Unser Besuch in der Design-Zentrale von Byton

Ob Peking, Nanjing oder Santa Clara. Der chinesische Autobauer Byton hat seine Entwicklungsbüros über die ganze Welt verteilt. Das Design für die Byton-Modelle stammt aus Deutschland. Ein Ortsbesuch.

Auf ungefähr halber Strecke zwischen Innenstadt und Münchner Flughafen liegt Ismaning. Hier, in einem Gewerbegebiet, zwischen Müllentsorger und einem Volvo-LKW-Servicecenter, befindet sich das internationale Design-Hauptquartier von Byton. 55 Mitarbeiter aus 19 Nationen feilen hier hinter verschlossenen Türen am Aussehen der chinesischen Premium-SUVs, Limousinen und demnächst auch einen Van.

Den Anfang macht der M-Byte, den wir letzte Woche bereits vorgestellt haben. Er soll Ende 2019 auf den Markt kommen. Erst in China, später in den USA und Europa. Entwickelt werden die Modelle an drei Standorten: In Santa Clara, Kalifornien wird die Software programmiert. Im chinesichen Nanjing laufen die Serienmodelle vom Band.

 

 

Designed in Bavaria, Germany

Darf auf keinem Apple-Produkt fehlen, die Aufschrift: “Designed in California”. Das Design vom Byton stammt aus Deutschland. „Man kann sagen, dass Deutschland federführend ist, was das internationale Automobildesign angeht“, so Ernesto Rupar, Exterior Design Director bei Byton. Auf zwei Stockwerken verteilt werkeln Designer, Grafiker und Modelleure. „Wir arbeiten sowohl mit VR, aber auch mit Ton-Modellen“, so Rupar.

Gleich links neben dem Eingang befindet sich das schmucklose Münchner Bürozimmer von Byton-CEO Carsten Breitfeld, der, seitdem er vor zwei Jahren von BMW abgeworben wurde, ständig zwischen Deutschland, USA und China pendelt. Mit ihm wechselten der BMW-i3-Designer Benoit Jacob, Marketingchef Henrik Wenders sowie Mitgründer und Byton-Präsident Daniel Kirchert zu Byton.

Durch eine Verbindungstür geht es hinüber in den Konferenzraum „Jupiter“, wo Meetings abgehalten werden. Schaltkonferenzen mit Kalifornien und China finden morgens oder am Abend statt, entweder telefonisch oder per Videokonferenz.

Confidential zone – authorized person only 

Bei unserem Rundgang durch das Gebäude stoßen wir immer wieder auf Türen, die mit laminierten Hinweisschildern gekennzeichnet sind: „Confidential zone – authorized person ONLY!“. In diesen Räumen werden aktuelle Designstudien und Prototypen für die Limousine K-Byte ausgearbeitet. Auch soll hier schon am nächsten Modell, einem Van, gearbeitet werden. Leider haben wir keinen Zutritt.

Dafür bekommen wir Einblick in das Colour-and-Trim-Studio. Hier wartet das Team von Williane Oliveira auf uns. Die Senior Design Managerin erklärt uns wie sie arbeiten und woher sie die Inspirationen für ihre Designs bekommen. „Wir achten nicht darauf, was unsere Mitbewerber Tesla oder BMW machen“, so Oliveira. „Wir orientieren uns an Menschen und Materialien“. Dazu habe man auch Kundentypen entwickelt, um eine bessere Vorstellung zu erhalten, wem das Auto am Ende gefallen soll. 

Drei Kunden-Charaktere zur Orientierung

Die Designerin lacht, als sie drei Fotos aus einem Regal zieht. Zu sehen sind die asiatische Fashion-Bloggerin Vanessa (Chinas Antwort auf „Bibi“), ein Hipster (William) sowie ein DJ (Wei). „Bei allem was wir hier tun, achten wir darauf, dass unsere Entwürfe in die Lebenswelt dieser Charaktere passen.“

Was bei unserem Besuch auffällt, ist das Alter der Mitarbeiter. Ob Design oder Marketing, kaum jemand ist hier älter als 40. Dieses Startup-Feeling ist es, das Ernesto Rupar gefällt. „Ich kann sofort rüber zu meinem Chef gehen, dem Vice President, und seine Meinung einholen“. Bei seinem früheren Arbeitgeber Ford war so etwas undenkbar.

Worauf der Exterior-Design-Director am meisten stolz ist, wollen wir zum Abschied wissen. „Dass der Byton nicht nur ein Fahrzeug ist, sondern ein digitales Produkt“, so Ernesto Rupar. Und dann macht er doch noch Andeutungen über die Geheimnisse, die sie gerade austüfteln: „Wir haben Dinge drin, die man sich nie vorstellen konnte, jemals bei einem Auto zu sehen.“

Auf dem Weg nach draußen laufen wir in eine Kollegin aus dem Marketing. Sie ist für die Vorbestellungen zuständig. Ende 2019, sagt sie, startet die Reservierungsphase für Europa. Bis dahin könne man sich auf einer Warteliste für die eigentliche Bestellung vormerken lassen. Sobald es etwas Neues gibt, werden wir natürlich berichten.