Ad hoc-Tarif: 69 Cent/kWh fürs Schnellladen bei der EnBW

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EnBW Ladestation HPC
EnBW Ladestation HPC

Die EnBW gehört in Deutschland zu den aktuell am stärksten expandierenden Anbietern von Ultra-Schnellladestationen, sogenannten High Power Chargern (HPC). Sowohl an Autobahn-Raststätten von Tank & Rast als auch an Shell Tankstellen, aber auch bei Baumärkten und Einzelhändlern findet man immer mehr EnBW-HPC. In der Regel bieten diese eine Ladeleistung von mindestens 150 Kilowatt per CCS-Stecker an, häufig auch 300 Kilowatt.

Leser*innen von emobly wiesen uns an diesem Wochenende auf den neuen Ad hoc-Ladetarif der EnBW hin. Unter “Ad hoc Laden” versteht man die Nutzung einer öffentlichen Ladestation ohne vorherige Registrierung als Kunde beim Betreiber oder einem Ladetarif, somit also ein Laden ohne Vertragsbindung. Wer fortan EnBW Schnelllader ohne jede vertragliche Bindung nutzen will, muss 0,69 Euro pro Kilowattstunde bezahlen zzgl. 0,06 Euro pro Minute. Je langsamer das E-Auto lädt, desto teurer wird die Ladung somit aufgrund der Zeitkomponente.

Wer Ad hoc laden will, erhält nach dem Scannen des entsprechenden QR-Codes den neuen Tarif angezeigt. 0,69 Euro/kWh zzgl. 0,06 Euro/Minute

Als registrierte/r Kundin/Kunde der “mobility+” App der EnBW können die HPC weiterhin für 0,49 Euro pro Kilowattstunde genutzt werden. Ein monatliches Grundentgelt fällt dabei nicht an. Persönliche Kunden- und Zahlungsdaten inkl. des Nutzungsprofils werden aber freilich dennoch beim Anbieter hinterlassen. Dass dieser, mutmaßlich hoch defizitäre Tarif, jedoch langfristig erhalten bleibt, gilt als unsicher. Wir erwarten eine Preisanpassung in diesem Jahr.

emobly meint: Die Ad hoc-Pflicht war in der Theorie eine gute Idee. Kund*innen sollten die Möglichkeit haben, frei von Vertragsbindungen an jeder öffentlich (geförderten!) Ladestation laden zu können. Man könnte sagen: So wie man es vom Tanken Jahrzehnte gewöhnt war. Datenhungrige Betreiber finden über das Mittel der Preisdiskriminierung nun einen Weg, diese gute Idee ad absurdum zu führen. Im Falle der EnBW sollen Kunden, die keine vertragliche Bindung eingehen wollen, 20 Cent pro Kilowattstunde mehr bezahlen zuzüglich einer unfairen Zeitkomponente, die Fahrzeuge mit geringerer Ladeleistung besonders bestraft.

Praxisbeispiel: Bei einem Ladevorgang über 50 kWh, was bei Fahrzeugen wie dem Audi e-tron oder Tesla Model 3 LR üblich ist, bedeutet dies einen Aufschlag pro Vorgang von 10 Euro allein durch die kWh-Preisdifferenz. Zusätzlich wird noch die Zeitkomponente fällig. Zur Preisdiskriminierung kommt noch der Faktor Mühe: Ad hoc-Laden wäre per kontaktloser Giro- oder Kreditkarte und Smartphone Payment sehr einfach. An sehr vielen Ladestationen in Deutschland sind sogar Lesegeräte für diesen Zweck verbaut – so gut wie alle sind außer Betrieb. Ad hoc-Laden dient eben nur der Erfüllung gesetzlicher Pflichten, keinesfalls der Kundenzufriedenheit.