EQC-Rückruf: Blamage für Daimler

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EQC im Freien

Der Mercedes-Benz EQC sollte das Elektro-Flaggschiff der Schwaben werden: Das erste Auto der EQ-Reihe und das erste richtige rein elektrische Fahrzeug aus dem Hause Daimler – davor gab es nur den smart und die B-Klasse (letztere wurde 2017 eingestellt und hatte unter der Haube Technik aus dem Tesla Model S verbaut). Allerdings läuft der E-SUV bisher eher schleppend an und jetzt kommen auch noch technische Probleme dazu, die einen Rückruf aller bisher produzierten Fahrzeuge notwendig machen.

Wurzel des Problems: Getriebe-Bolzen

Das Problem hat allerdings nichts mit dem elektrischen Antriebsstrang zu tun, bei dem Rückruf geht es um einen Bolzen im Differentialgetriebe der Vorderachse. Diese sind nicht für eine ausreichende Dauerhaltbarkeit ausgelegt und können deshalb brechen. Mögliche Folgen: Öl-Verlust aus dem Getriebe-Gehäuse, kein Antrieb mehr an der Vorderachse und das dritte und gefährlichste: Die Vorderräder könnten blockieren.

Großer Tausch

Es reicht wohl nicht, die Bolzen zu wechseln, Mercedes-Benz tauscht bei allen betroffenen Fahrzeugen den kompletten Antriebsstrang der Vorderachse aus. Dafür werden etwa acht Stunden Arbeitszeit nötig sein.

Bisher keine 1.700 EQCs produziert

Durch den Rückruf gibt es nun auch genaue Zahlen zur Produktion: In Deutschland sind 571 Modelle betroffen, insgesamt 1.696 Fahrzeuge. Nachdem alle Fahrzeuge betroffen sind, lässt sich folgern, dass Mercedes-Benz weniger als 1.700 EQCs gebaut hat. Der Rückruf wird damit zur doppelten Blamage, denn wollte Daimler noch in diesem Jahr 20.000 Modelle fertigen – das könnte in den verbleibenden zwei Monaten sehr knapp werden.

emobly meint: Rückrufe sind in der Autoindustrie ein normaler Vorgang und zeigen, dass Qualitätskontrollen funktionieren. Dennoch ist es peinlich für Daimler, sich ausgerechnet beim nagelneuen Elektro-Flaggschiff solche Patzer zu erlauben. Besonders pikant sind die nun bekannt gewordenen mageren Produktionszahlen – der einst medial hochgepriesene „Tesla-Killer“ ist Lichtjahre davon entfernt, ein solcher zu sein.

Quellen: kfz-betrieb, FAZ.