Der Porsche Taycan macht Jagd auf Tesla

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Feier zum Serien-Produktionsstart des Porsche Taycan - Foto: Jana Höffner

Jetzt also rollt der vollelektrische Porsche Taycan vom Band. Unsere emobly-Autorin Jana war zum Start der Serienproduktion in Zuffenhausen dabei und kommt zu dem Schluss: Die Deutschen nehmen die Tesla-Herausforderung an.

Porsche feierte den Produktionsstart seines Taycan dort wo er gebaut wird: Mitten in der Montagehalle des Elektrosportwagens. Kurzerhand hatte Porsche die neue Produktionshalle zur Event-Location umgebaut. Auf der Linie waren Taycans in ihren verschiedenen Stadien des Produktionsprozesses zu sehen. Von der Rohkarosse, die aus der neu gebauten Lackiererei auf autonomen Transportpods angeliefert wird, bis zum fertigen Auto bei der Endabnahme.

Interview: Robin Engelhardt

Die Halle war in effektvolles Licht getaucht und die blinkenden Lichter entlang der angehaltenen Produktionslinie schafften eine besondere Atmosphäre. Allen, die in die 62.000 Quadratmeter große Halle kamen, war klar: Hier und heute passiert etwas ganz Besonderes. Und auch der Blick auf die Gästeliste zeigte, dass das hier nicht irgendein Produktionsanlauf war. Über 400 Menschen waren geladen, Presse aus aller Welt, Kameras übertrugen die Veranstaltung live für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Porsche.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) war aus Berlin gekommen und auch die Stuttgarter Politikprominenz war breit vertreten. Vorne weg der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der einst den Spruch prägte, weniger Autos seien besser als mehr. Er hat schon lange seinen Frieden mit der Automobilindustrie gemacht. Begleitet wurde er von mehreren Kabinettsmitgliedern und dem Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne).

Porsche setzt weiter auf „Made in Zuffenhausen“

Der große Auflauf der politischen Prominenz war nicht allein der Tasche geschuldet, dass der neue Porsche ein Elektroauto ist, sondern auch, dass Porsche sich mit der Produktion des Taycan in Zuffenhausen zu seiner deutschen Heimat bekennt. Porsche versucht nicht mit einem Compliance Car lediglich den Flottenverbrauch zu senken. Dass zeigt sich beim Blick auf die Zahlen und Fakten.

Insgesamt will Porsche bis 2022 sechs Milliarden Euro in die Elektromobilität investieren, davon alleine 700 Millionen Euro in das neue Taycan-Werk. Hier laufen übrigens nur Taycans vom Band. Damit geht Porsche einen anderen Weg als viele etablierte Autobauer, die bisher nur „Umbauten“ ihrer klassischen Verbrenner anbieten und diese auch in der Regel von den gleichen Linien laufen lassen.

Und beim Taycan soll es nicht bleiben. Porsche will zwar weiter röhrende Benziner bauen, aber seine Palette mit Elektroautos schnell vergrößern. Logisch also, dass die Zuffenhausener eine eigene Produktionslinie für Elektroflitzer gebaut haben. Das alles zeigt: Hier meint es jemand ernst, man nimmt die Herausforderung von Elon Musk und Tesla an und will den Kaliforniern zeigen, wie man echte Sportwagen mit Elektroantrieb produziert. Schließlich baut Porsche seit über 70 Jahren Sportwagen. In Sachen Fahrwerk, Karosserien und Fahrzeugdesign macht ihnen also niemand was vor.

Ein steiniger Weg zum echten Porsche

Der Weg zum einem porschewürdigen elektrischen Antriebsstrang war dagegen schon steiniger. Zahlreiche Prototypen mussten auf Teststrecken in der Hitze Südeuropas ihr elektrisches Innenleben lassen, bis die Ingenieure mit der Performance und dem Durchhaltevermögen des Taycans zufrieden waren. In ganz Süddeutschland konnte man als Panameras verkleidete Taycans samt schwitzenden Ingenieuren beobachten, die dem getarnten Erlkönig beibrachten, mit den Schnellladesäulen der zahlreichen Hersteller einwandfrei zu funktionieren.

Denn eines fürchtete man in Zuffenhausen: Bilder von überhitzten Taycans, die im Sommer auf der Autobahn schlapp machen oder an einer Ladesäule liegen bleiben, weil die Kommunikation zwischen Auto und Säule klemmt. 

