Deutschland hat Ladehemmungen

0
Bild: Shutterstock

Die bequemste und billigste Möglichkeit sein Elektrofahrzeug zu laden, ist an der heimischen Steckdose. Bei Eigentumswohnungen kein Problem, eine Mammutaufgabe bei Mietwohnungen.

Nur 45 Prozent aller Deutschen leben im Eigenheim. Vor allem Elektroautofahrer, die zur Miete in großen Wohnanlagen mit Tiefgaragen leben, haben ein Problem. Der ADAC hat Immobilienverwalter zu Lademöglichkeiten in Tiefgaragen befragt. Die Befragten verwalten 4815 Tiefgaragen und Parkplätze in 11 deutschen Städten. Das Ergebnis der Studie: in lediglich 4% der Tiefgaragen ist ein zugänglicher Stromanschluss für Elektroautos verbaut. Davon sind die Hälfte Wallboxen, die andere Hälfte normale Steckdosen.

Woran scheitert es?

Der Häufigste Grund für die schlechte Ladeinfrastruktur ist die fehlende Nachfrage durch die Mieter bzw. Wohnungs-Eigentümer in den Wohnanlagen. Auch zu hohe Kosten und die schwierige technische Umsetzung der Installation einer Steckdose hindern den elektrischen Fortschritt.

In den kommenden Jahren sieht es nicht besser aus. Nur 25% der befragten Unternehmen gaben an, in den nächsten 3 Jahren einen Ausbau der Ladeinfrastruktur vornehmen zu wollen. Hauptursache sind fehlende Leerrohre zur Verlegung von Stromkabeln, welche in 90% der Tiefgaragen vermisst werden.

Staatliche Bremsen

Die Bürger tragen nicht allein Schuld am langsamen Fortschritt. Auch der Staat hat den wachsenden Trend zu Elektroautos verschlafen. Das Wohnungseigentumsgesetz (WEG) verlangt, dass alle Miteigentümer bei Umbauten  an dem Gemeinschaftseigentum zustimmen müssen. Die Eigentümer treffen sich jedoch meist nur einmal jährlich. Bei einer einzigen Gegenstimme bedeutet das Wiedervorlage im nächsten Jahr.

Mehrere Ministerien prüfen, wie die Gesetzgebung der Elektromobilität angepasst werden kann. Erste Entwürfe wurden abgelehnt.
Der neue Anlauf des Verkehrsministeriums lautet “Gesetz zur Beschleunigung des Hochlaufs der Elektromobilität” (BEmoG). Dieser Gesetzentwurf soll Mieter einen Anspruch auf eine Lademöglichkeit am Stellplatz erleichtern, sofern sie dafür selbst aufkommen. Außerdem soll die Bremse, durch die Gegenstimme eines einzelnen Miteigentümers, gelöst werden.