Sinn oder Unsinn von E-Autos – das ist nicht die Frage

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Die umstrittene E-Auto-Studie des früheren Ifo-Präsidenten hat viel Feinstaub aufgewirbelt. Ein Rant.

Diesel-Autos sind umweltschonender als Elektroautos! – Bäm! Was für eine unsägliche, leider typische Dumpfbacken-Debatte, die der Star-Ökonom und frühere ifo-Präsident Hans-Werner Sinn da völlig ohne Not (und ohne dass ihn jemand darum gebeten hätte), losgetreten hat.

Was auf seine Studie folgte, war so vorhersehbar wie die Handlung eines Rosamunde-Pilcher-Films oder jedes Pornos: ein Aufschrei unter den E-Auto-Fans. Gefolgt von den Triumph-Fanfaren der Verbrenner-Fraktion, so als ob plötzlich Daenerys Targaryen auf dem Rücken eines Drachen erschienen war, um sämtliche Umwelt-Studien der vergangenen Jahre mit einem einzigen Feuerstrahl zu vernichten.

Die eigentliche Überraschung aber sollte noch kommen: Bislang eher selten als Elektro-Fanboys aufgefallene Publikationen wie WiWo oder SpOn, schossen sich sich auf den Professor ein und stellten dessen Zahlenwerk in Frage. Sogar VW (!) und die Bundesregierung sahen sich genötigt, die Studie zu kritisieren.

Beleidigt wie ein Lungenarzt, der sich beim Kopfrechnen um die eine oder andere Null vor dem Komma vertan hat, beeilte sich Hans-Werner Sinn, auf die Vorwürfe zu antworten. Und das tut man, wenn selbst fundierte Fachmagazine wie der Focus dankend ablehnen, natürlich in der FAZ (der Text hier auch ohne Paywall auf seiner Homepage).

Das Akade-Mimimi des Professors Sinn-gemäß: Was können wir dafür, wenn beim Googlen auf der Homepage von Tesla noch keine WLTP-Zahlen zu finden waren!

Und so wollen wir, auch wenn es echt schwer fällt, die ganze Diskussion noch einmal nüchtern betrachten. Entscheidend ist doch nicht, wer welche Zahlen zurückliegender Messungen zu wessen Gunsten verdreht hat. Entscheidend ist allein die Frage, welche Technik hat in der ZUKUNFT die größeren Entwicklungschancen.

Und hier räumen sogar die hartgesottensten Abgasschnüffler inzwischen ein, dass die Verbrenner-Technologie komplett ausgereizt ist (okay, vielleicht mit Ausnahme von Vollprofis wie Christian Lindner). Was nicht heißen soll, dass die Elektromobilität alle Probleme löst.

Die Batterietechnik aktuell ist alles andere als ideal. Und nein, so lange der Strom noch nicht öko ist (in Deutschland immerhin schon 40 Prozent), so lange kann man auch beim E-Auto nicht wirklich zufrieden sein. 

Doch nur weil die vergleichsweise junge E-Mobilität heute noch nicht sämtliche Probleme gelöst hat, die beim Verbrennungsmotor auch nach 100 Jahren noch nicht gelöst wurden, heißt das ja nicht, dass man dann ebenso gut die Hände in den Schoß legen und beim Diesel bleiben kann (das suggeriert die Sinn-Studie quasi mit jeder Zeile). 

Was wir brauchen sind keine Studien, die den Diesel postum schön rechnen, sondern Studien, die ermitteln, wie man leistungsstarke Batterien ressourcenschonender herstellen und recyclen kann. DAS ist die Debatte, die ich mir im Jahr 2019 gewünscht hätte.

Und wenn an dieser Stelle irgendein Schlaumeier daherkommt und ruft: „Aber was ist mit WASSERSTOFF!!!“ möge ihn die Mutter der Drachen mit einem Feuerstrahl treffen und augenblicklich zu Feinstaub verwandeln.