Hilfe aus Kroatien

Als Porsche auf dem Weg zur Serienreife stecken blieb – vor allem das Thermomanagement von Batterie und Motoren bereitete den Entwicklerinnen und Entwicklern Kopfzerbrechen – fand man Hilfe beim kroatischen Zulieferer Rimac (gesprochen „Rimatz“). Rimac hat mit seinen zwei Concept Cars Concept One und C2 gezeigt, dass sie das Thermomanagement bei elektrischen Hochleistungsantrieben im Griff haben. Porsche stieg mit zehn Millionen Euro ein und bekam im Gegenzug Know-how. Gerade haben sie die Zusammenarbeit vertieft und ihre Beteiligung um weitere 15 Millionen erhöht. Vielleicht ein Zeichen, dass der Taycan nicht das Ende der elektrischen Perfomance-Fahnenstange sein wird. 

Beeindruckend ist auch der Blick auf die Zeitleiste der Taycan-Entwicklung. Porsche hatte schon vorher Erfahrung mit elektrischen Konzepten und Plug-In-Hybriden gesammelt. Doch im Herzen ging es darum, Benzin zu verbrennen, um aus Motoren möglichst viel Leistung zu quetschen. 

Von der Idee zur Fertigung in vier Jahren

Von der Vorstellung des Mission E auf der IAA 2015 bis zum Start der Serienproduktion vergingen gerade mal vier Jahre. Und das inklusive des Baus einer komplett neuen Fabrik von der Lackiererei, über den Karosserie-, Elektromotoren- und Komponentenbau bis zur Endmontage. Und das auf dem bestehenden Werksgelände im laufenden Betrieb – wir erinnern uns -andere Institutionen in diesem Land brauchen mehrere Jahrzehnte, um einen Flughafen zu bauen. Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender von Porsche, nannte bei der Eröffnung diese Manöver einen „Umzug im Kleiderschrank“.

Er wurde auch nicht müde in seiner Rede immer wieder den Unternehmensgründer Ferdinand ‘Ferry’ Anton Ernst Porsche zu zitieren. „Porsche kann und darf alles bauen. Das Produkt muss nur besser als alles Vergleichbare sein.“ Und er meinte damit natürlich den Elefanten im Raum, den alle Redner (ja es sprachen tatsächlich nur Herren) geflissentlich ignorierten. 

Konkurrenz, kein Killer

Nur der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann rief in seiner unvergleichlich direkten Art Tesla Chef Elon Musk zu. „Der Spruch aus Baden-Württemberg heißt mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben! Und nicht rote!“ Bleibt zu hoffen, dass der Spruch nur für einen billigen Lacher sorgen sollte und man in der Landesregierung nicht tatsächlich so naiv im Umgang mit der Konkurrenz aus dem Silicon Valley ist. Denn anders als viele andere Hersteller macht Tesla mit jedem verkauften Fahrzeug etwa 25 Prozent Gewinn.

Dass am Quartalsende bei Tesla trotzdem oft rote Zahlen stehen, liegt einfach daran, dass Tesla massive Investitionen in neue Fabriken, Ladestationen und sein Servicenetz leisten muss. Das ist eben der Unterschied zwischen einem etablieren Autobauer und eines Start-ups. Auch sollte der Ministerpräsident einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas in der Lage sein, Verluste und Investitionen unterscheiden zu können. Auch Porsche stemmt die Elektrifizierung nicht aus der Portokasse. So gaben sie grüne Schuldscheine aus und die Mitarbeiter verzichteten auf einen Teil ihres Gehalts beziehungsweise Tariferhöhungen. Bei einem heimische Autobauer ist das dann eine Teamleistung, beim Newcomer das Zeichen des nahen Untergangs.

Aber auch Porsche will mit dem Taycan zweistellige Margen erreichen. Sollte auch nicht so schwer sein bei einem Startpreis von 152.136 Euro und einer Sonderausstattungs-Preisliste, auf der selbst Rückfahrkamera und anklappbare Außenspiegel extra kosten.

Das wichtigste überflüssige Auto der Welt

Es lässt sich trefflich streiten, ob es einen weiteren Supersportwagen für über 150.000 Euro braucht. Dass er kein Benzin verbrennt, sondern elektrisch angetrieben und laut Porsche CO2-neutral gebaut wird, lassen viele als Argument für das Auto nicht gelten.

Fakt ist: Da Porsche Teil des VW-Konzerns ist, fließen mit dem Taycan wichtige Erfahrungen und die Technik in das Know-how des Gesamtkonzerns. 

Hinzu kommt, dass der Taycan ein weiterer wichtiger Akzeptanztreiber der Elektromobilität werden kann. Beliebte Tesla-Kritik, vonwegen: „Elektromobilität ist doof, weil <hier beliebiges Vorurteil einfügen>“, Hinweise auf die Spaltmaße oder mangelhafte Verarbeitungsqualität, wird an den Premiumfahrzeugen aus Zuffenhausen abperlen.