Elektro predigen, Diesel saufen

Unter rund 8400 neu angeschafften Regierungsfahrzeugen für Ministerien und Behörden befinden sich gerade mal 253 Elektroautos, einschließlich Hybride. Die Zahl der echten E-Autos beträgt beschämende 73.

Der aktuelle Fuhrpark der Bundesregierung besteht zu 97,9 Prozent aus Verbrennern. Darunter übrigens auch zahlreiche Diesel-Limousinen mit Betrugssoftware. Auch das Bundeskanzleramt von Angela Merkel sei von Fahrzeugen betroffen, die über eine “unzulässige Abschalteinrichtung” verfügten, hieß es. Pikant: Selbst im Ministerium für Verbraucherschutz waren 2018 zwei Verbrenner mit Schummelsoftware im Einsatz – ein Audi A8 3,0 TDI quattro Lang und ein A7 3,0 TDI quattro Sportback.

„Entscheidungen über die Zusammensetzung des künftigen Fuhrparks des Bundeskanzleramtes werden zu gegebener Zeit getroffen“ kündigte ein Regierungssprecher vor einem Jahr an. Seitdem hat sich wenig getan. Gerade mal 73 echte Elektroautos befinden sich im aktuellen Fuhrpark der Ministerien und Behörden. Zusammen mit Hybriden beträgt die Zahl der elektrischen Flotte der Bundesregierung 253 (von 8386 Neuanschaffungen).

Was der Bauer nicht kennt, fährt er nicht. Unerfahrenheit – so ließe sich die Ignoranz der Bundesregierungen der letzten Jahre gegenüber der Emobilität erklären (siehe Rant zum Sonntag). Dabei sollte die vor zwei Jahren selbstauferlegte Elektro-Quote der Fahrbereitschaft heute bei 20 Prozent liegen.  In zwei Drittel der Ressorts wird dieses Ziel aber derzeit verfehlt.

In einer Richtlinie heißt es: „Für die Bundesverwaltung sind schadstoffarme Kraftfahrzeuge mit möglichst geringem Treibstoffverbrauch sowie einer überdurchschnittlich guten CO2-Effizienzklasse … zu beschaffen.“ Das Problem: Gerade in dem beliebten Segment der Ober- und Mittelklasse gibt es so gut wie keine echte Elektroautos. Schon gar nicht von heimischen Herstellern, die von der Bundesregierung aus Repräsentationsgründen gefördert werden sollen.

Der Grund für die Verfehlung der eigenen Vorgaben liegt aber auch in den schlechten Erfahrungen mit Plug-In-Hybriden. Staatsbeamte beanstandeten die falschen Angaben seitens der Hersteller. So wurde in der Praxis nur geringe Strecken wirklich elektrisch zurückgelegt. Stattdessen verbrauchten die beanstandeten Fahrzeuge deutscher Hersteller exorbitant viel Benzin, da sie aufgrund ihres hohen Gewichts schwerfälliger seien.

Ob sich die Quote der Elektroautos im Bundes-Bestand 2019 bessern wird, wird sich zeigen. Vor allem der Audi e-tron hat das Zeug dazu, den Fuhrpark der Staatsbeamten aufzumischen. Bis auch andere deutsche Hersteller wie Daimler oder BMW dazu stoßen, werden vermutlich noch Jahre vergehen.