Elektroauto-Förderung: Unsere Bewertung

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Die Bundesregierung hat eine Anpassung der Förderung für Elektroautos beschlossen – pünktlich zum Produktionsstart des VW ID.3. Was ändert sich genau und wie ist das zu bewerten?

Wir befassen uns zunächst nur mit der geänderten Kaufprämie, der angekündigte Masterplan Ladeinfrastruktur hört sich nämlich schön an, ist aber noch zu unkonkret für eine Bewertung.

Bisher betrug die „Umweltbonus“ genannte Kaufprämie 4.000 € für BEVs und 3.000 € für Plug-In Hybride. Auch künftig werden reine Elektroautos und Plug-In Hybride gefördert, neu ist, dass es zwei Preisstufen gibt: Bis 40.000 € Nettolistenpreis gibt es 6.000 € Umweltbonus für reine Elektroautos und 4.500 € für Plug-In Hybride. Zwischen 40.000 und 65.000 € Nettolistenpreis gibt es 5.000 € beim Kauf eines BEV und 4.000 € beim Kauf eines Hybriden.

Hybride müssen nicht gefördert werden

Plug-In Hybride sind keine Elektroautos, sondern Verbrenner mit Stecker. Zwar gelten mittlerweile höhere Anforderungen an die Reichweite, aber dennoch können diese Autos wie normale Verbrenner genutzt werden. Warum muss das noch subventioniert werden?

Unabhängig davon sind die Autobauer durch die EU-Abgasvorschriften sowieso immer stärker zur Hybridisierung gezwungen, dafür wäre keine Förderung nötig.

Mitnahmeeffekte

Die Förderung für kleinere Elektroautos könnte wirklich etwas bewegen – bei Autos unter 40.000 € Kaufpreis sind 6.000 € ein ordentlicher Batzen, der zumindest ein Nachdenken bewirkt, ob ein Verbrenner noch eine kluge Wahl ist.

Bei den teureren Autos wird diese Lenkungswirkung aber immer kleiner, irgendwann kippt sie zu einem Mitnahmeeffekt. Das bedeutet, die Kunden nehmen die Kaufprämie zwar mit, haben sich aber nicht deshalb für das Elektroauto entschieden, das hätten sie sowieso gekauft. Diese Art von Umweltbonus bringt der Umwelt nichts, kostet die Allgemeinheit Geld und subventioniert die Leute, die es nicht nötig haben. Hinzu kommt, dass beide Grenzen nicht auf den tatsächlichen Kaufpreis abzielen, sondern auf den Netto-Listenpreis. 65.000 € Netto-Basispreis bedeutet in der Praxis mit Ausstattung und Mehrwertsteuer, dass auch Autos für über 100.000 € subventioniert werden.

Ein am realen Kaufpreis orientierter Förderdeckel wäre sinnvoller.

Was kostet mich welches E-Auto pro Jahr? Unser Kostenrechner.

Just-in-time-Gesetzeslieferung

Als Freund der Elektromobilität freue ich mich darüber, dass günstige Elektroautos stärker subventioniert werden, gleichzeitig finde ich es aber bedenklich, wie sehr die Autoindustrie die Politik wohl unter Kontrolle hat. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass die neue Förderung nur aus Zufall ausgerechnet auf den Tag genau zum Produktionsstart des ID.3 bekanntgegeben wurde. Aus Kundensicht freue ich mich schon auf den ID.3, mit der neuen Förderung wird der sehr attraktiv. Aber zu dieser Förderung passende Modelle gab es eben schon vor dem ID.3 (z.B. Renault Zoe), nur nicht von deutschen Autobauern. Hier drängt sich schon der Eindruck auf, dass ein einzelnes Unternehmen perfekt auf sich zugeschnittene Subventionen bekommt.

Aktuelle Förderpolitik ist schizophren

Wir haben im Moment den Status, dass eine Vielzahl von Antriebstechnologien gefördert wird:

  • Dieselkraftstoff wird niedriger besteuert als Benzin (jährliche Einnahmeausfälle für den Staat: ca. acht Milliarden Euro)
  • Autogas und Erdgas werden ebenfalls steuerlich gefördert
  • Fast alle Autos mit irgendeiner Art Elektromotor (reinelektrisch, Plug-In Hybrid und Brennstoffzelle) bekommen den Umweltbonus
  • Brennstoffzellenfahrzeuge bekommen eine zusätzliche Sonderförderung

Eigentlich wird aktuell jeder Antrieb in irgendeiner Art und Weise finanziell bessergestellt, nur der Benzinmotor nicht. Wenn fast alle Technologien gleichzeitig gefördert werden, geht jegliche Lenkungswirkung verloren – so ein Verfahren kostet nur Geld und bringt wenig Resultate. Statt Elektroautos noch stärker zu fördern, hätte die Bundesregierung auch einfach den bunten Förderstrauß für die anderen Antriebe etwas zurückschneiden können. Der Effekt auf die Kaufentscheidung der Kunden wäre der gleiche gewesen, aber es wäre deutlich billiger.

