Wenn nicht jetzt, wann dann?

Die Warnzeichen, dass das mit der Klimaerwärmung vielleicht doch eine ziemlich dramatische Sache sein könnte, nehmen zu. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte neulich ein langes Essay, in dem sie beschrieb, wie weit das mit der Erwärmung der Erde schon ist. Denn es erwärmt sich nicht nur die Luft. Auch die Ozeane erwärmen sich ständig. Dies dann mittlerweile in einem Maße, dass Fische ihre angestammten Gebiete und Laichplätze verlassen und teilweise mehrere hundert Kilometer wegziehen, um noch kühlere Bedingungen vorzufinden. Das Problem mit der Erwärmung der Meere ist, dass man sie nicht rückgängig machen kann. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass sich die für das Klima wichtigen Meeresströmungen verlagern könnten. 

Um so unverständlicher ist es, dass wir Immer noch darüber diskutieren, wie wir dem Verbrennungsmotor noch ein paar Lebensjahre einhauchen können. Während lokalen Fischern in Afrika und anderen Ländern die Lebensgrundlage entzogen wird, wird hierzulande darüber diskutiert, wie groß wohl die Unannehmlichkeiten werden, wenn man demnächst mal eine halbe Stunde warten muss, bis der Akku des E-Autos wieder aufgeladen ist. Eine durch und durch absurde Diskussion. 

Gerne argumentieren Gegner der E-Mobilität, dass es mit der Umweltbilanz des E-Autos auch nicht gerade zum Besten steht. Die CO2-Belastungen, die durch die Herstellung eines Akkus und die Bereitstellung des Stroms entstehen, seien nicht geringer, als jene, die beim Verbrennen von fossilen Brennstoffen entstehen würden. Das ist teilweise richtig, aber auch nur dann, wenn der Strom nicht regenerativ hergestellt wird. Und genau an diesem Punkt steht gerade Deutschland ziemlich gut da. Die oft beschimpfte Energiewende führt immerhin dazu, dass schon jetzt über 35 Prozent des erzeugten Stroms aus regenerativen Quellen kommen. Bis 2030 sollen es über 60 Prozent. Das bedeutet, dass der von Privathaushalten verbrauchte Strom fast komplett aus Solar-, Wind- oder Wasserkraftwerken kommen wird.

Dazu kommt, dass die Öl-Vorräte weltweit auch nicht unendlich sind. Und wir brauchen das Öl zur Herstellung von vielen anderen Produkten, zum Beispiel in der Pharmazie und der Medizin. Man kann natürlich jetzt hingehen, und den letzten Liter Öl auf der Autobahn verfeuern. Wenn man dann allerdings krank ist und ein wichtiges Medikament nicht bekommt, weil es nicht mehr in den nötigen Mengen hergestellt werden kann, dürfte man sich spätestens dann fragen, ob das wirklich so eine gute Idee war, die vermeintliche Freiheit auf der Autobahn zu verteidigen. 

Daher muss auch die Politik reagieren. Die Einnahmen aus der Mineralölsteuer müssten konsequent in den Ausbau der Ladeinfrastruktur gesteckt werden. Die Nutzung fossiler Brennstoffe für Privathaushalte und die Industrie sollte verteuert werden, die daraus gewonnenen Einnahmen ebenfalls der Verkehrswende zugeführt werden. Denn je schneller die E-Mobilität ausgebaut wird, desto größer sind die Chancen Schaden abzuwenden. 

Jeder Umstieg auf eine neue Technologie benötigt Zeit. Gerade im Verkehrswesen. Bis die weltweit 1,2 Milliarden Autos auf einen die Umwelt schonenden Antrieb umgestellt sind, werden Jahrzehnte vergehen. Man kann diesen Umstieg bekämpfen und immer weiter herauszögern, aber damit verringert man die Chancen, die drohenden Umweltkatastrophen zu verhindern. Die E-Mobilität ist vielleicht auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber sie ist die momentan beste Lösung, um Schlimmeres zu verhindern. 

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Technologie, Internet und Mobilität sind Themen die mich und mein Leben antreiben. Als Journalist schreibe ich regelmäßig über diese Themen für die bekanntesten deutschsprachigen Magazine und Zeitungen. Dabei geht es vor allem um die Zukunft der Mobilität in unserer Welt. Elektrifizierung, Autonome Fahrzeuge, Carsharing, und die Wirtschaft um diese Themen werden von mir seit Jahren begleitet und kritisch beschrieben. Als einer der ersten Journalisten in Deutschland, habe ich mit CEOs aus der Mobilitätsbranche über Veränderungen und Herausforderungen gesprochen. Die Fragen, wie wir unsere Zukunft nachhaltig mobil halten, welche Unternehmen für die Veränderungen bereit sind, welche Herausforderungen und Gefahren auf uns warten, habe ich in vielen Artikeln und Analysen beschrieben.