Renault ZOE – Ein Fazit

Bilder: Groupe Renault

Nach knapp drei Jahren und 65.000 Kilometern habe ich mich von meinem Renault ZOE getrennt. Ein Fazit.

Vor einigen Jahren begann für mich das „Abenteuer Elektromobilität“ mit der Renault ZOE (Anmerkung der Red.: genau genommen heißt es “der” Renault ZOE, männlich. Im Volksmund hat sich aber die weibliche Form “die” ZOE eingebürgert). Die erste, die damals in Stuttgart ausgeliefert wurde. Anfangs dachte ich, dass ich mit einem Elektroauto sicher nicht mehr als 15.000 Kilometer im Jahr schaffe. Am Ende waren es fast 25.000 Kilometer im Jahr.

Der erste große Ausflug führte von Stuttgart nach Bad Dürrheim. Heute eigentlich kaum mehr vorstellbar, war es damals noch ein großes Abenteuer, bei dem es auf jedes Elektron im Akku ankam. Denn in Bad Dürrheim gab es 2013 nur eine Schuko-Steckdose und für die ZOE noch kein Schuko-Ladekabel.

Henne oder Ei

Es gab zwar damals schon ein bisschen Infrastruktur, doch kam die Elektromobilität erst mit der verhältnismäßig günstigen ZOE in Fahrt. Viele Ladesäulen hatten seit Monaten kein Ladekabel gesehen und zwischenzeitlich den Geist aufgegeben. Die Ladesäulen-Verzeichnisse waren noch in einem eher rudimentären Zustand. Zum Strom holen musste ich schon mal zehn Kilometer zur nächsten Ladesäule fahren.

Der Vorteil der Renault ZOE war und ist, dass viele Ladesäulen 22 Kilowatt Wechselstrom zur Verfügung stellten. Die ZOE ist immer noch das einzige Fahrzeug, das serienmäßig mit 22 Kilowatt Wechselstrom laden kann. In knapp einer Stunde hatte man so genug Strom für die Weiterfahrt. Die Zeit lernte man kreativ zu nutzen. Mit Karten spielen, lesen und Spazieren gehen. Ausflüge wurden so geplant, dass ich nebenbei noch meine Renault ZOE laden konnte.

Es gibt kein Zurück

Mir war auch schon nach den ersten – wenn auch manchmal beschwerlichen – Kilometern klar, dass es kein Weg zurück mehr gibt. Für kein Geld der Welt würde ich mein Elektroauto gegen eines mit Verbrennungsmotor zurücktauschen.

Die fast wöchentlichen Fahrten von Stuttgart nach Mainz und zurück wurden schnell zur Routine. Auch wenn es noch eine ganze Weile dauerte, bis ich in Mainz komfortabel laden konnte. Aber die Ladezeiten ließen sich gut einplanen. Fuhr ich freitags nach Mainz, gab es in Heidelberg Abendessen für mich und frischen Strom für ZOE. In Mainz lud ich meist an der einzigen öffentlichen Ladesäule am Rand der Innenstadt.

Während das Auto lud, fuhr ich dann mit dem Mietrad in die Stadt. Auf dem Rückweg am Sonntagabend das Gleiche. Am Ende gab es auf dem Weg drei Schnellladestationen für die ZOE. Im Sommer musste ich damit nur noch 20 bis 25 Minuten laden. Das hat dann höchstens noch für ein gemütliches Eis gereicht.

Nach langem Stillstand hat sich inzwischen auch in Mainz etwas getan und das Netz von Ladesäulen in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt wächst. So kann ich heute immer bequem nebenbei laden. Also, wenn das Auto eh nur rumsteht und ich bei Familie oder Freunden bin oder einen Stadtbummel mache.  

