Ab in den Süden!

Mit dem Tesla Model X nach Rom - eine Freude für Leib und Seele

Mit einem Tesla zu reisen ist etwas ganz Besonderes. Selbst das Aufladen kann zum Genuss werden. Unsere Autorin bloggt von ihren Erlebnissen unterwegs – hier mit einem Tesla Model X Richtung Rom – und einem Geheimtipp.

Das Schönste am Bloggerinnenleben ist, dass ich hin und wieder mit schönen Elektroautos durch die Gegend fahren darf. Dabei nehme ich die verschiedenen Modelle unter die Lupe und teste sie auf Herz und Nieren. Am besten lernt man das Auto auf einer ausgiebigen Ausfahrt kennen. Da im Frühjahr 2017 das Wetter in Deutschland gerade wieder auf Winter machte, bin ich mit einem Tesla Model X in Richtung Süden aufgebrochen.

Die zweitschönste Nebensache der Welt

Das schwierigste am Bloggerinnenleben ist, die Erlebnisse und Erfahrungen in Worte zu fassen und in schön zu lesende Sätze zu gießen. Dies hier ist aber noch nicht der Testbericht, sondern ein besonderer Blick auf das Leben mit einem Tesla. Viele denken, das Auto aufzuladen wäre eine Bürde – doch mancherorts ist der Ladehalt ein Genuss. So erlaube ich mir, hier mal ein wenig vom Thema abzuschweifen und eine Nebensache des elektrischen Reisens näher zu beleuchten.

Die Standortauswahl der Tesla-Schnellladestationen, den sogenannten „Superchargern“, ist in erster Linie pragmatisch. In Autobahnnähe sollen sie sein, außerdem müssen sie sowohl von beiden Fahrtrichtungen als auch von außerhalb der Autobahn erreichbar sein.

Perlentaucherin

In Deutschland waren damit die Autohöfe – die im Gegensatz zu den Rastanlagen außerhalb der Autobahn liegen – die erste Wahl. So steht hierzulande fast jeder Supercharger an einem Autohof – Truckercharme inklusive. Im europäischen Ausland ist die Institution Autohof weitestgehend unbekannt. So stehen die Supercharger oftmals an Hotels. Gerne vor den Häusern großer Ketten wie Ibis, Best Western oder Accor. Hier gibt es zwar etwas mehr Flair als auf den Autohöfen, dafür ist der Service deutlich eingeschränkter. Bei manchen ist am Nachmittag noch nicht mal ein Kaffee zu bekommen.

Doch es gibt sie. Die Perlen im Supercharger-Einheitsbrei. Eine der schönsten dieser Perlen findet sich etwas nördlich von Rom in Magliano Sabina direkt an der Autostrada 1 oder auch Autostrada del Sole genannt. La Pergola heißt das kleine und auf den ersten Blick unscheinbare Hotel-Restaurant.

Dolce vita statt Ladeweile

Wer auf dem Weg in die ewige Stadt ist, sollte die Route unbedingt so planen, um zum Mittag- oder Abendessen an diesem Supercharger zu laden. Wenn nach ein paar Gläsern Wein zur Pasta oder zum Steak die Weiterfahrt nicht möglich ist, checkt man einfach im Hotel ein und fährt am nächsten Morgen frisch ausgeruht zum Sightseeing nach Rom.

Günstiger als ein Hotel in der Hauptstadt ist es allemal. Die Zimmerpreise liegen weit unter 100 Euro pro Nacht und eignen sich so auch für die knappe Reisekasse – denn entgegen allgemeiner Annahme sind nicht alle Teslafahrerinnen stinkreiche Schickimicki-Tussis. Trotz seiner direkten Nähe zur Autobahn sind die Zimmer überraschend ruhig. Das Hotel verzichtet auf opulente Ausstattung und bietet einfache aber komfortable Zimmer mit einem ganz eigenen Charme. Es ist sauber und die Matratzen sind nicht durchgelegen.

Im Restaurant wird über dem offenen Holzfeuer gegrillt, ein Koch kümmert sich um die verschiedenen Schinken und Salamis, die er auf Bestellung der Gäste frisch aufschneidet. Die Küchentür steht offen und man kann einen Blick auf weitere Köche über brodelnden Töpfen und brutzelnden Pfannen werfen. Der Gastraum geht nicht mit italienischen Klischees hausieren und strahlt stattdessen – auch durch das offene Holzfeuer hinter dem Tresen – eine einladende Gemütlichkeit aus.

