Das sind die Elektro-Neuheiten der IAA 2019

Morgen wird die Automesse IAA in Frankfurt offiziell von Kanzlerin Merkel für das Fachpublikum eröffnet, am Samstag beginnen dann die Publikumstage. Lohnt der Besuch? Hier alle Elektro-Neulinge, die es exklusiv auf der IAA zu sehen gibt.

VW ID.3

Ein neuer Käfer? Ein neuer Golf? Alles, was man zum ID.3 wissen muss, haben wir bereits am Premieren-Tag hier für Euch zusammengefasst.

Emobly-Urteil: 😊

Volkswagen hat mit diesem Modell alles auf eine (Lade-) Karte gesetzt und hofft auf einen Kassenschlager. Tatsächlich wirkt das Fahrzeug technisch wie auch vom Design durchdacht. Ein gelungener Einstieg ins Elektro-Zeitalter. Doch ob er die Massen begeistern wird, muss sich erst noch zeigen.

Byton M-Byte

Der chinesische Autobauer (der gesteigerten Wert darauf legt, nicht chinesisch, sondern global zu sein), stellte gestern eine „seriennahe“ Version des M-Bytes vor und in der Tat, das sah nicht mehr wie Konzeptauto aus, der dürfte ziemlich genau so auf den Markt kommen. Mehr Infos bekommt Ihr im Exklusiv-Interview, das wir mit Bytons CCO Andreas Schaaf geführt haben oder in unserem Periscope-Stream von der Enthüllung.

Emobly-Urteil: 😐

Endlich kennen wir nach dem Touchscreen-dominierten Interieur auch das Exterieur des Byton M-Byte. Die angekündigten Batteriegrößen von 72 und 95 kWh versprechen gut Reichweiten, wenn der Verbrauch stimmt. Leider kommt er in Europa erst 2021, es wird also sicher nochmal Veränderungen geben.  Die Software (die ja das Wichtigste am M-Byte werden soll) ist laut Byton erst zu 80% fertig, das könnte zu weiteren Verzögerungen führen. Der Startpreis von 45.000 € ist ohne Steuern angegeben, damit könnte Byton es gegen das ebenfalls stark Software-orientierte Model 3 schwer haben.

Honda-e

Knuffiges Elektroflitzerchen mit vielen Touchscreens und Beifahrerdisplay. Die Bedienung ist intuitiv, das Cockpit ist aufgeräumt und es gibt elektrische Außenspiegel. Größenmäßig nahe am e-Up!, sehr kleiner Kofferraum und wenig Platz hinten, ein typischer Kleinstwagen eben. Von Grund auf als Elektroauto designt, das macht sich positiv bemerkbar, allerdings ist der Kaufpreis happig.

Emobly-Urteil: 😐

Der Japaner ist ein schönes Auto mit einem tollen Bedienkonzept. Aber leider ist er mit gut 33.000 € Basispreis viel zu teuer für die gebotenen 200 km WLTP-Reichweite. Mit der neuen Renault Zoe, dem Opel Corsa-e und dem VW ID.3 gibt es ähnlich teure bzw. billigere Autos, die das gleiche oder mehr können.

Mercedes EQV

Mercedes-Benz erweitert die Elektromarke nach smart EQ und dem SUV EQC um einen elektrischen Ableger der V-Klasse, den EQV. Neu im Vergleich zu bisherigen Elektro-Vans wie dem Nissan eNV 200 oder dem Renault Kangoo ZE ist die große Batterie, die Daimler dem EQV spendiert. 90 kWh sollen für 400 WLTP-Kilometer reichen.

Emobly-Urteil: 😊

Der EQV bringt langstreckentaugliche Elektromobilität in ein Segment, das bislang quasi eine reine Verbrenner-Domäne war. Den Fehler, nur einen zweiphasigen AC-Lader zu verbauen (wie beim EQC), haben die Schwaben zum Glück nicht wiederholt.

Mini SE

Der Mini SE ist nicht nur Minis erstes Elektroauto, sondern auch das einzige reine Elektroauto, dass dieses Jahr von der BMW Group vorgestellt wurde. Er ist nur sehr schwer als Elektroauto zu erkennen, Cockpit und Außendesign sind quasi identisch zum Verbrenner. Das dürfte auch der Grund sein, warum trotz der verwendeten i3-Technik nicht 42 kWh, sondern nur 32 kWh Akkukapazität Platz gefunden haben.