Die Förderung wird von den Falschen bezahlt

Ein Kritikpunkt, der bereits bei der Einführung des Umweltbonus aufkam, gilt mit der Erhöhung umso mehr: Wer ein Fahrrad, den ÖPNV oder seine Füße nutzt, ist immer umweltfreundlicher unterwegs als mit einem Auto – völlig egal, welcher Motor unter der Haube arbeitet.

Diese Menschen gehen nicht nur leer aus, sie bezahlen sogar indirekt dafür, dass sie kein Auto nutzen, weil aus ihren Steuergeldern die oben genannten Förderungen mitfinanziert werden. Das ist ökonomisch, ökologisch und sozial fragwürdig.

Dieselfahrer sollten E-Förderung finanzieren

Besser wäre es, sämtliche Förderungen für fossile Antriebe zu streichen und das so gesparte Geld in die Förderung der Elektromobilität investieren. Oder die Profi-Variante: Einen wirklichen CO2-Preis (nicht die lächerlichen 3 ct pro Liter) auf Erdöl-Kraftstoffe erheben und mit diesen Einnahmen Elektroautos subventionieren.

Zusätzlich ist es dringend notwendig, im gleichen Rahmen in Bahn und Radverkehr zu investieren – hier gibt es die Idee, für jeden Euro Auto-Förderung auch einen Euro für Bahn und Fahrrad auszugeben. Das wäre dringend notwendig, denn nur mit dem Austausch der Motoren in den Autos werden wir die Klimabelastung des Verkehrssektors und die negativen Auswirkungen auf die Stadtbevölkerung nicht ausreichend reduzieren können.

Ein großes Problem wird nicht gelöst

Das in meinen Augen nach Ladeinfrastruktur und Kaufpreisen wichtigste Hemmnis für den Durchbruch der E-Mobilität räumt das neue Förderpaket nicht aus: Falschinformation und Halbwissen. Zu kaum einem Thema wird aktuell so viel grober Unfug publiziert – sei es in den Medien oder aus der Politik (ohne hier ganze Branchen über einen Kamm scheren zu wollen, es sind ja längst nicht alle): Ständig wird die CO2-Bilanz von Elektroautos künstlich schlecht gerechnet, Wasserstoff als vermeintliche Alternative angepriesen, Horror-Stories über Lithium und Kobalt verbreitet und das Schreckgespenst der Massenentlassungen in den großen Autofabriken an die Wand gemalt. Aufgabe der Politik und der Industrie wäre es, hier Haltung zu zeigen und sich klar auf die Seite der naturwissenschaftlichen Fakten zu stellen. Stattdessen schwadroniert das Bundeskabinett ständig über Wasserstoff und Flugtaxis. Einer der wenigen Lichtblicke in der öffentlichen Debatte ist VW-Chef Herbert Diess, der ganz klar sagt, dass die Klimaziele nur mit Elektroautos und nicht mit anderen Antrieben erreicht werden können. Andreas Scheuer mache ich da keinen Vorwurf, von dem erwarte ich nichts mehr – von der Physikerin Dr. Angela Merkel aber sehr wohl.

emobly meint: In Grundzügen ist die neue Förderung richtig – weit von dem Reinfall entfernt, den die Bundesregierung „Klimapaket“ genannt hat. Insbesondere kleine Fahrzeuge werden finanziell deutlich attraktiver, wir werden also bald deutlich mehr kleine Stromer in unseren Städten sehen. Leider werden andere umweltfreundliche Verkehrsmittel weiterhin nicht bzw. zu wenig gefördert und die Kaufprämie wird aus den falschen Töpfen finanziert.

Im Rahmen des aktuellen Fördersystems sind neue Prämien leichter umzusetzen als ein genereller CO2-Preis, unter diesem Aspekt ist die Erhöhung der Förderung richtig. Leider hat die Regierung keine Lust oder keinen Mut, die auf dem Gießkannenprinzip basierende Förderkultur zu ändern – so wird weiter unnötig viel Geld verteilt und dennoch nicht der optimale Effekt erzielt.