Hört doch endlich auf zu jammern!

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Durch die manchmal etwas hohlen Gassen der Social Media Welt und (leider) auch oft der journalistischen Berichterstattung über die notwendige Verkehrswende und dem damit verbundene langen Abschied vom Verbrennungsmotor, schallt gerne Hysterie. Da wird von einer schleichenden Enteignung der Dieselfahrer gesprochen und davon, dass das Stromnetz komplett zusammenbricht und wir alle im Dunkeln sitzen, wenn drei E-Autofahrer gleichzeitig ihre Akkus laden. Simultan gehen falsche Angaben über den CO2-Rucksack von E-Autos durch die Medien und wenn die Kritiker der E-Mobilität besonders gut drauf sind, dann wird davon gesprochen, dass es mit der Demokratie zu Ende geht, weil niemand mehr mit 280 km/h über die Autobahn brettern kann.  

Dass das Quatsch ist, haben mittlerweile offensichtlich viele Schulkinder verstanden, die seit Wochen und Monaten Freitags mit Demonstrationen dafür sorgen wollen, dass die Erwachsenen in Sachen Klimawandel endlich was unternehmen. Peinlich genug, dass Schüler offenbar mehr Sinn für die Umwelt haben, als ihre Eltern. Deswegen genieren sich manche Erwachsene nicht, im Netz die 16jährige Greta Thunberg zu behandeln, als wäre sie die Teufelin persönlich, die mit dem Thema Klimawandel unser aller Leben gefährdet.

Man kann die Verkehrs- und Mobilitätswende doof finden. Man kann es schade finden, dass es bald keine 12-Zylindermotoren geben wird. Und ja, ich finde auch, dass das ein Verlust ist. Gleichzeitig muss man aber auch einsehen, dass es so nicht weiter gehen kann. Die Umwelt ächzt unter den Belastungen, die wir ihr zumuten. Der Klimawandel mag sich in Europa wegen der leicht gestiegenen Temperaturen ja ganz nett anfühlen. Aber schon jetzt trocknet der halbe Norden der Republik aus, weil es nicht genug regnet. In Berlin, das von jeder Menge Wasser umgeben ist, hätte es im letzten Jahr um ein Haar einen Wassernotstand gegeben. Und für andere Gegenden der Welt ist der Klimawandel schon jetzt real. Menschen verlieren ihre Heimat, ganze Länder stehen vor dem Untergang.  

Angesichts dieser und vieler anderer Probleme, finde ich es reichlich beschämend, wenn Menschen ihre Verhaltensweisen nicht ändern wollen. Natürlich ist es leichter, sich bockig zu zeigen und mit kruden Theorien die notwendige Veränderung zu bekämpfen. Aber helfen wird das weder dem Klima, noch den Menschen, die wegen des Klimawandels sterben werden.  

Natürlich sind so tief greifende Veränderungen der eigenen Lebensweisen unangenehm. Natürlich fällt es einem nicht leicht, auf gewohnten Komfort zu verzichten. Und ja – ein moderner Diesel, der knapp 1000 Kilometer am Stück schafft, wird in Sachen Bequemlichkeit einem E-Auto vermutlich noch über Jahrzehnte überlegen sein. Aber will man für ein bisschen Bequemlichkeit, die man ein paar Mal im Jahr überhaupt nur nutzt, die Welt noch ein Stück weiter an den Abgrund schubsen? 

Wenn wir in Europa nicht weiter so wenig nachhaltig mit den Ressourcen umgehen wollen, wenn wir nicht weiter Teil des Problems sein wollen, dann müssen wir uns auf Unbequemlichkeiten einlassen. Die Hinweise, dass Länder wie China und Indien im Moment die größten Umweltverschmutzer sind, mag stimmen. Aber diese Länder haben in den letzten 100 Jahren bei weitem nicht so viele Ressourcen verbraucht und CO2 in die Luft gepumpt, wie der Westen. Zudem hilft es nicht, wie ein bockiges Kind mit dem Finger auf andere zu zeigen und zu rufen „Der macht das aber auch und noch viel schlimmer.“  

Für die Verkehrs- und Mobilitätswende verfügt der Westen und vor allem Europa über das nötige Geld und die Technologien. Alles, was man tun muss, ist das Jammern einzustellen und endlich los zu legen. Sonst hinterlassen wir den Kindern nur noch eine Müllhalde. 

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Technologie, Internet und Mobilität sind Themen die mich und mein Leben antreiben. Als Journalist schreibe ich regelmäßig über diese Themen für die bekanntesten deutschsprachigen Magazine und Zeitungen. Dabei geht es vor allem um die Zukunft der Mobilität in unserer Welt. Elektrifizierung, Autonome Fahrzeuge, Carsharing, und die Wirtschaft um diese Themen werden von mir seit Jahren begleitet und kritisch beschrieben. Als einer der ersten Journalisten in Deutschland, habe ich mit CEOs aus der Mobilitätsbranche über Veränderungen und Herausforderungen gesprochen. Die Fragen, wie wir unsere Zukunft nachhaltig mobil halten, welche Unternehmen für die Veränderungen bereit sind, welche Herausforderungen und Gefahren auf uns warten, habe ich in vielen Artikeln und Analysen beschrieben.