Stunde Null bei VW

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Schlüsselübergabe in Wolfsburg v.l.n.r.: Roland Clement, Vorsitzender der Geschäftsführung der Autostadt, Jürgen Stackmann, Vertriebsvorstand Volkswagen Pkw, Oliver Nicolai, First Mover, Holger B. Santel, Leiter Vertrieb und Marketing Volkswagen Pkw. / Quelle: Volkswagen AG

Der 11. September 2001 hat sich in unser Bewusstsein eingebrannt als der Tag, an dem der Terror die Welt beherrschte. Für Volkswagen könnte der 11. September 2020 der Tag werden, an dem der Konzern die Zeit zurück gedreht hat und die einzigartige Chance erhält, noch einmal ganz von vorne zu beginnen.

Düstere Kapitel liegen hinter dem Industriegiganten aus dem Hitler-Reich. Zwangsarbeit, Intrigen, Sex- und Bestechungsskandale. Und nicht zu vergessen der Dieselverrat, der wohl weltweit als größter Betrugsfall aller Zeiten in die Industriegeschichte eingehen wird.

Vergangenen Freitag, am 11. September 2020, ist nun also der erste ID.3 an einen zahlenden Kunden übergeben worden. Das allererste echte Elektroauto-Modell, das Volkswagen zurück in die Zukunft führen soll (Der e-Golf und e-UP waren umgerüstete Verbrenner).

400 ID.3 Fahrzeuge seien über das Wochenende ausgeliefert worden, heißt es bei VW. “Wie versprochen liefern wir noch im Sommer den ersten ID.3 aus”, lässt sich Jürgen Stackmann, Vertriebsvorstand bei Volkswagen in einer Pressemitteilung augenzwinkernd zitieren. Zur Erinnerung: Herbstbeginn ist in einer Woche.

Dass die Fahrzeuge nur unfertig, mit einem Software-Provisorium übergeben worden sind, wurde in der Pressemitteilung verschwiegen. Sei’s drum! Auch die ersten Tesla-Kunden mussten anfangs manche Kröte schlucken. Das ist der Preis den man zahlt, als E-Pionier.

Aber auch bei VW selbst hat der Übergang ins Elektro-Zeitalter Opfer gefordert. Nicht nur in der Produktion, auch in der Chefetage. Neben CEO Herbert Diess, der schon Mitte des Jahres als VW-Markenchef entmachtet wurde und dem Software-Chef, der nur kurz darauf strafversetzt wurde, soll nun auch Jürgen Stackmann abgesägt werden. Zu viele Pannen, zu mächtig aber auch der Betriebsrat sowie andere Kräfte, die sich wünschten, das Elektrozeitalter wäre nie eingetreten.

Die Stunde Null kommt auch in Wolfsburg nicht zum Nulltarif. Auch wenn sich die alten, wie die neuen Konzernlenker sicherlich nicht über die Zahl der Nuller auf ihrem persönlichen Bankkonto beschweren dürften.