Warum fährt der Elektriker nicht elektrisch?

Elektroautos sind für Fanboys und Enthusiasten, glauben viele. Dabei könnten gerade Handwerk und Unternehmer von einem elektrischen Fuhrpark enorm profitieren.

Galten sie für Skeptiker bislang eher als Luxus- oder gar Prestigeobjekte (Tesla) gehören E-Autos auf unseren Straßen zunehmend zum Alltag. Damit gewinnt auch ein neuer Fahrzeugmarkt an Bedeutung. Es gibt Einsatzgebiete, wo die Freude am Fahren eher sekundär ist und wo der Praxisnutzen deutlich schwerer wiegt.

Die Rede ist von kommerziell genutzten Flotten – und das in allen Gattungen und Größen: Vom City-Flitzer des Pflegedienstes über den Kastenwagen des mittelständigen Handwerkerbetriebes bis zum Maxitransporter oder Taxi. Die Herausforderungen sind unterschiedlich, doch fast alle Betriebe fragen sich gleichermaßen, ob sich eine Umstellung ihres Fuhrparks auf Elektrofahrzeuge lohnt.

Nachdem die Deutsche Post kein passendes Elektrofahrzeug am Markt fand, das geeignet war, um Pakete innerhalb von dicht besiedelten Räumen auszuliefern, entwickelte sie zusammen mit der RWTH Aachen selbst einen Transporter. Ein solcher Aufwand ist heute zum Glück nicht mehr nötig.

Große Auswahl an elektrischen Nutzfahrzeugen

Die Palette an Nutzfahrzeugen mit elektrischem Antrieb ist mittlerweile beachtlich. Erst diese Woche hat Toyota mit seinem Proace zwei neue Elektro-Vans vorgestellt. Die Autos sind auch keine exotischen Spezialfahrzeuge mehr, sondern unterscheiden sich, bis auf den modernen Antrieb, kaum noch von konventionell betriebenen Varianten.

Der Berlingo Electric / Quelle: Citroën

Volkswagen bietet den Kleinstwagen Up! ebenso mit elektrischem Antrieb an. Für den Transport von kleinen Gütern gibt es das Modell E-LOAD Up!. Vom kompakten Kastenwagen Citroen Berlingo Electric bis zum Maxitransporter VW E-Crafter, für fast jede Herausforderung kommerzieller Nutzung von Autos gibt es ein passendes elektrisches Modell.

Das wäre nur der erste Aspekt auf der Liste der Vorteile für Betriebe, die ihren Fuhrpark elektrifizieren. Bei der Anschaffung eines solchen Fahrzeugs lockt der Staat mit bis zu 8000 Euro Unterstützung. Die Bundesregierung möchte mit Hilfe des Förderprogramms Elektromobilität 300.000 elektrisch betriebene Fahrzeuge auf die Straßen bringen. Bislang ist der Topf lediglich zu 30 Prozent ausgeschöpft, das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle berichtet zuletzt von 125.408 eingegangenen Anträgen auf den Umweltbonus für rein elektrisch betriebene Fahrzeuge.

Weniger Steuern zahlen

Auch steuerlich profitieren Firmen wie Mitarbeiter vom E-Auto. Wer einen Firmenwagen privat fährt, muss diesen geldwerten Vorteil versteuern. Mit dem 1. Januar 2019 wurde dieser Betrag für Elektro-Firmenwagen verringert. Anstatt von einem Prozent des Brutto-Listenpreises müssen Arbeitnehmer nur noch 0,5 Prozent steuerlich geltend machen. Diese Regelung gilt für Elektro-Fahrzeuge und Plugin-Hybride, die seit dem 1. Januar 2019 erstmals genutzt werden, vorerst bis zum 31. Dezember 2021.

Ein Tesla als Dienstwagen? – dazu haben wir hier mehr Infos für Euch

Auch während dem Gebrauch bieten E-Autos Kostenvorteile für Betriebe. Laut einer Studie des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) der Hochschule Nürtingen-Geislingen sind die Wartungskosten 35 Prozent geringer im Vergleich zu Modellen mit Verbrennungsmotor. Elektrische Antriebe zeichnen sich außerdem durch deutlich weniger bewegliche Teile und weniger Betriebsflüssigkeiten aus, was potentielle Ursachen für ungewollte Stehzeiten und Werkstattaufenthalte deutlich reduziert.

Der e-load up! – Quelle: Volkswagen AG

Weitere Vorteile für den elektrischen Fuhrpark

Hat der Betrieb noch eine Photovoltaikanlage auf dem Werkshallendach, können zusätzlich noch hohe Tankkosten gespart werden. Sind die oft regional subventionierten Ladesäulen erst einmal vorhanden, können Mitarbeiter auch ihre privaten Elektrofahrzeuge tagsüber auf dem Gelände laden, sodass schließlich alle profitieren.

Und mal abgesehen vom Spritsparen und den niedrigeren Instandhaltungskosten gegenüber Verbrennern: Ist es nicht viel authentischer, wenn der Elektroinstallateur auch in einem mit Strom betriebenen Kastenwagen vor der Haustür hält?

Dieser Text entstand im Zuge einer Kooperation mit dem Fachbereich Technikjournalismus an der Hochschule Bonn/Rhein-Sieg.