Bilder: Groupe Renault

Der Kontinent ist nicht genug

Routine wird schnell langweilig. Also brauchte es neue Herausforderungen für ZOE und mich. So bin ich im Sommer 2014 zu einer großen Deutschlandrundfahrt mit Abstecher in die Niederlande aufgebrochen. In den Urlaub mit einem Elektroauto mit 150 bis 170 Kilometern Reichweite? Na klar! Es ist ja Urlaub und ich habe keine Eile. Noch nie hatte ich auf einer einzigen Reise so viele Eindrücke gesammelt.

Im Jahr darauf war der Kontinent nicht mehr genug. Also, ab nach England und Schottland – to boldly go where no German ZOE has gone before. Auch diese Reise war etwas ganz Besonderes. Man lernt ein Land dabei ganz anders kennen und mit dem Elektroauto kam man damals auch immer schnell mit den Menschen ins Gespräch. 

Deutschland hat in Sachen Infrastruktur aufgeholt

Inzwischen stehen an über 90 Prozent der Tank&Rast-Anlagen Schnellladesäulen, an denen alle modernen Elektroautos schnellladen können. Auch immer mehr Autohöfe stellen Ladesäulen auf. Gleichzeitig kommen immer mehr Anbieter auf den Markt und man kann sich stellenweise schon aussuchen, bei wem man laden möchte. Auch Einzelhändler wie Kaufland, Lidl oder Aldi locken Kunden mit Schnellladesäulen. Ionity baut derzeit ein Netz von Ultraschnellladesäulen auf, an denen je nach Fahrzeug mit bis zu 300 Kilowatt geladen werden kann. 

Unsere europäischen Nachbarn haben schon früher losgelegt und so findet man auch dort ein dichtes Netz an Schnellladesäulen. Dank Roaming lässt sich auch mit vielen deutschen Anbietern dort laden. Ausnahmen sind derzeit leider noch Italien, Spanien und Portugal. Die lokalen Anbieter haben sich größtenteils noch keinen Roamingverbänden angeschlossen. Aber auch das kann nur eine Frage der Zeit sein. Ladekarten für diese Länder sind aber bei dem jeweiligen Anbieter im Internet erhältlich. 

Die Probleme, mit denen sich die Pioniere noch vor wenigen Jahren rumgeschlagen haben, sind heute also in der Regel kein Thema mehr. 

Bilder: Groupe Renault

Kassensturz – rentiert sich das denn überhaupt?

Und jetzt höre ich sie, die eine vermeintlich wichtige Frage. Und was hat dich das ganze gekostet? Das kann ich einigermaßen genau sagen. Die gute Nachricht vornweg: Reparaturen und Service kosteten insgesamt 222 Euro und 10 Cent. Und zwar für zwei Jahresinspektionen.

Meine ZOE Intens hat 2013 22.800 Euro gekostet – damals gab es noch keinen Umweltbonus. Hinzu kam die Batteriemiete. Bei einer jährlichen Kilometerlaufleistung von 20.000 Kilometern und einer Vertragslaufzeit von 36 Monaten betrug der monatliche Mietzins für die Batterie 102 Euro. Insgesamt war die ZOE 33 Monate in meinem Besitz, macht also in Summe 3.366 Euro Batteriemiete. Renault hatte eine Werbeaktion, bei der man für einen geworbenen Kunden sechs Monate keine Batteriemiete zahlen musste. Da ich zwei Kunden offiziell geworben habe, musste ich zwölf Monate keine Batteriemiete zahlen. Mehr als zwei Kunden konnte man im Rahmen der Aktion nicht werben.

An festen Kosten fielen monatlich noch pauschal 15 Euro für die Lademöglichkeit am Arbeitsplatz an. Macht in 33 Monaten nochmal 495 Euro „Treibstoff“-Kosten. Ansonsten habe ich vielerorts kostenlos geladen. Insgesamt dürften die weiteren Kosten zum Aufladen in der gesamten Zeit nicht über 300 Euro gelegen haben.

