I am Sailing! (Der elektrische Reiter – Teil 3)

Da war er nun, mein erster Elektrowagen! Die Jungfernfahrt aus dem Autohaus – wie das Auspacken eines neuen Apple-Produkts. Ich muss gestehen, der Umstieg vom Verbrenner verlief holprig. Mein emobly-Kumpel Georg zieht mich bis heute gerne mit meinem Fahrstil auf, weil ich das Rekuperieren anfangs noch nicht so richtig raus hatte. „Richard, vergiss Gas and Bremse“ mahnte er stets „Du musst Segeln!“.

Elektro-Autofahrer prahlen gerne mit ihren Fahrstil-Analysen, die man über die Smartphone-App einsehen kann. Wie oft standen wir über unsere Telefone gebeugt und Georg machte wieder irgendeine Bemerkung über meine miese Energiebilanz. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, Effizienz-Werte sind der neue Schwanz-Vergleich.

Zuhause wartete die nächste Herausforderung auf mich, mein Stromanschluss. Die ersten Wochen brachte ich es tatsächlich fertig, mein Auto über die Kellersteckdose durchs Fenster aufzuladen. Doch mir war klar, um eine Wallbox werde ich nicht herum kommen. Die Stadt München fördert private Ladepunkte mit rund 250 Euro, sofern diese mit Ökostrom betrieben werden.

Dazu muss man nur einen mehrseitigen Förderantrag ausfüllen, der dann schnell und unbürokratisch geprüft und dann über Monate hinweg liegen gelassen wird, bis man den städtischen Sachbearbeiter anruft, der für Elektromobilität zuständig ist und der einem versichert, die Unterlagen schon gesehen und sogar bewilligt zu haben, sie aber noch nicht rausgeschickt habe. Mit Effizienz-Werten haben es Behörden auch nicht so.

Und so kam es, dass ich stolzer Besitzer eines Elektroautos mit eigener Ladestation wurde. Was für ein erhabenes Gefühl, abends den Wagen anzuschließen, um dann am nächsten Morgen stets mit 100 Prozent Energie in den Tag zu starten! Lässig ließ ich von nun an alle Tankstellen links und rechts neben mir liegen und grinste beim Blick auf die Sprit-Preise.

Doch dann kam der Tag, da musste ich geschäftlich nach Österreich fahren und unterwegs Zwischenladen. Es war das erste Mal, dass ich auf eine öffentliche Ladesäule angewiesen war – und es war ein Desaster!

Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Siehe auch: Der Elektrische Reiter (Teil 1 / Teil 2)