Laden im kalifornischen Wald-Laden

0

Mitten in den kalifornischen Red Woods, auf halber Strecke zwischen dem Surfer-Paradies Santa Cruz und dem High-Tech-Mekka Silicon Valley gelegen, gibt es eine verwunschene Ladestation, die unter Elektroautofahrern als Geheimtipp gilt: die Zayante EV Charging Station

Wie eine Oase inmitten eines tiefen, dicht bewachsenen Waldes, empfängt die kleine Bretterbude mit seinem Mini-Markt und einem winzigen Frisiersalon seine Kunden. Einheimische treffen sich hier regelmäßig, um bei Kaffee oder Bier den neuesten Klatsch und Tratsch auszutauschen. 

Inmitten der Red Woods auf einer verschlungenen Serpentinenstraße zwischen Pazifik und Silicon Valley liegt die Zayante EV Charging Station

Touristen verirren sich selten hierher, es sei denn, wenn sie sich im dichten Gehölz des Waldes verfahren, weil es weit und breit kein Mobilfunknetz gibt und oft sogar das Navigationssystem versagt.

In den 70er Jahren stand hier einst noch ein Club mit einem Pool mitten im Wald. Ein geheimer Szene-Treff, in dem große Namen aus der Hippie-Ära exzessive Parties feierten, vollgepumpt mit allerlei Substanzen, bekleidet mit wenig bis gar keinen Textilien, so geht jedenfalls geht die Mär. Heute existiert nur noch die Tankstelle.

Die Ladesäule – mehr als nur ein Gag. „Allein gestern waren es 47 Ladevorgänge“, sagt Eric Kennedy, der neue Eigentümer der Zayante Creek Charging Station. Keine Seltenheit, und das, obwohl gerade Nebensaison sei.

Neben Gaskocher-Kartuschen, Angel-Ausrüstung und Feuerholz bietet die Zayante Creek Station einen ganz besonderen Hingucker – eine original Benzin-Pumpstation aus dem Jahr 1940, umgebaut zur Elektro-Ladesäule. Der Clou: bezahlt wird mit 25-Cent-Münzen pro 15 Minuten direkt an der Säule – die Münzen gibt’s zur Not auch im Laden.

Eric ist 38 Jahre alt und hat ein bewegtes Leben hinter sich. Der gelernte Metzger ist gleich nebenan in Boulder Creek aufgewachsen, hat in einer Fleischerei gearbeitet, später einen College-Abschluss gemacht. Zuletzt hat er acht Jahre im Hauptquartier von Google in Mountain View gearbeitet.

Historisch: Der Waldmarkt existiert seit über 80 Jahren in den Red Woods oberhalb von Santa Cruz

Mit der Übernahme des Zayante Creek Marktes habe er sich einen kleinen Traum erfüllt, sagt er. Anders als im Silicon Valley habe er es hier mit „echten Menschen“ zu tun, „die keine Maske tragen“ – und damit meint er nicht etwa den Corona-Schutz im Gesicht. Er liebe die Offenheit der Menschen. Die Geschichten aus der Nachbarschaft. Das echte Leben.

Relikte aus einer vergangenen Zeit. Benzin und Diesel gibt es in Zayante schon lange nicht mehr.

„Wir leben in einer Zeit des Wandels“, sagt Eric. Eine gute Zeit, ein eigenes Geschäft aufzubauen. Und er hat große Pläne. Neben einer Tesla-Supercharger-Station sei das die einzige Möglichkeit, in dieser Gegend sein Auto zu laden. Und das Grundstück sei groß genug, um zu expandieren. Mehr Services, etwa frische Sandwiches, ein Feinkostladen sowie Picknick-Tische. Und natürlich auch mehr Ladesäulen. Dann aber vermutlich teurer als 25 Cent für 15 Minuten.

Anzeige