Ladesäulenterror – Der Elektrische Reiter (Teil 4)

Warnung! Wenn ich Hunger habe, werde ich unausstehlich. Ähnlich geht es mir wenn der Akku meines iPhones zur Neige geht. Je leerer die Batterie, desto mehr geladen bin ich. Wenn jetzt noch irgendeine Kleinigkeit dazu kommt, sollte man sich besser von mir fern halten. Genauso geht es mir mit meinem Elektroauto.

Für gewöhnlich hängt mein Auto zuhause an der Wallbox. Ich starte mit 100 Prozent in den Tag und das reicht für die Dinge, die ich so zu erledigen habe. Doch dann kam der Moment, da musste ich geschäftlich nach Österreich und zum ersten Mal fremdladen. Ich freute mich auf dieses „Abenteuer“, legte mir einen genauen Plan zurecht, wo ich wie lange stoppen muss.

In der Theorie sah alles so einfach aus. Doch das Leben hatte andere Pläne. Die erste Ladestation, die ich anfahre, will nicht starten. Stecker rein. Code auf dem Telefon eingetippt. Nix. Wie schwer kann es sein, eine öffentliche Ladesäule zu bedienen? 

Umparken. Nächste Säule. Die startet. Ich: Happy, hole mir einen Kaffee. Als das Auto 60 Prozent erreicht hat, will ich den Ladevorgang stoppen und weiterfahren. Doch die Ladesäule zickt. Als ich versuche, den Ladevorgang abzubrechen, geschieht original: nichts! Die Station gibt mein Auto nicht frei. Das Problem: bei meinem BMW i3 lässt sich der Stecker nicht vom Auto her trennen – eine Sicherheitsmaßnahme. 

Was ich auch versuche, den Ladevorgang zu stoppen – nichts hilft (Wie ich später erfuhr, besitzen viele Ladesäulen einen physischen Not-Aus-Knopf – diese nicht). Entnervt greife ich zum Telefon und versuche die Nummer anzurufen, die auf einem Aufkleber an der Ladesäule vermerkt ist. Die Nummer existiert nicht. Ich versuche die Hotline meines Ladekartenbetreibers. Dort kann man mir nicht helfen – gibt mir eine andere Nummer. 

Ich erreiche einen Mitarbeiter, hörbar genervt, dass ich ihn auf dieser Nummer anrufe (störe?). Der gibt mir zu verstehen, da hätten sich schon einige vor mir beschwert. Und jetzt? Der Kundendienst sei schon verständigt, die werden sich die Säule demnächst näher anschauen. „Und was mache ICH jetzt?“ „Warten Sie, bis das Auto vollständig geladen ist, dann wird die Ladung automatisch beendet und der Wagen freigegeben“.

Und da hing ich nun. In Zeitnot. Doppelt geladen und eine Erfahrung reicher. Es sollten noch viele weitere hinzukommen. Ladestationen, die defekt sind. Ladestationen, an denen es keinen Mobilempfang gibt, um diese via App zu starten. Ladestationen, die grundsäötzlich offline sind und sich auch nicht per Fernwartung runter- und wieder hochfahren lassen.

Egal wie sehr mich dieser Ladesäulenterror zur Weißglut bringt – die Begegnungen mit anderen Elektroautofahrern, die man beim Laden trifft, machen alles wieder wett! Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.