IAA 2019: Eine Messe der verpassten Chancen

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Wenn die IAA ein Sinnbild für die gesamte Branche ist, dann ist die Krise größer, als man denkt. Die Liste der Hersteller, die in diesem Jahr der IAA den Rücken gekehrt haben, ist lang und eindrucksvoll. Toyota, Volvo, Fiat, Peugeot, Citroen, Tesla und andere haben kein Interesse ihre Autos in Frankfurt zu zeigen. Das hat einerseits was mit dem veralteten Messekonzept der IAA zu tun, andererseits auch damit, dass die Hersteller sich das Geld sparen. In Zeiten rückläufiger Umsätze ist das verständlich.

Auch die Deutschen Hersteller haben ihre Ausgaben zurückgefahren. Daimler zeigt nur wenige Autos und verweist darauf, dass man die Messe nutzen will, um das Markenerlebnis zu vermitteln. VW packte alle Marken in eine Halle, statt wie sonst die Marken über die Messe zu verteilen. Und BMW verzichtete in diesem Jahr auf 70 Prozent der sonst beanspruchten Ausstellungsfläche. Es gab also deutlich weniger Platz für die Autos und umso spannender war dann die Frage, was die Hersteller zeigen würden.

Natürlich waren das E-Autos. Aber Überraschungen gab es dann auch nicht. VW zeigte den ID.3, der bei den von mir befragten Kollegen auf ein geteiltes Echo traf. BMW hatte gar nichts Neues im Angebot, aber immerhin wurde der E-Mini gezeigt. Bei Mercedes gab es auch nichts. Man stellte eine Studie einer elektrischen S-Klasse vor, die wohl in zwei Jahren auf den Markt kommen soll. Porsche hatte immerhin den Taycan im Angebot. Aber ehrlich, ein Auto, dass 150.000 Euro kostet und dann am Ende weniger Reichweite hat, als ein Tesla S, ist dann schon enttäuschend.

Und genau dieser Eindruck beherrschte die gesamte IAA: Enttäuschung. So großartig die Leistung von VW ist, innerhalb von nicht mal fünf Jahren ein komplett neues Auto auf den Markt zu bringen, so enttäuschend ist es, dass von den anderen Herstellern nichts zu sehen ist. Nicht mal neue Studien wurden vorgestellt. Es gab einige Sonntagsreden und natürlich sprachen alle von Nachhaltigkeit. Aber zu sehen war dazu nur wenig.

Seit dem Diesel-Skandal sind vier Jahre vergangen. Genug Zeit für die Hersteller sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen. Um so überraschender ist es dann, dass ein Hersteller wie Ford nicht mal die Idee eines E-Autos auf der Messe zeigt. Oder das BMW auch 2020 nicht sagen kann, wann man ein E-Auto in der Mittelklasse anbieten kann, dass nicht der i3 ist. Man hat nur angekündigt, dass der i3 irgendwann eingestellt wird.

Auch in der Peripherie der E-Autos gab es wenig zu berichten. Die IAA wäre ein guter Moment gewesen eine einheitliche Ladekarte für ganz Deutschland oder gar Europa anzubieten. Aber nichts davon war zu sehen. Die Kunden werden weiter dazu gezwungen sich mit Einzellösungen auseinander zu setzen. Das ist in etwas so, als müsse man an einer Tankstelle mit unterschiedlichen Währungen zahlen. Was beim Sprit absurd erscheint, ist bei Ladesäule normal und niemand kümmert sich drum.

So bleibt am Ende der Eindruck, dass die IAA in diesem Jahr sich zwar viel vorgenommen hatte, aber wenig erreichte. Weder die Messe noch die Hersteller machen den Eindruck, als ob sie genau wüssten, was sie eigentlich wollen. Und wohin die Reise gehen wird.

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Technologie, Internet und Mobilität sind Themen die mich und mein Leben antreiben. Als Journalist schreibe ich regelmäßig über diese Themen für die bekanntesten deutschsprachigen Magazine und Zeitungen. Dabei geht es vor allem um die Zukunft der Mobilität in unserer Welt. Elektrifizierung, Autonome Fahrzeuge, Carsharing, und die Wirtschaft um diese Themen werden von mir seit Jahren begleitet und kritisch beschrieben. Als einer der ersten Journalisten in Deutschland, habe ich mit CEOs aus der Mobilitätsbranche über Veränderungen und Herausforderungen gesprochen. Die Fragen, wie wir unsere Zukunft nachhaltig mobil halten, welche Unternehmen für die Veränderungen bereit sind, welche Herausforderungen und Gefahren auf uns warten, habe ich in vielen Artikeln und Analysen beschrieben.