Namasté – Der elektrische Reiter (Teil 1)

Mein Elektroauto und ich, was soll ich sagen, es hatte sofort gefunkt. Beim ersten Tippen auf das Strompedal – ja – STROM-Pedal (Keine Sorge, es dauert eine Zeit, bis man sich an das neue Vokabular gewöhnt) war mir klar: Ich will nie wieder etwas anderes fahren! Diese Kraft, diese unmittelbare Reaktionszeit. Und klar, die dummen Gesichter der Porschefahrer im Rückspiegel an der Ampel.

Ich war nie der Auto-Typ. Autos waren mir schon immer ziemlich egal. Ein Auto war für mich nicht mehr als ein Mittel zum Zweck. Ein Vehikel, das mich von A nach B bringt, ohne C fragen zu müssen, ob er mich mitnimmt. PS, Hubraum und Beschleunigung? Damit war ich schon beim Auto-Quartett in der großen Pause überfordert. Ein Wunder, dass ich überhaupt den Führerschein habe.

Mein letzter Verbrenner war ein Audi. Der ist mir sprichwörtlich unter dem Hintern abgeraucht. Es war der Neujahrstag. Ich war ausgepowert, hatte mir ein Wellnesswochenende verordnet, abgeschieden in den bayerischen Alpen. Da, wo mich niemand findet (wie sich später herausstellte noch nicht einmal der ADAC). Mitten auf einer Serpentinenstraße ging der Motor aus. Was ich auch versuchte – der Wagen sprang nicht mehr an. 

Später in Garmisch-Partenkirchen, ich saß im Wartezimmer einer Autowerkstatt, als endlich die Tür aufging. Der KFZ-Meister in seinem ölverschmierten Blaumann kam auf mich zu, begleitet von einem weiteren Mechaniker und dem Azubi. Mit gesenktem Kopf überbrachte man mir die Nachricht: „Motorschaden. Es gab nichts mehr, was wir für ihn tun konnten.“ Ich hätte schwören können, die Drei hatten Tränen im Auge.

Meine Traurigkeit hielt sich in Grenzen. Ich war sauer! Zehn Jahre lang nervte mich die Karre bei jeder noch so belangloser Bagatelle: BING-BING! (Kühlflüssigkeit überprüfen) BING-BING-BING!! (Scheibenwasser alle) BING-BING-BING-BING!!! (das linke Glühbirnchen am hinteren Nummernschild ist durchgebrannt). Und dann: Aus heiterem Himmel ein Motorschaden! Am Arsch der Welt. Ohne Vorwarnung.

Ich habe den Wagen noch an Ort und Stelle verschrotten lassen und bin mit dem Zug nach Hause gefahren. Aus meiner Wellness-Tasche mit der Aufschrift „Namasté“ ragten die Nummernschilder heraus. „Das Jahr fängt ja großartig an!“, dachte ich mir und fasste einen Entschluss. „Beim nächsten Auto wird alles anders!“. Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.