Jeden Cent wert

Mir hat ein Freund vor meiner Reise empfohlen, unbedingt an diesem Supercharger essen zu gehen. Da unsere Vorstellungen eines guten Preis-Leistungsverhältnisses mitunter variieren, habe mich vor dem Aufschlagen der Speisekarte mental schon auf eine kleine Vorspeise als Abendessen vorbereitet.

Gut, erstmal habe ich nichts verstanden, da die Karte natürlich auf Italienisch war. Doch noch bevor ich mich mit dem Smartphone an die mühevolle Übersetzung machte, kam auch schon ein Kellner und hat mir geduldig die Karte ins Englische übersetzt. Auch beim Kellner keine Spur eines italienischen Klischees. Neben anderen Hotelgästen aus aller Welt, saßen an den Tischen Italienerinnen und Italiener. Dieses Restaurant ist also alles andere als eine Convenience-Touristenfalle.

Spaghetti Carbonara

Der Blick auf die Preise zeigte, dass neben einer kleinen Vorspeise durchaus auch eine Hauptspeise drin war. Auf der Karte setzt die Pasta mit weißem Trüffel für 35 Euro die Grenze nach oben. Ansonsten liegen die Preise auf dem Niveau eines guten Italieners in Deutschland. Die Pastagerichte kosten zwischen zehn und 15 Euro. Als Vorspeise gab es die „Selezione de prosciutto“ für 15 Euro. Ein Teller voll frisch aufgeschnittenem Schinken aus der Toskana und aus Umbrien. Dazu ein über dem Holzfeuer getoastetes Brot.

Zur Hauptspeise gab es dann meinen persönlichen Lackmustest für die italienische Pastaküche: Spaghetti Carbonara – bin ich doch selbst davon überzeugt, die besten Carbonara nördlich der Alpen zu kochen. So einfach wie dieses Gericht ist, soviel kann man falsch machen. Den falschen Speck, den falschen Käse oder die falschen Eier nehmen. Das Ganze verwürzen oder das Ei stocken lassen. Carbonara sind keine Pasta, Carbonara sind eine Kunst! Und was soll ich sagen – in dieser Küche arbeitet ein großer Meister.

Es muss nicht immer McDonald’s sein

Auf einer Veranstaltung mit Elon Musk beschwerte sich mal eine Teslafahrerin, dass sie beim Laden nicht mit ihrer Familie beim Burgerbrater mit dem goldenen „M“ essen mag. Sicher lässt sich das nicht immer vermeiden. Denn die Standorte für die Supercharger müssen viele Bedingungen erfüllen. Um auf einen grünen Zweig zu kommen und ein flächendeckendes Netz zu spannen, ist die kulinarische Qualität daher nur ein untergeordnetes Kriterium. Umso besser, dass es eben Perlen wie das La Pergola gibt.

Mit der Markteinführung des Tesla Model 3 soll das jetzt schon riesige Superchargernetz weiterwachsen. Neben Stops an den Autobahnen, soll es nun auch innerstädtische Standorte geben. Mein Tipp an Tesla ist: Bei der Suche nach neuen Standorten, Orte wie das La Pergola als Maßstab zu nehmen und weitere Perlen in das Netz einzuweben. Daher sollte eine Restaurantkritikerin unbedingt Teil des Supercharger-Planungsteams sein. Denn Essen ist die zweitschönste Nebensache der Welt. Und gut bewirtete Teslafahrerinnen sind glückliche Teslafahrerinnen.

Wer kennt noch mehr solcher Perlen? Das Portal „Supercharge Me” sammelt Bewertungen der Supercharger und ist vor jeder längeren Reise ein Klick wert.

Dieser Artikel erschien erstmals im Mai 2017 auf www.ZoePionierin.de

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Jana Höffner
Begeisterte Autofahrerin mit starken Suchttendenzen (wenn es eine Straße und Ladestationen gibt, fahre ich mit dem Auto) - seit 2013 inzwischen über 200.000 Kilometer ausschließlich elektrisch. Neben dem Auto ist das Internet und die sozialen Netzwerke mein Zuhause - auch beruflich. Kann spontan Vorträge zu verschiedenen Mobilitätsthemen halten aber auch zu invasiven Neophyten oder Star Trek. Ansonsten Radlerin, Bloggerin (ZoePionierin.de), Vereinsmeierin (Electrify-BW e.V.), Elektroautobauerin (1982er VW Bus), Naturromantikerin und stolze NerdTM.