  • Kaufpreis Renault ZOE Intens, ohne Wallbox: 22.800 Euro
  • + Batteriemiete: 3.366 Euro
  • – Gutschrift Batteriemiete aus Werbeaktion: 1.224 Euro
  • + „Treibstoff“-Kosten: 800 Euro
  • + Winterkompletträder (Alufelgen): 590 Euro
  • + Kfz Versicherung, Vollkasko (500 Euro Selbstbehalt) Teilkasko (150 Euro Selbstbehalt): 1.050 Euro
  • + 2 Inspektionen: 220 Euro
  • – Verkaufspreis: 10.500 Euro

= 17.101 Euro

33 Monate und 65.000 Kilometer Renault ZOE fahren hat mich also unterm Strich gut 17.000 Euro gekostet. Die Zahlen sind aber nur bedingt übertragbar, da in der Rechnung sehr viele individuelle Posten enthalten sind. Hat sich das jetzt rentiert? Diese Frage ist schwer zu beantworten. Was ich auf jeden Fall sagen kann: „Es hat sich gelohnt!”

5.000 Euro Prämie für Renault ZOE

Mit dem Umweltbonus ist die Renault ZOE in Deutschland inzwischen mindestens 5.000 Euro günstiger – Renault stockt die staatlichen 4.000 Euro auf. Natürlich gibt es Möglichkeiten in drei Jahren günstiger mobil zu sein. Aber das ist offensichtlich überhaupt für die wenigsten eine Option. Denn sonst würden wir alle gebrauchte Dacias fahren oder hätten eine Bahncard 100.

Beim Vergleich der reinen Energiekosten gewinnt das Elektroauto aber um Längen. Selbst, wenn ich jede Kilowattstunde mit 30 Cent hätte bezahlen müssen. Zum Vergleich sollen hier die Verbrauchsangaben von Spritmonitor.de dienen, für den Benzinpreis der Durchschnittspreis von 2015: 1,39 Euro pro Liter.

Alle 100 Kilometer ist der Clio also 4,68 Euro teurer zu bewegen. Bei meinen 65.000 Kilometern sind das schon stolze 3.042 Euro – also etwa die Batteriemiete.

Bilder: Groupe Renault

Würde ich nochmal eine ZOE kaufen?

Auch wenn viele Elektroautos auf dem Preisschild noch teurer sind, als vergleichbare Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor, sparen sie bei Unterhalt und Betrieb dauerhaft jede Menge Geld. Viele Teile, die bei Verbrennern für teure Reparaturen sorgen, gibt es schlicht im Elektroauto nicht. Durch die Rekuperation – also die Rückgewinnung der Bewegungsenergie beim Verzögern – verschleißen die Bremsen kaum und müssen seltener gewechselt werden. Der im Vergleich zum Spritpreis stabile Strompreis gibt Sicherheit bei der Kalkulation der Betriebskosten. So sind Elektroautos auch für Betreiber von Flotten interessant.

Würde ich nochmal eine ZOE kaufen? Wie oben schon geschrieben, habe ich jeden Kilometer genossen. Wie wohl die meisten Menschen, fahre ich nicht mit dem Taschenrechner auf dem Beifahrersitz spazieren und der Fahrtkomfort in einem Elektroauto ist sowieso unbezahlbar. Inzwischen gibt es aber zahlreiche neue Modelle, die die ZOE in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis deutlich schlagen. Trotzdem bleibt die ZOE – ob neu oder gebraucht – derzeit noch mit der günstigste Einstieg in die Elektromobilität. 

