Ein Tag mit dem Audi e-tron

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Don Dahlmann mit dem Audi e-tron in Abu Dhabi - Foto: Audi

Er ist die späte Antwort auf den Tesla. Kann Audis Elektroauto-Debüt überzeugen? Die Auslieferung verzögert sich ein weiteres Mal jetzt in den März. Unser emobly-Autor Don Dahlmann konnte den Wagen bereits auf einem Pressetermin bei Abu Dhabi fahren.

Bei Audi lief es nicht gerade rund in den letzten Jahren. Während BMW und vor allem Daimler immer mehr Fahrzeuge, vor allem in China und den USA, verkauften, fiel Audi in den letzten Jahren ab. Auch in Sachen „Vorsprung durch Technik“ ging es nicht sonderlich zügig voran. 

Da kommt der Umschwung zu Elektromobilität gerade richtig. 

Eigentlich hatte Audi damit schon recht früh angefangen. Vor ein paar Jahren hatte man schon eine elektronische Variante des Sportwagen R8 entwickelt und ein paar Stück gebaut. Das Ding fuhr sich super, schaffte es aber nie aus der „Wir lassen mal ein paar Journalisten damit fahren“ Phase heraus. Ebenso hatte man einen A1 mit einem E-Motor entwickelt, der wiederum einen Wankel-Motor als Range-Extender hatte. Aber auch diese ziemlich gute Idee schaffte es nie in die Produktion. Aber jetzt ist ja der e-tron da, mit dem soll die große E-Offensive bei Audi eingeläutet werden. 

Rein äußerlich kein Unterschied zum Verbrenner / Foto: Audi

Schaut man sich den Wagen von außen an, denkt erst einmal „Sieht aus wie ein Q5.“ Und damit liegt man auch völlig richtig, denn beim e-tron handelt es sich in der Basis um die chinesische Variante des Q5. Man hat die Baureihe aus China genommen, weil diese einen verlängerten Radstand hat. Ergo bekommt man mehr Akkus in die Bodengruppe integriert. 

Weil Audi eben Audi ist, hat man nicht bei Zulieferern ins Regal gegriffen, sondern den gesamten Antriebsstrang und den Akku selber entwickelt. Das gilt allerdings nicht für die Batteriezellen des Akkus, die kommen von unterschiedlichen Herstellern. Aber der Rest trägt den Audi Stempel. Etwas anderes sei bei diesem Projekt nie in Frage gekommen, hieß bei der Vorstellung des Autos, schließlich sei man eine Premium Marke und wolle keine nicht selber getestete Beta-Ware arbeiten. 

Gemeint ist damit Tesla, auch wenn Audi jede Erwähnung der US-Marke vermeidet. Man sehe sich nicht mit Tesla in Konkurrenz, hieß es auf Nachfrage. Aber natürlich ist Tesla sowas wie der Elefant im Raum bei allem Herstellern. Elon Musk hat die Messlatte gelegt und nun muss man schauen, dass man darüber kommt. Was offenbar gar nicht so einfach zu sein scheint. 

Aber Audi hat mit dem e-tron eine ganze Menge richtig gemacht. Neben dem Audi-Stempel auf der Technik hat man sowohl beim Exterieur, als auch beim Interieur keine Experimente gemacht. Dass der e-tron aussieht wie ein Q5 ist keine Schwächung, es ist seine Stärke. Der etron sieht halt wie ein Auto aus, und nicht wie das Statement eines Architekten, der sich mal austoben wollte. Genug Platz bietet der Wagen in allen Lebenslagen, was man bei der Größe auch erwarten sollte.

Kameras statt Außenspiegel / Foto: Audi

Im Innenraum setzt sich die konservative Linie weiter fort. Alles ist so, wie man es von Audi kennt. Bis auf eine Ausnahme. Statt gewöhnlicher Außenspiegel gibt es bei etron auf Wunsch eine Kamera, die ihr Bild wiederum auf einen kleinen Bildschirm auf der Innenseite der Tür wirft. Das sieht zugegeben schick aus, ist aber auch sehr ungewohnt. Beim Spurwechsel geht der Blick immer erst auf den Stummel mit der Kamera, dann suchend weiter runter zum Bildschirm. Der ist immerhin sehr klar und auch bei Sonnenschein gut ablesbar. Auf der Fahrerseite konnte ich mich nur schwer an die Kamera gewöhnen, der auf der Beifahrerseite installierte Bildschirm war besser zu finden. 

Das Herz des neuen Audi ist aber natürlich sein Elektroantrieb. Umgerechnet 400 PS sollen den mit 2.5 Tonnen Leergewicht nicht gerade leichten SUV durch den Verkehr treiben. Und zwar recht flott. Die Werksangaben versprechen 5.7 Sekunden, wenn die 100 km/h schnellstmöglich erreichen möchte. Der Topspeed liegt bei 200 km/h, die man elektronisch abriegelt. 

Viel wichtiger als die schnöden Beschleunigungswerte ist allerdings die Reichweite. Die 95 kWh Batterie soll bis zu 417 Kilometer Reichweite ermöglichen (WLPT). Tesla verspricht beim Tesla X mehr, hat allerdings auch noch keine Messung nach dem neuen WLPT-Test eingereicht. Aber kann der e-tron das auch in der Praxis erreichen?

