Genfer Autosalon: In der Falle

Genfer Automobilsalon / Foto: Shutterstock

Heute beginnt die Geneva Motor Show. Bis zum 17. März präsentieren Automobilhersteller ihre neuesten Fahrzeuge und Strategien. Doch dieses Jahr ist alles anders.

Die erste europäische Automesse des Jahres ist noch immer ein wichtiger Termin für die internationale Automobilindustrie. Zum einen, weil Europa als das anspruchsvollste Publikum gilt, wenn es um Design und Verarbeitung geht. Zum anderen aber auch, weil Europa ein wichtiger Zulieferer für die Branche ist. Ob USA oder China, viele internationale Fahrzeughersteller sind auf Patente wie auf Personal aus Europa angewiesen.

Geredet wurde schon immer über Elektroautos in Genf. Doch dieses Jahr ist alles anders. Zum ersten Mal hat man das Gefühl, die Hersteller meinen es wirklich ernst mit der Automobilwende. Das hat viele Gründe. Zum einen sind da die drohenden EU-Strafzahlungen. Zwischen 2021 und 2030 soll der CO2-Ausstoß um 37,5 Prozent gesenkt werden. Um das zu schaffen, müsste allein in Deutschland jeder zweite Neuwagen elektrisch sein.

Zum anderen ist nach dem Dieselbetrug jedem in der Branche klar, dass es keinen Weg gibt zurück zum Diesel. Ein neues Thema muss her, um den Imageverlust zu kompensieren. Da ist die Elektromobilität ein willkommenes Rettungsboot.

Das Problem der Europäer: Anders als auf dem Verbrenner-Markt haben die traditionellen Autobauer ihre Marktführerschaft beim E-Auto verloren. Tesla, vor allem aber die Chinesen graben den Europäern massiv das Wasser ab.

Zwar verweist man stolz darauf, dass Europa 46 Prozent Marktanteil an elektrifizierten Fahrzeugen halten. Doch spotten Kritiker, für BMW, Daimler oder VW gilt ein Auto schon dann als “elektrifiziert”, wenn sich die Außenspiegel elektrisch bedienen ließen.

Tatsächlich befinden sich die traditionellen Autobauer in der Falle: Der Bewusstseinswandel und das Bekenntnis zur Elektromobilität ist glaubwürdig und die Investitionen in das neue Zeitalter sind immens. Das Geld aber verdienen sie nach wie vor noch mit überdimensionierten, protzigen SUVs, an denen es dieses Jahr auch in Genf wieder nicht mangelt.

Am Ende hängt Sieg oder Niederlage an einer einzigen Frage: Werden die Kunden mitgehen? Werden sie bereit sein, noch einmal viel Geld in eine neue Technologie zu stecken, wenn ihnen der Diesel-Betrug noch in allen Knochen steckt? Gerade hier haben sich die deutschen Autobauer schwer versündigt. Wie will man dem Kunden teure E-Autos schmackhaft machen, wenn man ihnen doch eben noch das Märchen vom “sauberen Diesel” erzählt hat.

Und so können sich die Europäer ein Bein ausreißen, um in Genf ihre Elektroautos oder “seriennahe Studien” (!) vorzustellen. Um sich aus dem “Innovators Dilemma” zu befreien, aus der Falle zwischen alt und neu zu befreien, sind allein zwei Punkte entscheidend: Preis oder Image. Wer günstigere E-Autos als Verbrenner bauen kann oder aber durch Vertrauen punkten kann, wird überleben. Preis oder Image. Darauf wird es hinauslaufen.