Das Mantra der Technologieoffenheit

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Bild: Shutterstock

Wenn es um die Antriebe der Zukunft geht, sprechen viele gerne von Technologieoffenheit. Man dürfe sich nicht auf die Batterie festlegen und müsse sich auch in Richtung Wasserstoff und sogenannte E-Fuels denken. Ein gefährlicher Irrweg, findet unsere Autorin.

Eigentlich ist es so: Die zweite Halbzeit ist bereits im vollen Gange und wir stehen neben dem Spielfeld und diskutieren darüber, mit welchen Ball wir spielen sollen. Die gegnerische Mannschaft hat sich längst auf einen Ball geeinigt und ballert fröhlich auf unser leeres Tor. Nicht dass wir uns nicht auf einen Ball einigen können, es kommt auch ständig jemand und bringt einen weiteren Ball und preist ihn an wie saures Bier. 

Sieben Jahre nach dem Tesla-Schock haben die deutschen Hersteller immer noch kein Fahrzeug, dass mit den Leistungen eines Tesla Model S von 2012 mithalten könnte. Konkurrenz made in Germany für den Verkaufsschlager Tesla Model 3 ist ebenfalls nicht in Sicht.

Das Ladenetz von Tesla ist allen anderen immer noch um Jahre voraus. Inzwischen hat Tesla 500.000 Elektroautos auf der Straße und sammelt Milliarden Kilometer Erfahrung. Die deutschen Hersteller dürften zusammen wohl kaum auf über 100.000 Fahrzeuge kommen.

Dazu sind die meisten nicht langstreckentauglich und fahren daher auch deutlich weniger Kilometer. Sprich: Der technologische Vorsprung von Tesla etc. wächst von Minute zu Minute. China hat bereits über 400.000 Elektrobusse im Einsatz – in Deutschland fahren ein paar Dutzend herum. Und China – auch hier fallen wir Tag für Tag zurück.

Hier redet die Politik lieber von Technologieoffenheit und warnt davor, sich verfrüht auf die Batterie als Energiespeicher für die Autos der Zukunft festzulegen. Dabei ist der Zug beim Auto schon längst abgefahren. 

Man hat sich geeinigt mal miteinander zu reden

Vergangenen Montag war dann mal wieder Autogipfel im Kanzleramt. Drei Stunden sprachen Kanzlerin Angela Merkel (CDU), VW-Chef Herbert Diess, der neue Daimler-Chef Ola Källenius, BMW-Chef Harald Krüger und ihr Branchenchef Bernhard Mattes (VDA) sowie Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Finanzminister Olaf Scholz (SPD). Für die Arbeitnehmer saß Jörg Hofmann von der IG Metall am Tisch. Die drei Ministerpräsidenten Kretschmann (Grüne), Weil (SPD) und Söder (CSU), die gerade erst ein gemeinsames Positionspapier zu dem Thema verfasst haben, durften nicht kommen und waren entsprechend verschnupft.

Raus kam bei dem Gipfel nicht wirklich viel. Man wolle dem Elektroauto zum Durchbruch verhelfen und einen Masterplan für Ladeinfrastruktur entwickeln – später mal. Regierungssprecher Seibert nannte den Gipfel einen Einstieg in einen Gesprächsprozess. Im Jahr sieben nach Tesla, fängt man dann mal an zu reden. Der Gipfel war dann so leer und ergebnislos, dass sogar dem doch eher ruhigen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann in einer Pressekonferenz die Hutschnur platzte und er die ganze Veranstaltung als „schwer erträglich“ bezeichnete (Audio unten).

Kurz vor dem Gipfel legte die Unionsfraktion im Bundestag einen Plan zur Rettung des Verbrennungsmotors vor: Sogenannte E-Fuels sollen das Heil bringen und dem deutschen Diesel die nächsten 100 Jahre ebnen. In Wirklichkeit die größte energiepolitische Torheit seit der Braunkohle. Denn E-Fuels sind ineffizient, teuer und völlig unrealistisch als Ersatz für fossile Kraftstoffe im Pkw-Verkehr (dazu am Wochenende mehr).

Noch dazu kommt, dass sich immer mehr Länder für ein Ende des Verbrennungsmotors entscheiden. Was glaubt die CDU-Fraktion eigentlich, in welche Länder BMW, Daimler und Co. dann noch ihre Diesel und Benziner verkaufen können? Wer kauft ein Auto, bei dem der Liter Sprit ohne Steuern zwischen drei und fünf Euro kostet und noch gar nicht abzusehen ist, wann – wenn überhaupt – er in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht, um eine signifikante Klimaschutzwirkung zu erreichen. 

Für die Hersteller ist dieses politische Herumgeeiere fatal und die Verbraucherinnen und Verbraucher werden mal wieder für blöd verkauft. Wer daran glaubt, aus Strom hergestellte Flüssigkraftstoffe jemals zu sinnvollen Preisen mit einem wirklichen Klimaschutzeffekt zu bekommen, der glaubt auch, dass man mit Dieselmotoren das Klima retten kann. 

Die Automobilkonzerne und Zulieferer laufen Gefahr, sich in der Technologieoffenheit zu verzetteln. Ein bisschen Brennstoffzelle, weiter auf Verbrenner setzen und gleichzeitig in die Elektromobilität investieren. Am Ende kommt bei allem nichts Gescheites raus und sie verlieren gegen Tesla, BYD, Byton und die ganzen anderen Namen, die wir heute noch nicht einmal kennen. Die aber eines gemein haben: Sie setzen konsequent auf die effizienteste und unter dem Strich sauberste Technologie – den rein batterieelektrischen Antrieb.

Die Bundesregierung hat schon die Energiewende versemmelt. Aus Inkompetenz oder aus Lobbyhörigkeit – da soll sich jeder sein eigenes Urteil bilden. Jetzt fahren wir auch noch die Mobilitätswende an die Wand. Hoffentlich haut bald jemand auf den Tisch, dass wir endlich aus unserer „Das hammer immer so gemacht“-Lethargie erwachen.