Plugin Hybride sind Zombies

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BMW hat beschlossen mehr Plugin-Hybride als E-Autos zu bauen. Eine falsche Entscheidung.

Plugin-Hybride sind nur eine kurzfristige Lösung. Ja, sie mögen vordergründig interessant sein, weil sie ein bisschen „best of both worlds“ sind. Plugins mit einer Reichweite von 100 Kilometern decken mit ihrer elektrischen Reichweite die meisten Pendler-Strecken ab. Über 80 % aller täglichen Strecken liegen im Bereich von unter 80 Kilometer. Gleichzeitig sind sie ein Argument gegen die „Reichweiten-Angst“. Will man in den Urlaub fahren oder jemanden auf dem Land besuchen, springt der Verbrenner ein.

Aber das war es dann auch schon mit den Vorteilen. Da wäre zum Beispiel die Frage, wer eigentlich nach dem Tankvorgang noch mal 30 weitere Minuten investiert, um den Akku aufzuladen. Die meisten Plugins verfügen dabei nicht mal über eine Schnellladefunktion. Was den Ladevorgang nochmals verlängert. Lädt man den Akku aber nicht auf, schleppt man rund 200 Kilogramm sinnloses Gewicht mit sich rum, was den Verbrauch des Verbrenners deutlich erhöht. Ein anderes Problem wird sein, dass PHEVs die Ladeplätze für BEVs blockieren. Die brauchen den Strom naturgemäß dringender.

Plugins verfügen über eine hochkomplexe Technik, weil man im Grunde zwei komplett unterschiedliche Antriebsarten plus einer sehr aufwendigen Abgasreinigung an Bord hat. Das treibt den Preis der Plugins weit nach oben und daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Für den Preis eines Plugin könnte man auch ein reines E-Auto herstellen. Doch die deutschen Autohersteller trauen ihren Kunden nicht. Sie haben Angst, dass die hoch konservative Käuferschicht zu Herstellern abwandert, die weiterhin nur Verbrenner anbieten. Das führt dann aber wieder dazu, dass man den Wandel zum E-Auto verschleppt.

Das erinnert ein bisschen an die Anbieter von Pferdekutschen vor 100 Jahren. Die dachten auch, dass die Kunden keine Lust auf die „stinkenden“ Auto jener Zeit haben würden, die zudem auch noch teuer waren. Tatsächlich fanden die Kunden die schnellere und oft auch bequemere Beförderung in einem Auto deutlich interessanter. Von den rund 150 Kutschenherstellern, die es um 1910 in Deutschland, Österreich und Ungarn noch gab, existierten 20 Jahre später nur noch eine Handvoll.  

Die Frage ist, warum ein Hersteller wie BMW überhaupt so stark auf Plugin-Modelle setzt. Die Antwort ist einfach: Die Marge pro Fahrzeug bestimmt das Denken. Die Plugin-Technologie ist fertig und wird schon eingesetzt. BMW hat ein System entwickelt, dass an die bestehenden Motoren angedockt werden kann. Das ist deutlich günstiger, als viel Geld in die Entwicklung von E-Motoren und vor allem in die Software Entwicklung zu stecken, wie zum Beispiel intelligente Rekuperationsstrategien. 

Im Grunde müssten fast alle Hersteller das Auto neu erfinden. Als Beispiel dienen hier Tesla, Nio und Byton, die erst die Software, dann die Akku-Plattform und dann das Auto drum herum entwickeln. Die deutschen Hersteller bedienen sich meist Plattformen, die für Verbrenner entwickelt wurden und nun für die E-Mobilität umgebaut werden. So zum Beispiel der e-tron von Audi (Q5) und der im kommenden Jahr produzierte iX3 von BMW, der auf Basis des X3 SUV aufbaut. Diese Plattformen haben aber ihre Limitierungen, weil sie für einen anderen Einsatz geplant waren. 

Plugin-Hybride sind also am Ende nur Zombies. Sie sind kein richtiges E-Auto, sie sind aber auch kein Verbrenner, weil sie zusätzliches Gewicht mit sich schleppen und am Ende mehr verbrauchen, als wenn sie ohne die teure Plugin-Technologie unterwegs sein würden. 

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Technologie, Internet und Mobilität sind Themen die mich und mein Leben antreiben. Als Journalist schreibe ich regelmäßig über diese Themen für die bekanntesten deutschsprachigen Magazine und Zeitungen. Dabei geht es vor allem um die Zukunft der Mobilität in unserer Welt. Elektrifizierung, Autonome Fahrzeuge, Carsharing, und die Wirtschaft um diese Themen werden von mir seit Jahren begleitet und kritisch beschrieben. Als einer der ersten Journalisten in Deutschland, habe ich mit CEOs aus der Mobilitätsbranche über Veränderungen und Herausforderungen gesprochen. Die Fragen, wie wir unsere Zukunft nachhaltig mobil halten, welche Unternehmen für die Veränderungen bereit sind, welche Herausforderungen und Gefahren auf uns warten, habe ich in vielen Artikeln und Analysen beschrieben.