Emobly-Urteil: ☹

Der Mini SE ist ein verkleideter BMW i3s, hat aber einen kleineren Akku als dieser. Mini-Fans begeistert er vielleicht, aber für das Geld bekommt man bei Opel, Volkswagen oder Renault deutlich mehr geboten. Der drohende harte Brexit schwebt wie ein Damokles-Schwert über dem Elektro-Briten – wenn für Importe aus Großbritannien plötzlich Zölle anfallen sollten, wird der Preis noch unattraktiver. Dass aus dem BMW-Konzern (wie in den letzten Jahren auch) keine andere Elektro-Neuheit präsentieren konnte, ist schwach.

Porsche Taycan

Wurde früher vorgestellt (siehe dazu unseren Ticker), ist aber auf der IAA erstmal öffentlich zu sehen. Einen ausführlichen Artikel haben wir bereits hier veröffentlicht.

Emobly-Urteil: 😊

Eine kurze Sitzprobe reicht nicht für ein ausführliches Urteil, aber unser erster Eindruck ist sehr gut. Bedienung läuft flott und intuitiv, deutlich besser als bei anderen deutschen Autobauern. Die Sitze sind bequem, die Verarbeitung ist tadellos – für 150.000 € kann man das aber auch erwarten. Schade nur, dass der Kofferraum so klein ist, da geht in ein Model S mehr rein. Und die elektrischen Ladeklappen mit Touchsensor könnten sich als sehr fehleranfällig erweisen.

Seat El-Born

Technisch identisch zum VW ID.3, sieht aber besser aus. Innenraum ist weitgehend gleich, die Proportionen sind ebenfalls sehr ähnlich, aber einige Details sind anders gestaltet. Die Scheinwerfer sind sportlicher und das durchgängige Rückleuchten-Band gibt dem El-Born einen Hauch Taycan. Touchscreen und Knöpfe sind die gleichen, die Benutzeroberfläche weicht aber ab und sieht auf den ersten Blick schöner aus als im ID.3. Der El-Born wird ein paar Monate nach seinem VW-Bruder auf den Markt kommen.

Emobly-Urteil: 😊

Die sportlichere Variante des ID.3 mit anderen Farben und coolerem Design lockt sicher einige Kunden. Wenn die Preisstruktur vergleichbar zum ID.3 oder darunter angelegt wird, wird der el-Born ein Erfolg.

Skoda citigo e iV und Seat Mii electric

Beide Autos sind Ableger des neuen e-Up! (ab 21.975 €) und liegen preislich 1.000 € bis 1.300 € billiger als die VW-Variante. Im Gegensatz zum ID.3, der von Grund auf als Elektroauto konzipiert ist, sind die e-Up!-Derivate umgebaute Verbrenner und sind dementsprechend innen wie außen schwer als Stromer zu erkennen.

Emobly-Urteil: 😐

Die Schwestern des neuen e-Up! punkten wie die deutsche Variante mit einem vergleichsweise günstigen Preis und deutlich mehr Akkukapazität. Den niedrigen Preis bezahlt man mit relativ billiger Optik, die Verarbeitung geht zwar in Ordnung, aber man merkt den Autos den Sparzwang deutlich am. Das analoge Cockpit und das Bedienkonzept sind nicht mehr zeitgemäß – als Übergangslösung, bis ein Kleinstwagen auf MEB-Basis in den Markt gebracht wird, akzeptabel. Als elektrische Stadtflitzer, um Verbrenner von den Straßen zu bringen, sind citigo e iV und Mii electric tolle Autos.

Und sonst?

Wo sind Audi e-tron, Jaguar I-Pace oder Mercedes EQC? Die sind zwar auf der Messe ausgestellt, aber alle keine Neuheiten, die könnt Ihr auch woanders sehen, dafür ist kein Besuch in Frankfurt nötig.

Fast noch interessanter als die Autos sind die Interviews, die wir während den Pressetagen führen konnten. Falls Ihr die verpasst habt, gibt es hier unser Gespräch mit VW-Chef Herbert Diess und hier ein Video von der Premiere des ID.3 – inklusive Stimmen von den Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer und Stefan Bratzel. Viel Spaß beim Anschauen!