Der Peugeot e208 GT – der ZOE-Killer

Foto: Jana Höffner

Im kommenden Jahr will auch Peugeot in Sachen Elektromobilität mitmischen. Mit dem Peugeot e208 GT greift der Hersteller direkt die langjährige Verkaufskönigin Renault ZOE an.

Wenn es um Elektromobilität geht, spielt Peugeot bisher eher eine Statistenrolle. Zwar verkauft der französische Autobauer schon seit einigen Jahren den iOn und Partner electric, doch ein wirkliches Bekenntnis zur Elektromobilität sind die beiden Vehikel nicht. Man kann sie wohl getrost Feigenblätter nennen. Denn beide Fahrzeuge sind keine eigenen Entwicklungen. Der Peugeot iOn ist ein Klon des Mitsubishi i-MiEV und im Partner finden sich die gleichen japanischen Elektroantriebskomponenten. Die Technik ist inzwischen schon zehn Jahre alt – ist der iMiEV doch eines der ältesten Serien-Elektroautos der Welt. 

So ist der Peugeot iOn auch ein eher seltener Anblick auf deutschen Straßen. In seinem besten Jahr 2017 konnte Peugeot gerade mal 269 Fahrzeuge hierzulande verkaufen. 2018 waren es dann nur 147 Stück. Damit erreichte der iOn einen Marktanteil unter den Elektro-Pkw von gerade mal 0,4 Prozent. 

Ende der Zusammenarbeit mit Mitsubishi

Das soll sich nun ändern: Mit dem e208 GT bringt Peugeot das erste selbst entwickelte Elektroauto auf den Markt. Wobei so selbst ist die Entwicklung dann auch wieder nicht. Denn Peugeot gehört wie Citroen und neuerdings Opel zum PSA-Konzern. Kein Wunder also, dass der e208 GT auch im Kleid des Citroen DS 3 Crossback E-Tense und des Opel Corsa das Licht der Autohäuser erblicken wird. 

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Der Peugeot e208 GT ließ sich bisher bei zwei Gelegenheiten öffentlich begutachten. Auf dem Autosalon in Genf Anfang März und jetzt am letzten April-Wochenende auf der iMobility in Stuttgart. Auf beiden Veranstaltungen hieß es aber: Nur gucken und anfassen – nicht fahren. Aber das ist ja auch schon was. 

Kleines Kraftpaket

Elektromobilisten gehören zu den Menschen, die gerne ein Haar in der Suppe suchen und finden. Teilweise berechtigt, weil mancher Hersteller einfach Autos am Markt vorbei baut oder die Wünsche von eingefleischten E-Fahrerinnen ignoriert. Doch so sehr man auch sucht, der Peugeot e208 GT bietet wenig Platz für Nörgeleien.

Schon der Blick auf die nackten Spezifikationen macht Laune: 100 Kilowatt Leistung, 300 Newtonmeter Drehmoment und von 0 auf 100 Stundenkilometer in nur 8,1 Sekunden. Zum Vergleich, der deutlich stärker motorisierte BMW i3 benötigt für den Sprint auf 100 Stundenkilometer 6,9 Sekunden. Eine Renault ZOE lässt sich gemütliche 13,2 Sekunden Zeit, bis sie 100 Stundenkilometer erreicht hat.

Die wichtigsten Zahlen beim Elektroauto sind aber die Reichweite und die Ladegeschwindigkeit. Bei der Reichweite geht es nicht nur um die Größe der Batterie, sondern auch wie effizient das Fahrzeug mit der gespeicherten Energie umgehen kann. Von der Ladeleistung hängt ab, wie schnell ich weiterkommen, wenn die Batterie leer ist.

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Über 300 Kilometer realistische Reichweite

Der Peugeot e208 GT kann auf dem Papier – selbst testen durfte man ja noch nicht – bei diesen Disziplinen durchaus überzeugen. Die Erfahrung zeigt, dass die Angaben bei einem Elektrofahrzeug in der Regel deutlich näher an der Realität liegen, als bei Benzinern oder Dieseln. Die 50 Kilowattstunden große Batterie soll für 340 Kilometer reichen. Das würde einem Verbrauch von knapp 15 Kilowattstunden auf 100 Kilometer entsprechen. Ein durchaus plausibler Wert für ein Auto in dieser Klasse. In der Stadt dürften sogar noch mehr Kilometer möglich sein.