Hohe Dynamik bei der Elektromobilität

Das Fazit zeigt, dass sich in den vergangenen Jahren sehr viel in Sachen Elektromobilität getan hat – und das Tempo dürfte in den kommenden Jahren eher noch zunehmen. Das betrifft sowohl die Ladeinfrastruktur als auch das Angebot an Fahrzeugen. Stand Anfang 2019 gibt es laut dem Stromtankstellen-Verzeichnis von emobly in Deutschland, Österreich und Schweiz gut 15.000 Schnellladeorte und es kommen fast täglich neue hinzu. Bei vielen unserer europäischen Nachbarn sieht es inzwischen ähnlich gut oder sogar noch besser aus. Auch der Tarifdschungel scheint sich langsam zu lichten. Benötigte man vor ein paar Jahren noch eine ganze Mappe voller Ladekarten, ist man heute bequem mit zwei Ladekarten oder einer App in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und vielen anderen europäischen Ländern unterwegs. 

Viele Fahrzeughersteller haben ihren jahrelangen Ankündigungen endlich Taten folgen lassen, so dass es inzwischen eine gute Auswahl an Elektrofahrzeugen gibt. Vor allem die immer wieder gegen Elektroautos vorgebrachten Vorurteile wie lange Ladezeiten, geringe Reichweite und wenig Leistung, sind bei den meisten Modellen inzwischen obsolet.

Bis auf die Renault ZOE, den Renault Kangoo Z.E. und den Smart EQ können inzwischen alle neuen Elektroautos schnellladen. Das heißt, dass man an speziellen Schnellladesäulen in 20 bis 40 Minuten den Akku wieder auf 80 Prozent aufladen kann. Waren in den ersten Jahren noch Akkus mit einer Kapazität von um die 20 bis 24 Kilowattstunden – und damit Reichweiten von 100 bis 150 Kilometern – Standard, haben viele neue Modelle 40, 60 oder bis zu 100 Kilowattstunden-Akkus. Die Reichweiten steigen entsprechend. Der neue Hyundai Kona oder Kia eNiro schaffen locker 300 Kilometer im Alltag. Beim neuen Audi etron oder Mercedes-Benz EQC reichen die Stromspeicher für bis zu 400 Kilometer. Audi setzt beim Schnellladen mit einer Leistung von bis zu 150 Kilowatt neue Maßstäbe und schlägt damit sogar den bisherigen Branchenprimus Tesla, der mit maximal 120 Kilowatt lädt. 

Leider setzen die meisten Hersteller derzeit auf elektrische SUV. Ein familientauglicher Kombi ist derzeit immer noch nicht in Sicht. Mit dem Nissan eNV-200 Evalia gibt es aber bereits einen siebensitzigen Elektrovan. 

Auch wenn die Jahre damals aufregend und spannend war, bin ich doch heute froh, dass Elektroauto fahren fast normal geworden ist und man kaum noch Abstriche beim Reisekomfort machen muss. Mit einem modernen Elektroauto nach England fahren ist heute kaum noch eine Herausforderung. Gerade war ich mit meinem Tesla Model S 70 D auf einer knapp 6.000 Kilometer langen Rundreise um die iberische Halbinsel. Die Reise war im Bezug auf das Gefährt so ereignislos, dass es in dieser Hinsicht noch nicht mal was zu berichten gäbe. 

Wer sich etwas vorbereitet, kann mit dem Elektroauto heute eigentlich fast überall in Europa hinfahren – auch ohne Tesla. 

Vorheriger ArtikelHört doch endlich auf zu jammern!
Nächster ArtikelElektromobilität: Was ist eine Wallbox?
Jana Höffner
Begeisterte Autofahrerin mit starken Suchttendenzen (wenn es eine Straße und Ladestationen gibt, fahre ich mit dem Auto) - seit 2013 inzwischen über 200.000 Kilometer ausschließlich elektrisch. Neben dem Auto ist das Internet und die sozialen Netzwerke mein Zuhause - auch beruflich. Kann spontan Vorträge zu verschiedenen Mobilitätsthemen halten aber auch zu invasiven Neophyten oder Star Trek. Ansonsten Radlerin, Bloggerin (ZoePionierin.de), Vereinsmeierin (Electrify-BW e.V.), Elektroautobauerin (1982er VW Bus), Naturromantikerin und stolze NerdTM.