Der Batterie-Battle hat begonnen

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Erfolg oder Misserfolg eines E-Autos hängt vor allem an einem Bauteil: der Batterie. Zwischen Herstellern und Zulieferern hat ein Wettlauf um die Batterie der Zukunft begonnen.

Der Verkaufspreis eines E-Autos bemisst sich vor allem an seiner Batterie. So werben Nissan und Renault gerne mit Schnäppchenpreisen für ihren Leaf bzw. Zoe, im beworbenen Preis oft nur klein ausgewiesen die Batterie, die mit mehreren Tausend Euro zusätzlich (oder monatlichen Mietgebühren) zu Buche schlägt.

Aber nicht allein der Preis – auch Fahr-, Ladeleistung, Gewicht, Sicherheit, Lebensdauer eines Elektroautos – alles hängt von der Batterie ab. Kein Wunder, dass Hersteller und Zulieferer alles tun, um hier zu punkten.

Bosch

So will der weltgrößte Automobilzulieferer Bosch dank eines neuen Halbleiters für mehr Reichweite von Elektroauto-Batterien sorgen. Mikrochips aus Siliziumkarbid brächten sechs Prozent mehr Reichweite als klassische Silizium-Chips, so Verkaufsleiter Harald Kröger gegenüber der FAZ. Sie hätten eine bessere Leitfähigkeit und brauchten weniger Energie für die Kühlung.

Bosch investiere für die Produktion einer ersten Pilotlinie in Stuttgart einen „dreistelligen Millionenbereich“. Der erste Musterchip soll im nächsten Jahr vorliegen. Die zweite große deutsche Chipfabrik des Stuttgarter Unternehmens soll im Frühjahr 2020 in Dresden die Arbeit aufnehmen. Mit einer Investitionssumme von einer Milliarde Euro ist das neue Werk in der sächsischen Landeshauptstadt die größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte. 

Grundsteinlegung der Gigafactory in Shanghai – Bild: Tesla Motors

Tesla

Derweil vermeldet der kalifornische Autobauer Tesla, man habe gewaltige Fortschritte bei der Batterieforschung gemacht. Jüngste Testergebnisse mit einer neuartigen Lithium-Ionen-Batterie erhöhten die Lebensdauer einer E-Auto-Batterie von derzeit 7-8 Jahren auf bis zu 20 Jahre, bzw. 1,6 Millionen Kilometer Fahrleistung. Damit könnte man theoretisch 40 mal um die Erde fahren.

Aber auch bei der Zellforschung rüstet Tesla auf: Vor ein paar Tagen vermeldet Electrek, die Kalifornier hätten still heimlich Hibar Systems übernommen. Das kanadische Unternehmen mit Hauptquartier in Ontario, sowie Ablegern in China und in Deutschland, hat sich auf die Entwicklung von Highspeed-Batteriezellen spezialisiert.

Symbolischer Start der Batteriezellfertigung in Salzgitter – Bild: Volkswagen AG

Volkswagen, Daimler & Co

Mercedes-Benz investiert mehr als eine Milliarde Euro in seinen globalen Batterie-Produktionsverbund. Aktuell besteht dieser aus neun Fabriken an sieben Standorten auf drei Kontinenten.

Volkswagen will als erstes deutsche Autohersteller in die Fertigung von Batteriezellen einsteigen. Die erste Fabrik soll als 50-50-Joint-Venture mit dem schwedischen Anbieter Northvolt im niedersächsischen Salzgitter entstehen. Weitere Produktionsanlagen sollen folgen.

Daneben hat sich VW mit weiteren Partnern aus insgesamt sieben EU-Ländern zu einem Konsortium mit dem Namen „European Battery Union“ (EBU) zusammengeschlossen, um eine bessere Verhandlungsposition gegenüber den Zulieferern aus Asien aufzubauen, von denen die europäischen Autobauer derzeit noch abhängig sind.

emobly meint: Der wachsende Wettbewerb auf dem Batteriesektor ist gut für den Kunden. Geht die Entwicklung so schnell voran wie bisher, dürften Elektroautos bald erheblich günstiger sein als klassische Verbrenner. Langfristig ist das sogar gut für die Umwelt. Denn obwohl heutige Batterien eine nicht schön zu redende Belastung darstellen, deutet alles darauf hin, dass Mikrochips und Batteriezellen bald nicht nur billiger und leistungsfähiger, sondern vor allem auch klima-neutral gebaut werden können. Neben der Umstellung auf Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie ist das der zweite, wesentliche Schritt auf dem Weg zu einer wahrhaft umweltfreundlichen Elektromobilität.