Jaguar I-Pace überrascht mit geringer Reichweite

Bild: Jaguar Land Rover Limited

Das erste elektrische Fahrzeug von Jaguar, der I-Pace, wird in Europa mit einer WLTP-Reichweite von 470 km vermarktet. Dass WLTP zwar näher an der Wahrheit dran ist als der bisherige NEFZ/NEDC-Messzyklus, ist bekannt. Leider weicht aber auch WLTP sehr stark von der Realität ab. In unserer Fahrzeugdatenbank wird der Wagen auf Basis erster Tests und Berichten von Besitzern mit 350 km Reichweite geführt.

EPA Bewertung aus USA erstaunlich niedrig

Der in den USA verwendete EPA-Wert (Environmental Protection Agency) ist deutlich realistischer als WLTP und lässt beim Jaguar I-Pace aufhorchen: Die EPA bewertet die Reichweite des SUV mit 234 Meilen, was 377 Kilometern entspricht. Die Batteriekapazität des I-Pace liegt laut Jaguar bei 90 kWh. Das vergleichbare (nicht mehr erhältliche) Tesla Model X 90D (ebenfalls 90 kWh Akku) kommt auf eine EPA-Reichweite von 257 Meilen bzw. 414 Kilometern. Noch schräger wird es, wenn man stattdessen das (weiterhin erhältliche) Model X mit 75 kWh-Akku zum Vergleich heranzieht: Dieses erreicht eine EPA-Reichweite von 238 Meilen bzw. 383 Kilometern. Ergo: Der Jaguar I-Pace bietet mit einer 90 kWh-Batterie weniger Reichweite als das Tesla Model X mit 75 kWh Kapazität.

Screenshot fueleconomy.gov
Screenshot: fueleconomy.gov / EPA

I-Pace: Schlechte Effizienz oder weniger Netto-Kapazität?

Das Model X 75D kommt mit einem rund 17% kleineren Akku auf eine 1,6% größere EPA-Reichweite als der I-Pace. Es gibt zwei mögliche Erklärungen für dieses erstaunliche Ergebnis: Zum einen könnte die tatsächlich nutzbare Akku-Kapazität des I-Pace per Software signifikant gesenkt worden sein. Wir gingen bislang von rund 86 kWh netto aus, womöglich sind es eher um die 75 kWh. Zum anderen – und dies wäre die schlechtere Variante, da nicht schnell lösbar – könnte es enorme Effizienzprobleme beim I-Pace geben. Der I-Pace verfügt über einen schlechteren cW-Wert als das Model X (0,29 vs. 0,24), hat jedoch zeitgleich eine geringere Stirnfläche. Dies allein kann also die Werte nicht erklären. Genaueres werden nur Messungen im Detail zeigen können.

Fazit: Jaguar I-Pace und Model X Probe fahren

Der Jaguar I-Pace ist kein per se schlechtes Auto und kann die richtige Wahl sein. Wer sich für ein SUV interessiert, sollte I-Pace (ab 77.850 Euro, Lieferzeit 7-8 Monate) und Model X (ab 98.380 Euro, Lieferzeit 3-4 Monate) Probe fahren und anschließend entscheiden. Die EPA-Werte zeigen jedoch: Das alleinige Vergleichen von (Brutto-)Akkukapazitäten sowie WLTP-Werten macht keinen Sinn. Wichtig ist der reale Verbrauch sowie die tatsächlich nutzbare Akku-Kapazität.

Hinweis: Ein emobly Video-Test des Jaguar I-Pace ist in Vorbereitung.