Im Land der elektrischen Autos

Oslo: 77 Prozent der Neuzulassungen im März waren E-Autos

Einweihung des ersten Schnelllade-Korridors in Norwegen von Ionity. emobly war für Euch dabei.

Norwegen – das Land mit den prozentual meisten Elektroautos weltweit. Im März lag die Neuzulassungsquote bei 58 Prozent, in der Hauptstadt Oslo sogar bei 77 Prozent. Bis zum Jahr 2025 will die konservativ-liberale Regierung Autos mit Verbrennungsmotor komplett abschaffen. Nicht mit Verboten, sondern mit staatlichen Anreizen für E-Autofahrer. 

So entfällt auf Elektroautos in Norwegen nicht nur die Kfz-Steuer, sondern gleich die komplette Mehrwertsteuer (stolze 25%). Die Ladepunkte in Oslo sind gratis. Busspuren dürfen benutzt werden (bei zwei Personen und mehr). Es gibt Vergünstigungen für Maut-Straßen und Fähren. Mehr zur Verkehrswende in Norwegen findet Ihr hier.

In den Katakomben der Festung von Oslo dürfen nur Elektroautos parken – und gratis laden

„Wir besteuern, was wir nicht wollen, wir fördern, was wir wollen“, bringt es Christina Bu vom norwegischen Elektrofahrzeugverband (“Norsk Elbilforening”) auf den Punkt. Als Generalsekretärin vertritt sie die Interessen von 70.000 Verbandsmitgliedern und kümmert sich um deren Belange. Zum Beispiel um den Ausbau der Lade-Infrastruktur. 

Norwegen hat ein Luxusproblem

Mit seinen unzähligen Elektroautos hat Norwegen ein Luxusproblem. Die Raststätten und Stromanbieter kommen mit der Errichtung neuer Ladeplätze kaum hinterher. Obwohl fast jeder zweite E-Autobesitzer zuhause über einen eigenen Stromanschluss verfügt, haben fast 80 Prozent von ihnen jüngst in einer Befragung angegeben, dass sie beim Laden an öffentlichen Ladesäulen oft in der Schlange stehen.

Vor allem Freitag und Sonntag Nachmittag, wenn viele Ausflügler und Urlauber auf Norwegens Straßen unterwegs sind, kommt es zu Engpässen. Aktuell kommen auf einen Ladepunkt 120 Elektroautos. Bei Tesla, das über ein eigenes Ladenetz verfügt, sind es nur 55 Fahrzeuge pro Ladepunkt. Gerade was Schnell-Ladesäulen betrifft, haben die Norweger einen großen Bedarf.

Die ersten Gäste laden ihre Elektroautos

Hier kommt Ionity ins Spiel. Das Joint-Venture von BMW, Daimler, Audi, Porsche und Ford hat sich zum Ziel gesetzt, Europa „unter Strom“ zu setzen. Mit bis zu 350-kW-High-Power-Ladestationen möchte man die Elektromobilität quer über den gesamten Kontinent langstreckentauglich machen. Auch hier im Walhalla der Elektromobilität, in Norwegen.

Alle 120-150 km eine Ladestation – das Ionity-Netz nimmt Gestalt an

Feierliche Einweihung

Wir sind in Ringdalskogen bei Larvik, rund 90 Auto-Minuten südlich von Oslo. Stolz verkündet Ionity-COO Marcus Groll bei der Einweihungsfeier die Eröffnung der acht Schnellladesäulen. Der Ort sei natürlich nicht zufällig gewählt. Wie auch in Deutschland will Ionity mit Ladestationen entlang der Hauptrouten im Abstand von 120 bis 150 Kilometern Norwegen erschließen. Parallel dazu werden die Standorte in Schweden und Dänemark ausgebaut.

Einweihung der Ionity-Ladestation in Ringdalskogen

„Es begann vor knapp zwei Jahren mit ein paar Powerpoint-Folien“, erinnert sich Groll. „Heute stehen wir hier und haben einen weiteren Schnelllade-Korridor fertiggestellt.“ Europaweit 400 Stationen bis Ende 2020, so das Ziel von Ionity. Davon rund 100 allein in Deutschland, etwa 30 in Österreich und in der Schweiz. „Der Vorteil ist, dass unsere Kunden von Madrid bis Oslo mit einer Marke, mit einem Serviceverprechen und mit einer deutschprachigen Hotline reisen können“, so Groll.

Während der drei Stunden, die wir auf dem Gelände verbringen, fahren immer wieder „echte“ Kunden vor, um ihre Fahrzeuge zu laden. Zwei Jaguar I-Pace, sowie ein BMW i3 sind darunter. Die e-trons, die Audi für die Anreise der Gäste aus Oslo zur Verfügung gestellt hat, sind schon lange wieder startklar. Die Ladeleistung pendelte im Schnitt zwischen 120-125 kW. Für die maximal möglichen 150 kW waren die Akkus offenbar noch zu kalt.

Norwegens Vlogger “Tesla-Björn” Nyland bei der Arbeit

Auch „Tesla-Björn“ Nyland schaut mit seinem weißen Model 3 vorbei, dem Wagen, der er neulich bei einem Video-Dreh in Finnland gecrasht hat. Der YouTuber ist mit der Ladegeschwindigkeit sichtlich zufrieden, und das obwohl die Tesla-Supercharger direkt gegenüber stehen. Konzentriert dokumentiert er jeden Schritt des Ladevorgangs mit seiner Videokamera. Dank CCS-Anschluss zählt das Tesla Model 3 zu den häufig anzutreffenden Fahrzeugen bei Ionity-Standorten.

Der e-tron wird aktuell vor allem in Deutschland und in Norwegen ausgeliefert

In Deutschland wird es schneller gehen

Wir sind zurück in Oslo und haben aufgehört, die Teslas, Hyundai Konas und Nissan Leafs zu zählen. Das Straßenbild sieht anders aus, als in vergleichbaren europäischen Metropolen. Und es hört sich anders an – leiser als noch vor sieben Jahren. Damals lag die Elektroauto-Quote bei gerade mal bei drei Prozent der Neuzlassungen. 

„Sobald der Punkt erreicht ist, dass Elektroautos genauso viel kosten wie Verbrenner, wird der Umstieg bei Euch in Deutschland vermutlich schneller gehen, als bei uns“, so Christina Bu vom norwegischen Elektrofahrzeug-Verband. Inzwischen gäbe es eine deutlich bessere Infrastruktur, günstigere und vor allem leistungsstärkere Fahrzeuge. „Wenn die Politik das mit zusätzlichen Anreizen unterstützt, wird der Wandel sogar noch schneller passieren.“