Das ließ sich leider beim Testtag nicht genau errechnen. Zwar legten wir mit dem etron an einem Tag knapp 400 Kilometer zurück, aber in einer Fahrpause wurde der Wagen aufgeladen. Der Bordcomputer spukte am Ende nach einer Fahrstrecke von 216,6 km eine restliche Reichweite von 143 Kilometern aus. Macht zusammen 359 Kilometer. Knapp 13 Kilometer der Strecke legten wir dabei auf einer sandigen Wüstenpiste zurück, bei der man nicht gleichmäßig fahren konnte und kleine Dünen mussten mit Vollgas erklommen werden. Dazu lief in der Wüste der Emirate die Klimaanlage auf vollen Touren. Allein die schluckte rund 15 bis 20 Kilometer Reichweite. 

Die 400 km Reichweite werden nicht erreicht / Foto: Audi

Die 400 Kilometer sind also machbar, allerdings muss dafür auch alles passen. Man sollte die 120 km/h auf der Autobahn nicht überschreiten, es sollte möglichst flach zugehen und wenn es geht, sollte die Klimaanlage aus bleiben. Wie das dann im Winter aussehen wird, ist dann wieder eine andere Frage.

Ist der Akku leer, kann man ihn recht flott wieder aufladen. Der Akku verträgt bis zu 150 kw Ladestrom und innerhalb von 30 Minuten soll man so von 20 auf 80 Prozent Ladung kommen. Das ist akzeptabel, so man denn einen 150 kw Lader in freier Wildbahn erwischt. Zu Hause kommt man allerdings im Moment über die 11 kw nicht raus. Da heißt es also beim 95 kWh großen Akku etwas Geduld zu bewahren und hoffen, dass Audi den 22 kw Lader nachschiebt.

Audi hat auch einen eigenen Ladeservice für das Auto vorgestellt. Dafür muss man ein Abo abschliessen welches 4,95 € im City-Tarif sowie 17,95 Euro im Transit-Tarif, pro Monat kostet. Der Ladevorgang werden dann dann beim AC-Laden mit 7,95 Euro, beim DC-Laden 9,95 Euro berechnet. Ab dem zweiten Quartal verfügt das Fahrzeug dann über eine „Plug and Charge“ Funktion. Dann muss man sich nicht mehr per Karte an einer Station anmelden, das Auto autorisiert sich über den Ladestecker selber. 

Verwirrend ist die Reichweitenanzeige im Auto selber. Diese zeigt nie die technisch mögliche Reichweite an, sondern jene Reichweite, die der Bordcomputer aus bisherigen Fahrten erlernt hat. Einem sportlichen Fahrer wird also weniger Reichweite angezeigt, als einem, der sehr verbrauchsgünstig unterwegs ist. Audi begründet dies damit, dass man dem Fahrer keine falschen Vorstellungen von der Reichweite machen möchte um Frustrationen zu ersparen. Persönlich hätte ich es besser gefunden, wenn man immer die volle Reichweite zeigt und dem Fahrer auf dem Display erklärt, warum diese nicht erreicht werden kann. Wer zu schnell fährt oder beschleunigt kann so verbrauchsgünstiges Fahren besser lernen.

Der e-tron – kein Schnäppchen / Foto: Audi

Fazit:

Audi macht mit dem etron schon im ersten Versuch sehr vieles sehr richtig. Man bekommt tatsächlich einen Audi, der halt nun mit einem E-Motor angetrieben wird. Man merkt dem Fahrzeug an, dass es Audi in der Entwicklung wichtig war, dass man einen Wagen bekommt, der jede Alltagssituation locker besteht. Die Entscheidung, ob man einen Q5 mit Verbrenner oder einen mit E-Motor kauft, wird nicht vom praktischen Alltagsnutzen entschieden. Der ist bei beiden erst einmal gleich. 

Natürlich ist da die Sache mit der Reichweite. Realistisch gesehen, schafft man zwischen April und Ende Oktober bei moderater Fahrweise vielleicht 350 Kilometer, wenn der Akku randvoll ist. Bei einer 80 % Ladung sind es dann rund 280 Kilometer. Das bedeutet, dass man auf einer Strecke zwischen Berlin und Hamburg für eine halbe Stunde eine Ladepause einlegen muss. Auf der Strecke Hamburg-München sind drei Stopps nötig.

Der neue Audi e-tron macht seine Sache so gut, wie jeder andere SUV von Audi auch. Wäre da nicht der einzige Schmerzpunkt des Fahrzeugs: Der Preis. Los geht es bei circa 79.000 Euro und mit ein bisschen Ausstattung liegt man schnell bei 85 bis 90.000 Euro. Ein Schnäppchen ist der e-tron also nicht gerade. 

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Technologie, Internet und Mobilität sind Themen die mich und mein Leben antreiben. Als Journalist schreibe ich regelmäßig über diese Themen für die bekanntesten deutschsprachigen Magazine und Zeitungen. Dabei geht es vor allem um die Zukunft der Mobilität in unserer Welt. Elektrifizierung, Autonome Fahrzeuge, Carsharing, und die Wirtschaft um diese Themen werden von mir seit Jahren begleitet und kritisch beschrieben. Als einer der ersten Journalisten in Deutschland, habe ich mit CEOs aus der Mobilitätsbranche über Veränderungen und Herausforderungen gesprochen. Die Fragen, wie wir unsere Zukunft nachhaltig mobil halten, welche Unternehmen für die Veränderungen bereit sind, welche Herausforderungen und Gefahren auf uns warten, habe ich in vielen Artikeln und Analysen beschrieben.