Oh BMW, wo bist Du?


Stell Dir vor, das Elektrozeitalter bricht an, und ausgerechnet der E-Pionier BMW hat seinen Turnbeutel vergessen. Unser emobly-Rant zum Wochenende.

In letzter Zeit ist viel die Rede von VWs Elektro-All-in-Strategie, von Audis e-tron, Daimlers EQC, vom Jaguar I-Pace, vom Opel Corsa e und natürlich von Tesla und den Asiaten. Fast wäre mir BMW entgangen, hätten die Münchner nicht gestern mal wieder mit einer Pressemitteilung auf sich aufmerksam gemacht. 

Im Mai habe der kumulierte Absatz der elektrifizierten Fahrzeuge der BMW Group die 400.000er Marke geknackt. Irre. Es folgen Jubel-Botschaften über diverse Hybride und Plugin-Hybride. Bis Ende 2020 werde die BMW Group zehn neue oder überarbeitete elektrifizierte Fahrzeuge im Markt haben. Elektrifiziert. Heißt: getarnte Verbrenner oder irgendwie auch elektrisch.

Als Journalist lernt man beim Lesen von Pressemitteilungen darauf zu achten, was dort NICHT steht. So sucht man in der jüngsten BMW-Erklärung vergeblich nach Neuigkeiten zu echten Elektroautos. Die Nachfrage nach Markteinführung “des innovativen i3” wachse weiter, heißt es da am Rande. Innovativ. Steht da wirklich. Die erwähnte Markteinführung war 2013.

Keine Rede vom i4 oder vom E-Mini. Keine Zeitangaben zu den elektrischen Konzeptautos, die in den letzten Jahren immer wieder präsentiert wurden. In anderen Worten: BMW zieht blank. Ausgerechnet der deutsche Elektroauto-Pionier hat zum Startschuss des Elektro-Zeitalters kein zeitgemäßes E-Modell am Start.

Stattdessen bei jeder passenden (meist unpassenden) Gelegenheit immer wieder selbstgefällige Seitenhiebe auf Tesla. Man spürt den Schmerz im Vorstand, vor Jahren eine kolossal falsche Entscheidung getroffen zu haben, als man die i-Serie auf Eis gelegt und die verantwortlichen Ingenieure und Projektleiter in die USA bzw. nach Fernost getrieben hat. 

Und so bleibt den Münchnern heute nichts weiter übrig, als in die Rücklichter der deutschen Konkurrenz zu blicken. Und, wow, haben der e-tron, der EQC und der ID.3 hübsche Rücklichter!