Es muss nicht immer Premium sein

Dass die deutsche Autoindustrie ab diesem Jahr dann endlich auch mal in den Markt der E-Autos einsteigt, ist schon mal nicht schlecht. Audi etron, der Mercedes EQC und der Porsche Taycan sind die ersten Vertreter der neuen Generation von E-Autos. Dazu gibt es den immer noch technisch nicht veralteten BMW i3, der weiterhin zu den Bestsellern in Deutschland gehört. Ebenfalls nicht vergessen sollte man den Smart ED, der als Elektro-Stadtauto für Singles durchaus brauchbar ist. Aber reicht das, um die Wende zur Elektromobilität anzutreiben?

Manchmal hilft tatsächlich ein Blick zurück, wenn man etwas lernen oder besser machen möchte. Wie wurde zum Beispiel der erste Schwung zur Mobilität der Massen angetrieben? Wie heute die E-Autos waren die ersten Automobile, die um die Jahrhundertwende in Mode kamen, enorm teuer. Das Model T von Ford, das 1908 auf den Markt kam, kostete zunächst 850 Dollar. was heute ungefähr 23.000 Dollar entspricht. Erst mit der Einführung der Fließbandproduktion sank der Preis auf 300 Dollar (circa 8.000 Dollar heute). 

In Deutschland gab es zwei Wellen der Massenmobilität. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es zwei schon erschwingliche Kleinwagen wie den Opel „Laubforsch“ der rund 2.000 Mark kostete (circa 400 Euro heute), aber auf Grund der schwierigen Wirtschaftslage in Deutschland blieb der Absatz neuer Autos überschaubar. Das änderte sich erst nach dem zweiten Weltkrieg mit dem VW Käfer und anderen kleinen Fahrzeugen wie der BMW Isetta oder dem Goggomobil. 

Der kleine Ausflug in die Vergangenheit zeigt, dass es vor allem die Kleinwagen waren, die die entscheidenden Impulse gegeben haben. Doch abgesehen vom Smart bietet die Industrie diese Fahrzeuge nicht an. Stattdessen werden riesige SUV auf die Straße gebracht, deren Leergewicht bei 2.5 Tonnen liegt und schon deswegen viel Energie verballern, weil sie ihr Gewicht erst einmal in Bewegung bringen müssen. 

So bequem SUV sein mögen, so sinnlos sind die Fahrzeuge im Alltag. Um einigermaßen brauchbare Reichweiten erzielen zu können, müssen die Hersteller Batterien mit einer Leistung von 100 kWh verbauen. Was den Preis der E-Autos dann noch weiter noch oben treibt. Denn unter 70.000 Euro geht bei den neuen Fahrzeugen gar nichts. Doch wer soll sich das erlauben?

Mehr Sinn würde es machen, wenn man das Know-How und Geld in die Entwicklung kleiner, bezahlbarer E-Autos steckt, die über eine vernünftige Reichweite verfügen. VW wird das im nächsten Jahr mit dem I.D. versuchen, dessen Basispreis ungefähr 23.000 Euro betragen wird. Aber ist das schon günstig genug? Ich denke nicht. 

Was fehlt ist das Angebot eines einfachen, günstigen E-Autos mit einer Reichweite von ungefähr 200 Kilometern, dass in Massenproduktion hergestellt werden kann. Sozusagen das Ford T-Model oder der VW Käfer der Neuzeit. Ein Auto, dass sich auch Menschen leisten können, die weniger verdienen. Premium Fahrzeuge mögen ja dem Ruf entsprechen, der vor allem gerne von der deutschen Autoindustrie gepflegt wird. Aber damit wird man keine Revolution auslösen. 

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Technologie, Internet und Mobilität sind Themen die mich und mein Leben antreiben. Als Journalist schreibe ich regelmäßig über diese Themen für die bekanntesten deutschsprachigen Magazine und Zeitungen. Dabei geht es vor allem um die Zukunft der Mobilität in unserer Welt. Elektrifizierung, Autonome Fahrzeuge, Carsharing, und die Wirtschaft um diese Themen werden von mir seit Jahren begleitet und kritisch beschrieben. Als einer der ersten Journalisten in Deutschland, habe ich mit CEOs aus der Mobilitätsbranche über Veränderungen und Herausforderungen gesprochen. Die Fragen, wie wir unsere Zukunft nachhaltig mobil halten, welche Unternehmen für die Veränderungen bereit sind, welche Herausforderungen und Gefahren auf uns warten, habe ich in vielen Artikeln und Analysen beschrieben.