Warum das neue Förderprogramm für Elektroautos nicht reicht

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Das Bundeskabinett hat heute ein neues Paket zur Förderung von Elektrofahrzeugen beschlossen. emobly zeigt, was sich ändern soll, weshalb die bisherigen Programme nicht funktionieren und was nötig wäre, um der Elektromobilität in Deutschland tatsächlich zum Durchbruch zu verhelfen.

Die neue Förderungsmaßnahmen für mehr Elektromobilität in Deutschland sehen unter anderem vor:

  • Lieferfahrzeuge: Für rein elektrische Lieferfahrzeuge wird eine Sonderabschreibung von 50 Prozent im Jahr der Anschaffung eingeführt – zusätzlich zur regulären Abschreibung. Die Regelung wird von 2020 bis Ende 2030 befristet.
  • Firmenwagen: Bei der Dienstwagenbesteuerung wird die Bemessungsgrundlage für die private Nutzung eines betrieblichen Elektro- oder extern aufladbaren Hybridelektrofahrzeugs seit dem 1. Januar 2019 halbiert. Diese Maßnahme war zunächst bis Ende 2021 befristet und wird nun bis Ende 2030 verlängert.
  • Ladevorrichtung: Das elektrische Aufladen eines Elektro- oder Hybridelektrofahrzeugs im Betrieb des Arbeitgebers ist aktuell bis Ende 2020 steuerfrei. Das gleiche gilt für die zeitweise Überlassung einer betrieblichen Ladevorrichtung zur privaten Nutzung. Dieser Steuervorteil wird bis Ende 2030 verlängert.

Die Fördermaßnahmen bisher

Aktuell gilt in Deutschland bis zum 31.12.2020 eine KFZ-Steuerbefreiung auf zehn Jahre für reine Elektrofahrzeuge. Außerdem wird seit Januar 2019 für Elektro-Dienstwagen mit Privatnutzung ein verringerter zu versteuernder geldwerter Vorteil in Höhe von 0,5 Prozent angerechnet statt 1 Prozent bei klassischen Verbrennern.

Die Förderung für E-Autos in Form einer Kaufprämie (“Umweltbonus”) gibt es seit über zwei Jahren und sollte ursprünglich in diesem Sommer auslaufen. Wegen der geringen Nachfrage wurde das Programm erst vor kurzem bis Ende 2020 verlängert.

Der Bonus wird zur Hälfte vom Staat und zur Hälfte vom Autohersteller bezahlt. Bei BEVs beläuft er sich insgesamt auf 4.000 Euro und bei PHEVs auf 3.000 Euro. Bei Brennstoffzellenautos wird die Differenz der Mehrkosten mit bis zu 40% gefördert.

Bis heute gingen insgesamt 125.408 Förderanträge ein. Darunter 82.974 für Elektroautos (BEV), 42.360 für Plugin-Hybride (PHEV) und gerade mal 74 für Brennstoffzellenfahrzeuge (FCEV).

Warum der “Umweltbonus” nicht funktioniert

Insgesamt stand für das Programm ein Fördertopf in Höhe von 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung, wovon bis dato rund 460 Millionen Euro ausbezahlt worden sind, also gerade mal ein Drittel der Fördersumme, die für die zweijährige Förderung von Elektrofahrzeugen vorgesehen war.

Unserer Prognose zufolge wird dieser Fördertopf im August 2020 aufgebraucht sein, also rund ein Jahr später als ursprünglich geplant.

Aus folgenden Gründen haben wir uns bei unserer Prognose für eine eher optimistische, exponentielle Trendanalyse entschieden:

  • Die Preise für Elektrofahrzeuge wird in den kommenden Jahren weiter fallen. Zusätzlich wird es eine deutlich größere Auswahl an Modellen geben als in den zurückliegenden Jahren. Folglich wird auch eine größere Kundschaft angesprochen.
  • Des Weiteren übertreffen die neuen Antriebe bereits konventionelle Antriebe in allen Bereichen des Fahrens. Dementsprechend werden die bestehenden Vorurteile gegenüber E-Autos über die Zeit hinweg abnehmen.
  • Die Strafzahlungen der Autohersteller nehmen mit wiederholter jährlicher Überschreitung der CO2-Grenzwerte drastisch zu, was für die Industrie einen weiteren Motivationsgrund für eine Weiterentwicklung neuer Technologien liefern sollte.

Alternative Fördermöglichkeiten

Erkenntnisse aus anderen Ländern haben gezeigt, dass es genau zwei Möglichkeiten gibt, um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen:

Direkte Kaufprämien wie der Umweltbonus funktionieren, sollten allerdings erhöht und über das Jahr 2020 hinaus verlängert werden, um die heute noch höheren Anschaffungskosten gegenüber Verbrennern auszugleichen.

Eine andere Möglichkeit wäre es, durch Steuervergünstigungen neue Käufer zu locken. Letzteres ist in vielen EU-Ländern bereits der Fall und wird mit den neuen Fördermaßnahmen der Bundesregierung ansatzweise zumindest für Dienstwagen eingelöst.

Oslo – Welt-Hauptstadt der Elektromobilität – Foto: Peter Hentschel (CC BY-ND-2.0)

Wie es andere Länder machen

In Norwegen lässt der Staat sowohl die Einfuhrsteuer als auch die 25%-Mehrwertsteuer für Elektroautos entfallen. Zusätzlich sind E-Auto-Fahrer von Parkgebühren in der Innenstadt und Mautgebühren befreit, dürfen auf den Busspuren fahren und sogar bei den Kommunen kostenlos laden (siehe dazu auch unseren Text: Norwegen: Hochburg der Elektromobilität ).

In anderen Ländern ist die staatliche Kaufprämie deutlich höher, verglichen mit Deutschland. Unser Nachbar Frankreich fördert mit bis zu 8.500 Euro. Rumänien bezuschusst Elektroautos sogar mit bis zu 10.000 Euro.

Insgesamt fördern 24 von 28 EU-Ländern den Umstieg auf Stromautos. Ausgenommen sind Estland, Kroatien, Lettland und Polen. Dies spiegelt sich auch im Marktanteil der E-Autos im jeweiligen Land wieder.

Einige Länder haben bereits beschlossen, in Zukunft überhaupt keine Verbrenner mehr zuzulassen. Norwegen möchte dies ab 2025. Ab dem Jahre 2030 folgen China, Niederlande, Indien, Israel, Island und Irland.

emobly meint: Mit den heute beschlossenen betrieblichen Steuervergünstigungen sowie der aktuellen Förderprämie von maximal 4.000 Euro steht die Auto-Nation Deutschland, die drittstärkste Wirtschaftsmacht der Welt, fast armselig da. Deutschland bräuchte deutlich größere Anreize, um im internationalen Trend mithalten zu können und nicht mit seiner starken Autoindustrie abzufallen.

Je länger die deutsche Industrie auf Verbrenner setzt, desto schwieriger wird es für die etablierten Autohersteller ihre Fahrzeuge auch international verkaufen zu können (China!). Ohne Subventionen vom Staat wird dieser Kraftakt nicht finanzierbar sein. Nicht für die Kunden, nicht für die Hersteller, mit fatalen Folgen für die deutsche Wirtschaft.