Die Autoindustrie und ihr iPhone Moment

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Die Zukunft der Autoindustrie ist elektrisch. Die Multi-Milliarden-Euro-Frage lautet: Wann werden die Massen den Early Adoptern folgen und auf E-Mobilität umsteigen? Und was wäre, wenn dieser Moment schon da ist?

Ein Telefon für 700 Dollar? Ohne Tastatur? Wer soll das kaufen! – Wir erinnern uns an die ersten Reaktionen auf das iPhone. Allen voran Steve Ballmer, seinerzeit CEO von Microsoft, der verächtlich über Apple spottete. Was viele vergessen: Der Erfolg des iPhones kam nicht über Nacht, auch wenn die ikonischen Bilder von den Schlangen vor den Stores das oft vermuten ließen.

Das iPhone wurde erst Jahre nach seiner Einführung zu einem Massenphänomen und hat nicht nur Apple zum wertvollsten Unternehmen aller Zeiten gemacht, sondern in der Folge gleich mehrere Industrien komplett umgekrempelt. Exakt diese Entwicklung können wir heute auf dem Automarkt feststellen. Die E-Mobil-Zahlen wachsen immer rascher – wenn auch bislang auf niedrigem Niveau. Genau wie beim iPhone.

2018 dürfte sich der Bestand an E-Autos in Deutschland gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt haben

Wie die Telekommunikationsbranche vor zehn Jahren steht auch die Autoindustrie vor einem historischen Wendepunkt, der größten Disruption ihrer 100-jährigen Geschichte. Der Umstieg von der Verbrenner- auf die Elektromobilität ist mehr als nur das Wechseln der Antriebstechnologie. Es ist eine Neudefinition des Begriffs Mobilität.

Ein Elektroauto ist eben nicht nur ein Auto, genauso wie ein Smartphone im Grunde kein Telefon ist. Mit der voranschreitenden Digitalisierung wird in Zukunft nicht das Auto, sondern die Dienstleistung Mobilität zum eigentlichen Produkt. Das bedeutet: Bedienkomfort, Connectivity und Verfügbarkeit auf Knopfdruck rücken in den Vordergrund. Die Wertschöpfung geht weg von der Hardware hin zur Plattform.

Abe Chen, Digital VP von Byton auf der DLD-Konferenz in München

Abe Chen, ehemals Tesla-Entwickler und heute Vice-President Digital des chinesischen E-Autobauers Byton, erklärte am Wochenende auf der DLD-Konferenz in München, weshalb die traditionellen Autobauer falsch denken. “Sie denken ein Auto”. Man müsse aber das Digitale zuerst denken. Und danach setzt man das Auto drauf (Wer mehr über die Philosophie von Byton wissen will, dem empfehlen wir unseren Besuch im deutschen Design-Zentrum des Unternehmens).

Wenn Tesla mit dem Model 3 gelingt, was Apple einst mit dem iPhone gelungen ist, dann erlebt die Automobilindustrie wohl gerade ihren iPhone-Moment. Es heißt, Geschichte wiederholt sich nicht. Aber manchmal reimt sie sich.