Israel will weg vom Verbrenner

Die Hightech- und Hafenstadt Haifa im Norden Israels - Foto: emobly

Ambitionierter Plan: Noch in diesem Jahr sollen die ersten 2.500 Ladesäulen stehen. Weitere Ausbaustufen sind geplant.

Israel ist klein. Mit einer Fläche von 22.000 Quadratkilometern entspricht das Land in etwa der Größe von Hessen. Und: Israel ist ein modernes, ein mobiles Land. Die Israelis schwören auf ihre fahrbaren Untersätze. Jedes Fahrrad, jeder Roller ist dort seit Jahren elektrisch. Bis auf die Autos.

Zu Hunderttausenden schieben sich die Verbrenner-Kolonnen kreuz und quer durch die Bauhaus-Straßen von Tel Aviv. Meist handelt es sich dabei um billige Japaner, Standardfarbe weiß, wegen der Hitze. Der Lärm ist gewaltig und die Emissionen sind enorm. Die Millionenmetropole hätte ein gewaltiges Feinstaubproblem, läge die sogenannte “Weiße Stadt” nicht direkt am offenen Mittelmeer, von wo aus immer ein angenehmes Lüftchen weht.

Radikale Idee

Dabei sah vor Jahren so aus, als würde Israel eine der ersten Nationen weltweit, die komplett elektrisch fahren. Shai Agassi, ehem. SAP-Manager und eine Art israelischer Elon Musk, hatte 2007 die Idee, ganz Israel mit Elektro-Autos auszustatten. Sein Unternehmen Better-Place hatte E-Autos entwickelt, die nicht aufgeladen werden mussten. Stattdessen setzte man auf austauschbare Akku-Blöcke, die binnen weniger Minuten maschinell gewechselt werden konnten.

Die Idee kam zu früh oder war zu ambitioniert. So oder so, dem Startup ging das Geld aus, das Unternehmen musste 2013 Insolvenz anmelden. Und so blieb die Idee einer elektrischen Nation eine schöne Vision. Bis heute.

Ein zweiter Anlauf

Nach langem Zögern plant Israel nun einen zweiten Anlauf. Laut ynet-News hat das Energieministerium angekündigt, noch in diesem Jahr 2.500 Ladestationen von Nord nach Süd errichten zu wollen. Die Verträge für eine erste Ausbaustufe seien bereits unterzeichnet. Jede Kommunalverwaltung habe demnach Anspruch auf eine festgeschriebene Zahl an subventionierten Ladesäulen. 50 Prozent der Kosten werden vom Staat übernommen.

Bei einer ersten Stufe handelt es sich um 800 langsame Ladeplätze, die für das Laden über Nacht konzipiert sind. In einer zweiten Ausbaustufe sollen 800 Standard-Ladepunkte errichtet werden, etwa vor Einkaufszentren oder Multiplex-Kinos. Auch hier seien die Gespräche mit den Partnerfirmen bereits abgeschlossen. Die Standorte der letzten Tranche, den Schnellladeplätzen, sollen bald bekannt gegeben werden.

Noch fahren Verbrenner durch die Mittelmeer-Metropole Tel Aviv – Foto: emobly

Der Zeitplan

Die jetzt beschlossenen 2.500 Ladestationen sollen noch in diesem Jahr stehen. Insgesamt benötige Israel rund 150.000 private sowie 13.000 kommunale Ladeplätze, schätzt das Ministerium. Energieminister Yuval Steinitz möchte, dass Israels Staraßenverkehr bis zum Jahr 2030 komplett abgasfrei ist. Dazu soll bis 2025 bereits ein Viertel aller zugelassenen Autos voll elektrisch sein. Stand heute befinden sich gerade mal 1.000 E-Autos sowie 100.000 Hybrid-Fahrzeuge auf Israels Straßen.

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Richard Gutjahr
Nach der Ausbildung zum Journalisten in München und in Washington habe ich als Reporter, Redakteur und Moderator bei Zeitungen, im Radio und im TV gearbeitet. Ich liebe die digitale Welt. Seit knapp einem Jahr fahre ich elektrisch und ich will nie wieder zurück! Als Mitgründer von emobly kümmere ich mich um die Themen und Inhalte auf dieser Seite.