Das Elektroauto als Dienstwagen – so geht’s

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Bild: Shutterstock

Seit Anfang 2019 bieten E-Dienstwagen neue Steuervorteile. Wir erklären das kurz und zeigen zwei Firmen, die schon beruflich auch weite Strecken elektrisch fahren.

Wer einen Dienstwagen privat nutzen will, muss diesen als sogenannten geldwerten Vorteil versteuern. Kurz, der vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellte Wagen wird als Teil des Gehaltes angesehen, weshalb der Staat seinen Anteil in Form der Lohnsteuer bekommt. Bemessen wird dieser mit einem Prozent des Bruttolistenneupreises. Stellt der Chef also einen 50.000-Euro-Wagen in die Garage des Mitarbeiters, tauchen monatlich 500 Euro mehr auf der Gehaltsabrechnung auf, die versteuert werden (zzgl. der 0,03%-Regel für die Wegstrecke zur Arbeit).

Da die Stromer häufig noch hochpreisiger sind, als ihre Verbrenner-Pendants, fällt auch die Besteuerung höher aus – bis jetzt. Denn seit Anfang 2019 veranschlagt man für Elektro- und Plug-In-Hybridfahrzeuge nur noch den halben Bruttolistenneupreis. So kosten ein Verbrenner-Audi A6 (475 €) und Tesla Model S (443 €) den Nutzer nun fast das gleiche, der reguläre Golf (195 €) und sein elektrischer Bruder (179 €) ebenso.

Zeitersparnis durch eigene Ladetechnik

Beachtet werden sollte aber, dass das E-Auto in der langen Ruhephase auf dem Firmenparkplatz auch geladen werden kann. Das Unternehmen Phoenix Contact hat als Hersteller von Ladetechnik etwa bereits einen entsprechenden Ladepark eingerichtet. Dort sind aktuell drei VW E-Up und ein BMW i3 in der firmeneigenen Flotte aktiv. Dazu kommen noch einige Plugin-Hybride. Reine Elektroautos sind im Moment eher die Ausnahme.

Ein Mitarbeiter im Vertrieb hat aber von 2015 bis 2018 einen BMW i3 als Dienstfahrzeug genutzt und damit eine Strecke von 100.000 km zurückgelegt. Dies setzte natürlich eine passende Routenplanung voraus, da die Reichweite unter 200 km betrug.

E-Autos von Dienstwagenrichtlinie nicht ausgeschlossen

“Wenn zukünftige Modelle eine Reichweite von 500-600 km haben, wird auch der Anteil bei uns steigen. Bisher war die Reichweite reiner Elektroautos für den Vertrieb zu gering“, sagt Andreas Tappe, zuständig für das Corporate Facility Management bei Phoenix Contact. „In unserer Dienstwagenrichtlinie sind E-Autos nicht ausgeschlossen. Es müssen aber Kosten, Aufwände und Anforderungen der Nutzer in Einklang gebracht werden.”

Bisher waren Fahrzeuge in der oberen Mittelklasse nicht lieferbar oder zu teuer. Denn der Arbeitgeber muss natürlich dennoch denn höheren Anschaffungspreis bzw. die höheren Leasingraten des E-Fahrzeugs bezahlen, lediglich der Nutzer spart durch die oben genannte steuerliche Neuregelung. Sobald die Autoindustrie aber E-Fahrzeuge auf den Markt bringt, die nur unwesentlich teurer als ein Diesel sind, soll auch bei Phoenix Contact der Anteil stark steigen – vorausgesetzt, die Infrastruktur wächst mit. Als Zwischenlösung wurden daher die Plugin-Hybride angeschafft.

Ladestrom steuerlich begünstigt

Die Phoenix-Contact-Mitarbeiter beziehen ihren Ladestrom aktuell noch komplett kostenfrei. Eigentlich müsste kostenloser oder vergünstigter Ladestrom aber ebenfalls versteuert werden. Hier hat der Gesetzgeber jedoch noch bis Ende 2020 die Möglichkeit geschaffen, die Entrichtung des geldwerten Vorteils für Ladestrom auszusetzen. Ab 2020 werden die öffentlichen Lademöglichkeiten von Phoenix Contact daher an einen externen Provider übergeben. Dieser wird die Ladesäulen betreiben und direkt abrechnen.

Auch die Firma Dräger aus Lübeck setzt auf immer mehr E-Autos, den ersten Schritt machte der Chef im Jahr 2014. Mittlerweile sind alle seine Kollegen im Vorstand auf einen Tesla umgestiegen. Dienstwagenberechtigte Mitarbeiter haben ebenfalls die Möglichkeit, ein Elektrofahrzeug zu wählen.

Tesla für die Mitarbeiter

Acht Teslas befinden sich Mitte 2018 im Fuhrpark, der neunte ist bereits bestellt. Bis heute haben die E-Dienstwagen fast 400.000 Kilometer zurückgelegt, auch für private Urlaube ins europäische Ausland: „Viele Leute glauben das einfach nicht, es ist aber wahr. Das dauert zwar vielleicht ein klein wenig länger als mit Verbrennungsmotor, doch kommen wir viel entspannter an“, erklärt der Vorstandsvorsitzende Stefan Dräger. Und das möchte er allen Mitarbeitern ermöglichen, indem er den Wagen einfach übers Wochenende verleiht, egal ob dabei 50 oder 1000 km auf den Zähler gespult werden: „Das wird mit Begeisterung angenommen. Inzwischen hatten schon etwa 150 Mitarbeiter die Gelegenheit, und weitere 800 stehen auf der Warteliste“, so Dräger. Wer der Glückliche ist, entscheidet das Los. Freitag Nachmittag kann das Model S abgeholt werden, Montag morgen muss er wieder an der Firma sein. Denn für den Arbeitsweg braucht Stefan Dräger das E-Auto nicht, er fährt meistens mit dem Rad.