“Tesla ist nicht schlecht aber das können unsere eigentlich auch”

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Screenshot: Focus Online

In einer Dreier-Schaltkonferenz drüben bei den Kollegen auf Focus Online haben sich der neue Audi-Chef Markus Duesmann, der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und Cherno Jobatey über die aktuelle Lage der deutschen Autoindustrie unterhalten. Wir haben die wichtigsten Aussagen für Euch zusammengefasst.

Deutschland und seine Automobilindustrie – eine Liebesbeziehung die über Jahrzehnte hinweg nie in Frage gestellt wurde. Spätestens seit dem Dieselskandal und den Millionen von Autokunden weltweit, die von den deutschen Autokonzernen betrogen worden sind, wird diese Verbindung auf eine harte Probe gestellt.

Ist Deutschland autofeindlich?

Gleich zu Beginn betont Söder die Bedeutung des Automobils für das Land. Der Automobilbau sei die “Kernkompetenz” Deutschlands. Er hält ein flammendes Plädoyer für diese “Schlüsselindustrie” und kritisiert, dass die Deutschen zunehmend autofeindlich seien. Söder spricht in diesem Zusammenhang von einem “ideologischen Kampf” und bricht dabei auch eine Lanze für die größten Benzinschlucker: “Man hat ja schon fast den Eindruck ein SUV sei etwas ganz gefährliches.”

Zur Bedeutung der Batterieforschung

Der Audi-CEO und der bayerische Ministerpräsident sind sich einig, dass Deutschland mehr Geld in die Forschung stecken muss. “Corona zwingt uns dazu, die Dinge zu beschleunigen”, so Söder. “Wir brauchen den großen technologischen Sprung”. Auch wenn der CSU-Politiker der E-Mobilität offen gegenüber steht und auf die Bedeutung der Batterieforschung verweist, an manchen Stellen klingt er eher wie ein Pressesprecher von BMW, wenn er von Wasserstoff, Brennstoffzelle oder sogar synthetischen Kraftstoffen spricht. “Es wird eine Technologieoffenheit nötig sein”.

Audi: Vorsprung durch E-Technik

Anders dagegen der Audi-Chef Duesmann. Er verweist deutlicher auf die Bedeutung von echten Elektroautos und verweist geschickt auf die Erfolge, die Audi mit seinem e-tron (“Das meist verkaufte E-Auto in Norwegen”) oder dem e-tron S (“Der würde Ihnen beiden gut stehen”) hat. Trotz Corona-Verluste habe man sich entschlossen, nochmal 13 Milliarden Euro in die Entwicklung von Elektroautos zu stecken, so Duesmann und lobt seine Belegschaft: “Ich stell schon fest, da ist eine Aufbruchstimmung da.”

Die Deutschen und der Tesla-Neid

“Tesla ist nicht schlecht…” nuschelt der bayerische Ministerpräsident und fährt dann fort: “…aber das können unsere eigentlich auch.”. Wer Söder kennt, weiß, dass hier der Machtpolitiker, der Stratege spricht, nicht der Mensch. Privat ist Söder Fan von Elon Musk und hat an manchen Stellen auch ganz öffentlich Probleme mit der Hybris deutscher Autobauer: “Da gab’s Selbstzufriedenheit.” sagt er an einer Stelle. “Da gab’s auch kriminelle Handlungen.”

Audi und die Zukunft

“Wir waren an manchen Stellen nicht entscheidungsfreudig genug.”, so Audi-Chef Duesmann selbstkritisch. Er kann das sagen, schließlich ist er selbst erst seit 3 Monaten im Amt. Woran er aktuell arbeitet: Digitalisierung. Automatisierung des Fahrens. Elektrifizierung. Die Situation, dass die Firmenparkplätze leer waren und die Bänder still standen, als er den neuen Posten übernommen hatte, beschreibt er als “Furchtbar. Gruselig. […] Da weiß man, dass einem mit jedem Tag das Geld wegrinnt.”

Kein Tempolimit in Deutschland

Der Polit-Profi Söder weiß, dass es Themen gibt, bei denen man in Deutschland nicht gewinnen kann. Geschwindigkeitsbegrenzung ist eines davon. “Warum kein Tempolimit?”, möchte Moderator Jobatey wissen. “Ich sehe im Moment keinen Anlass dafür.”, so Söder und begründet das u.a. auch damit, ein Tempolimit hätte keinerlei Auswirkung auf das Klima. Leidenschaftlicher verweist er auf eine neue Städteplanung. Er plädiert für “massivsten Ausbau des öffentlich Nahverkehrs”, für grüne Klimaschneisen und den Verkehr unter der Erde. Der Audi-Chef pflichtet ihm bei: “Elektrische Fahrzeuge sind in den Städten eine der Lösungen”, kombiniert mit digitalen und vernetzten Verkehrsleitsystemen.