Erster Tesla erreicht eine Million Kilometer

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Zwei Akkupacks, vier Motoren und eine Million Kilometer, das ist die Geschichte des roten Tesla Model S von Hansjörg von Gemmingen. Gemmingen ist Vielfahrer, er hat mit seinem Model S jedes Jahr im Schnitt fast 150.000 Kilometer zurückgelegt – hinzu kommt sein Roadster, der ebenfalls Kilometer ohne Ende gesammelt hat. Heute sprang der Kilometerzähler auf 1.000.000, wir haben mit ihm gesprochen und die wichtigsten Fakten zu diesem Rekord zusammengefasst.

Ganz Europa bereist

Hansjörg von Gemmingen war mit dem Auto fast überall in Europa, unter anderem in Bulgarien, Portugal und mehrfach am Nordkap (insbesondere dort auch im tiefsten Winter bei deutlich zweistelligen Minusgraden). Ich selbst habe ihn bei der eTourEurope 2014 kennengelernt, als er mit seinem damals noch relativ neuen Model S mal eben einen Tagesausflug aus Karlsruhe nach Prag machte, kurz vorbeischaute und am gleichen Tag zurückfuhr. Er ist passionierter Vielfahrer und bekannt dafür, dass er so oft wie möglich mit dem Auto unterwegs ist. Wenn er gerade mal nicht fährt, lädt er.

Tesla Model S erreicht eine Million Kilometer
Hansjörg von Gemmingen mit seinen beiden Teslas.

Wie geht es dem Akku?

Während das Auto an sich die vielen Kilometer gut mitgemacht hat, ist der Akku nicht mehr der originale, der erste musste nach 290.000 Kilometern getauscht werden. (Schon diese Zahl ist übrigens ein völlig ausreichender Wert, weil das durchschnittliche deutsche Auto bereits nach 150.000 km verschrottet wird.)

Für die folgenden 250.000 Kilometer fuhr er dann mit einem Leih-Akku von Tesla, seit Kilometerstand 540.000 ist der aktuelle Akku drin, dieser hält also mittlerweile fast eine halbe Million Kilometer. Die Restkapazität beträgt 86%, am Supercharger ist das Ladetempo spürbar gesunken und selbst bei der Ladung mit Wechselstrom schaltet sich die Akku-Kühlung deutlich hörbar zu.

Auch der Motor wurde öfter getauscht, insgesamt viermal. Das liegt aber nicht am Elektromotor an sich (der ja prinzipiell wartungsfrei ist), sondern an einer Reihe von Konstruktionsfehlern, die Tesla in den ersten Motorenserien hatte. Der letzte Motorentausch war bei 320.000 km, seitdem ist der gleiche Motor verbaut, dieser arbeitet tadellos und nur minimal lauter als im Neuzustand.

Der erste siebenstellige Tesla-Kilometerzähler. Bild: Hansjörg von Gemmingen

Sehr schonend gefahren

Wichtige Zusatzinfo: Hansjörg von Gemmingen ist ein sehr sparsamer und materialschonender Fahrer. Er gibt an, selten mehr als 60 kW Leistung abzurufen (Zum Vergleich: Das ist in etwa die Spitzenleistung eines VW e-Up oder eines Renault Zoe, der Motor des Tesla Model S P85 kann bis zu 310 kW mobilisieren). Diese Fahrweise dürfte sich sowohl auf die Lebensdauer des Akkus, als auch die des restlichen Autos positiv ausgewirkt haben. Außerdem liegt der Anteil der Supercharger-Ladungen bei unter 40 % – für einen Vielfahrer recht wenig, aber vermutlich relativ nah am Schnitt anderer Teslas.

Wenige und vor allem günstige Reparaturen

Die Reparaturliste ist mit Blick auf die hohe Fahrleistung recht überschaubar. Neben den Motoren und den Akkus wurde die Vorderachse komplett durchrepariert, Teile der Akkukühlung (Steuergeräte und Ventilatoren) ersetzt, ein neuer Touchscreen samt Computer verbaut, die Türgriffe repariert, die hinteren Stoßdämpfer getauscht und zweimal die 12 Volt-Batterie gewechselt. Von Motoren und Akkus abgesehen fielen alle Reparaturen frühestens nach 600.000 Kilometern an, die letzten waren bei etwa 900.000 Kilometer, seitdem fährt von Gemmingen also schon wieder 100.000 Kilometer ohne Reparaturen.

Sehr viele Reparaturen (insbesondere die am Antriebsstrang) wurden auf Garantie durchgeführt, sodass die Reparaturkosten nach einer Million Kilometer bei nur 13.000 € liegen.

Nie wieder Verbrenner, die zweite Million muss voll werden

Während der Tesla Roadster noch mit diversen Entbehrungen verbunden war, ist das Model S ein vollwertiges Auto – aber es ist nicht auf Augenhöhe mit Verbrennern. Es ist besser. Hansjörg von Gemmingen wird sich, wie die meisten anderen Elektrofahrer*innen auch, nie wieder einen Verbrenner kaufen, im Gegenteil: Er hat den Ehrgeiz, die zwei Millionen Kilometer auch noch voll zu machen.

Mit seinem außergewöhnlichen Fallbeispiel macht er sämtliche Diskussionen um den CO2-Rucksack eines Elektroautos obsolet, denn keine Studie nimmt eine Laufleistung von einer Million Kilometer an, manche sind um den Faktor 5, einige sogar um den Faktor 10 geringer. Wir drücken die Daumen, dass sein Model S weiterhin so gut funktioniert und auch die zweite Million erreicht!

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Robin Engelhardt
Seit ich 2014 zufällig in einem Tesla saß, lässt mich das Thema Elektromobilität nicht mehr los. Ich habe meinem Vater vorgerechnet, dass er im Außendienst mit einem Model S billiger fährt als mit einem Daimler, meinen Führerschein auf einem Elektroauto gemacht und 2016 zusammen mit meinem Vater eine kleine Elektroautovermietung gegründet.