Wurzelbehandlung (Der Elektrische Reiter – Teil 2)

Der Elektrische Reiter (Teil 2)

Wenn es zwei Dinge gibt im Leben, die ich hasse, dann sind das a) Zahnarztbesuche und b) Autokäufe. Nicht, dass ich mir jedes Jahr ein neues Auto kaufe, aber das Gefühl, das mich überkommt, wenn ich ein Autohaus betrete, kommt einer Wurzelbehandlung sehr nahe. Erst wird der Verkäufer meinen Verstand betäuben, um mich dann übers Ohr zu hauen. Ob das Fahrzeug die größte Dreckschleuder ist oder den nächsten TÜV nicht übersteht – egal. Hauptsache meine Unterschrift steht unter dem Vertrag.

Aber hilft ja nichts. Nachdem mir mein Audi nach zehn Jahren unter dem Hintern abgeraucht war, brauchte ich dringend Ersatz. In einem Parallel-Universum hatte ich schon mal mit dem Tesla Modell 3 geliebäugelt, aber mit Lieferzeiten von weit über einem Jahr war das keine Option. Dann vielleicht eine Übergangslösung? Ein Leasing-Fahrzeug, das ich nutzen kann, bis auch Zetsche und all die anderen Autobosse in Untersuchungshaft sitzen und mein Wunsch-Wagen plötzlich um die Ecke biegt?

Die Händler waren bemüht, mir ihre „sauberen Diesel“ anzudrehen. Und in der Tat, die Angebote waren verlockend: Rabatte von bis zu 5000 Euro, Sonderausstattung, Winterreifen – und – ich muss verrückt sein – lege ich noch diesen Gurkenhobel oben drauf! Je absurder die Angebote, desto skeptischer wurde ich. „Was ist mit dem da?“ wollte ich wissen und zeigte in die Ecke, wo ein unscheinbarer Kleinwagen stand. „Das äh… ja ist auch ein schönes Modell. Elektrisch. Aber wenn Sie dazu mehr wissen wollen, muss ich einen Kollegen holen. Damit kenn ich mich nicht so aus.“

Wie sich herausstellte, wussten die Verkäufer noch weniger über ihre eigenen Fahrzeuge als ich. Und das ist ziemlich wenig. Reichweite? Ladedauer? Verfügbarkeit? Nichts, was man mir erzählte, war, wie ich später ergoogelt habe, korrekt. Doch das spielte keine Rolle mehr in dem Moment, als ich zum ersten Mal das Gas – Verzeihung – Strompedal trat. Der Wagen war leise. Reagierte, als sei er eine Verlängerung meines Körpers – oder sollte ich sagen meines iPhones? Für die Freischaltung von Apple CarPlay berechnete mir der Händler tatsächlich noch einmal 300 Euro extra. Egal. Ich wusste, DER muss es sein!

Und so begann mein Einstieg in das Elektro-Zeitalter. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Siehe auch: Der Elektrische Reiter (Teil 1 und Teil 3)