreicht. 

Die Menge der in den sozialen Medien täglich verbreiteten falschen Berichte über die E-Mobilität hat das Niveau von Impfgegnern und „Die Erde ist eine Scheibe“ Anhänger erreicht. 

Das ausgerechnet Sie, Herr Lindner, mit solchen Aussagen um die Ecke kommen, ist dann allerdings schon erstaunlich und zeigt, wie irrational die Debatte gerade ist. Gerade Sie als Führer der selbst ernannten Wirtschaftspartei müssten wissen, dass die Autoindustrie keineswegs von den “Grünen” oder einem Umweltverein gejagt werden, sondern allenfalls von Herrn in maßgeschneiderten Einheitsanzügen aus China. Und vom diesem Klimawandel, von dem man so viel hört. Sie wissen schon, es wird wärmer, weil die Menschheit süchtig nach fossilen Brennstoffen ist. Obwohl es gute Alternativen gibt. Und genau diese Alternativen finden immer mehr Menschen und Länder ganz fantastisch.

Deswegen will Schweden, wie andere Länder auch, ab 2030 keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr zulassen. Im Endeffekt bedeutet dies für die Autoindustrie, dass sie andere Angebote bereit halten muss. Wenn die Autohersteller den Schritt zu E-Mobilität nicht vollziehen, wenn sie nicht Mobilitätskonzepte entwickeln, die Metropolen erlauben den Verkehr zu verringern, dann werden sie untergehen. Oder totgemacht, so wie Sie das formulieren.

Was mich an ihren Aussagen aber wirklich verblüfft ist die Tatsache, dass ausgerechnet Sie den Fortschritt blockieren wollen. Denn gerade geht es vor allem auch um wirtschaftliche Chancen, die sich aus dem Wandel ergeben. Dass die deutsche Autoindustrie und deren Zulieferer Weltmarktführer bei der Elektromobilität werden können, müsste doch eigentlich auch im Interesse der FDP sein. Oder habe ich da was falsch verstanden?

Klären Sie mich gerne auf!

Mfg 

Don Dahlmann

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Technologie, Internet und Mobilität sind Themen die mich und mein Leben antreiben. Als Journalist schreibe ich regelmäßig über diese Themen für die bekanntesten deutschsprachigen Magazine und Zeitungen. Dabei geht es vor allem um die Zukunft der Mobilität in unserer Welt. Elektrifizierung, Autonome Fahrzeuge, Carsharing, und die Wirtschaft um diese Themen werden von mir seit Jahren begleitet und kritisch beschrieben. Als einer der ersten Journalisten in Deutschland, habe ich mit CEOs aus der Mobilitätsbranche über Veränderungen und Herausforderungen gesprochen. Die Fragen, wie wir unsere Zukunft nachhaltig mobil halten, welche Unternehmen für die Veränderungen bereit sind, welche Herausforderungen und Gefahren auf uns warten, habe ich in vielen Artikeln und Analysen beschrieben.