Ist die Batterie leer, kann man zu Hause oder an einer Wechselstrom-Ladestation mit bis zu 11 Kilowatt aufladen. Damit wäre die Batterie in gut fünf Stunden wieder voll. Genug Leistung also, um über Nacht oder tagsüber im Büro wieder aufzuladen oder auch mal zwischendurch beim Einkaufen ein paar Kilometer nachzuladen. Zusätzlich lässt sich der Peugeot e208 GT über den CCS-Gleichstrom-Anschluss mit bis zu 100 Kilowatt Leistung aufladen. Damit wäre das Auto theoretisch in weniger als 30 Minuten wieder zu 80 Prozent geladen. Der e208 GT ist also auch für längere Strecken durchaus geeignet.

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Das Auto schreit „Ich bin ein Sportwagen!“

Das Design wirkt zeitgemäß und im Inneren findet sich jede Menge Klavierlack und eine gelungene Kombination aus einem großen gut lesbaren Touchscreen und haptischen Knöpfen, die an einen englischen Sportwagen erinnern. Das Armaturenbrett mit Kohlefaserdekor ziert ebenfalls ein LCD-Bildschirm, der einen räumlichen 3D-Effekt bietet. Der Innenraum wirkt deutlich hochwertiger als etwa bei der von Hartplastik dominierten Renault ZOE und teilweise sogar wertiger als beim Nissan Leaf. Die Sitze wirken wie der Rest des Fahrzeugs recht sportlich. Der Elektro-Peugeot trägt das „GT“ nicht umsonst im Namen. Allein die riesige Kühlergrill-Attrappe wirkt für ein Elektroauto deplatziert. Ein Elektroantrieb kommt mit einem Bruchteil an Frischluft zum Kühlen aus, da das Aggregat zwei bis viermal so effizient arbeitet wie ein Verbrennungsmotor. Da fehlte den Designerinnen und Designern wohl der Mut für mehr elektrosportliche Eleganz.

Für Wärme im Winter und kühle Luft im Sommer sorgt wie bei vielen Elektroautos eine effiziente Wärmepumpe. Den 208 wird es auch weiter als Benziner oder Diesel geben und so nutzt Peugeot nicht die Vorteile, die ein rein elektrisch entwickeltes Fahrzeug hat. Etwa die bessere Nutzung des zur Verfügung stehenden Raums in der Fahrgastzelle oder Platz für einen zweiten Kofferraum unter der „Motorhaube“. Obwohl das Auto ein Fünftürer ist, ist die Rückbank für Erwachsene auf längeren Strecken nicht zumutbar. Zwar gibt es genug Kopffreiheit aber die Beine passen gerade so hinter die vorderen Sitze. Hier nutzt die Renault ZOE den Innenraum etwas besser aus. Die Positionierung des Ladeanschluss im hinteren linken Kotflügel könnte an mancher Ladesäule – vor allem Schnellladesäulen mit relativ kurzen Kabeln – zu nervigen Situationen führen.

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Sportlicher Einstieg in die Elektromobilität für unter 30.000 Euro

Dafür kündigt sich mit dem e208 GT ein ziemlicher Preishammer an. Der Zielpreis soll unter 30.000 Euro liegen. Damit kegelt er Konkurrentinnen wie die deutlich schlechter ausgestattete und nun auch schon in die Jahre gekommene ZOE aus dem Geschäft. Bestellbar soll der neue Peugeot e208 GT ab Juni sein, die Auslieferungen starten jedoch erst im neuen Jahr, weil so Peugeot die Verkäufe besser auf seinen Flottenverbrauch anrechnen und weiter durstige SUVs vekaufen kann. Trotzdem versprach man auf dem Messestand, dass es nicht nach wenigen Verkaufstagen wieder heißt „Wir haben die Nachfrage völlig unterschätzt!“. Vielmehr soll der e208 GT in großen Mengen vom Band laufen.

Das emobly-Fazit: Unter dem Strich steht der Peugeot e208 GT als vernünftiges Elektroauto mit deutlicher Sportwagen-Attitüde da. Mit seinen Spezifikationen und dem anvisierten Preis hat er gemeinsam mit seinen Brüdern Citroen DS 3 Crossback E-Tense und Opel Corsa das Potential zum neuen Verkaufsschlager zu werden.

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Jana Höffner
Begeisterte Autofahrerin mit starken Suchttendenzen (wenn es eine Straße und Ladestationen gibt, fahre ich mit dem Auto) - seit 2013 inzwischen über 200.000 Kilometer ausschließlich elektrisch. Neben dem Auto ist das Internet und die sozialen Netzwerke mein Zuhause - auch beruflich. Kann spontan Vorträge zu verschiedenen Mobilitätsthemen halten aber auch zu invasiven Neophyten oder Star Trek. Ansonsten Radlerin, Bloggerin (ZoePionierin.de), Vereinsmeierin (Electrify-BW e.V.), Elektroautobauerin (1982er VW Bus), Naturromantikerin und stolze NerdTM.