Aral-Studie: Erwartungen an Elektroautos werden immer irrationaler

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Bild: Aral

Die Tankstellenkette Aral hat auch dieses Jahr wieder Autofahrer*innen zu ihren Präferenzen für den nächsten Autokauf befragt. Auch die Akzeptanz von Elektroautos wurde abgefragt – mit zum Teil widersprüchlichen Aussagen.

Dünne Datenlage

Eins vorab: Sämtliche in der Studie getroffenen Aussagen sind mit Vorsicht zu genießen, da die Datenbasis sehr klein ist. Zunächst wurden 1001 Teilnehmer nach Postleitzahlengebieten befragt, stellenweise wurden nur die Aussagen von 300 Teilnehmern gewertet. Jedes Jahr werden etwa 3,5 Millionen Fahrzeuge in Deutschland zugelassen, 300 Teilnehmer sind also nur 0,08 Promille aller Autokäufer. Die gesamte Studie gibt es übrigens hier zu lesen.

Akzeptanz für Elektroautos ist da

Die grundsätzliche Bereitschaft, beim nächsten Autokauf ein Elektrofahrzeug zu wählen, ist bei 55% der Befragten vorhanden, dieser Wert hat sich seit 2015 kaum verändert. Entschieden „Nein“ zum Elektroauto sagen nur 29%, ein gutes Viertel ist unentschlossen.

Bereitschaft, ein Elektroauto zu kaufen. Quelle: Aral AG

Erwartungen immer höher

Autokäufer erwarten immer mehr von einem Elektroauto. 57% sehen Elektroautos als Erstwagen, widersprechen also dem Klischee vom Nischendasein von Elektrofahrzeugen als Stadtflitzer. Damit geht aber auch eine sehr hohe Reichweitenerwartung einher: Mehr als 530 Kilometer müssen es sein. 2013 waren es noch 370 Kilometer Reichweite, die die Befragten von einem Elektroauto erwartet haben. Die übliche halbe Stunde Ladedauer an Schnellladestationen würden schon heute 58% akzeptieren.

Preiserwartungen werden höher, aber trotzdem unrealistischer

Wie die Reichweitenwünsche wächst auch die Bereitschaft, einen Mehrpreis zu bezahlen, allerdings nicht im gleichen Maße. Die Befragten rechnen mit etwa 3.000 € Aufpreis für ein Elektroauto, 39% würden diesen Mehrpreis akzeptieren. 2013 hätten die Autokäufer nur 1.000 € Aufpreis akzeptiert.

Ein durchschnichttlicher Verbrenner-Neuwagen kostet 30.000 €, also waren die Befragten 2013 bereit, 31.000 € für ein Elektroauto zu bezahlen, 2019 würden sie 33.000 € zahlen, das ist ein Plus von 6%. Gleichzeitig ist die geforderte Reichweite aber um mehr als 40 % gestiegen, das passt nicht zusammen.

Reichweitenanforderung an Elektroatuos. Quelle: Aral AG

Autokäufer haben nicht zwingend Ahnung vom Thema

Die Befragten bewerten den Wasserstoffantrieb unter Umweltaspekten leicht besser als das Elektroauto – das zeigt, dass Autokäufer nicht gut informiert sind bzw. dass die Berichterstattung über das Thema zu gefährlichem Halbwissen führt. Wie umweltfreundlich Wasserstoffautos wirklich sind, haben wir hier näher behandelt.

In der Umweltbetrachtung der Marken spiegelt sich das allerdings nicht wider, da sagt jeder zweite, Tesla sei umweltfreundlich. Auf Platz zwei kommt Toyota, diese Marke hält aber nur jeder vierte für umweltfreundlich.

Aral spricht in der Studie übrigens vom „Wasserstoffmotor“ falls hier nicht tatsächlich ein Verbrennungsmotor mit Wasserstoff gemeint ist, sondern die wesentlich aussichtsreichere Brennstoffzelle, ist die Bezeichnung falsch – auch ein Wasserstoffauto fährt mit einem Elektromotor.

emobly meint: Die Studie zeigt, wie irrational Autokäufer sind. Sie wollen immer mehr Reichweite, aber nicht wirklich mehr dafür bezahlen. Vor allem gibt es eine starke Diskrepanz zwischen denen, die ein Elektroauto kaufen würden und denen, die es tatsächlich tun. Im Juli diesen Jahres lag der Anteil von Elektroautos an allen Neuzulassungen bei 1,8 % – das passt weder zu den 55%, die prinzipiell ein Elektroauto kaufen würden, noch zu den 39%, die dafür einen Mehrpreis akzeptieren würden.

Autokäufer tendieren scheinbar immer mehr dazu, Pseudo-Gründe gegen den Kauf eines E-Fahrzeugs zu suchen – die 2013 geforderten 372 Kilometer Reichweite schaffen (zumindest in den Normzyklen) heute nämlich schon sehr viele Elektroautos und der Mehrpreis relativiert sich unter Betrachtung der Gesamtbetriebskosten teilweise deutlich. Die Studie lässt den Schluss zu, dass die Befragten ihre Reichweitenforderung einfach immer weiter hochschrauben, um zu rechtfertigen, dass sie noch kein Elektroauto fahren. Bei vielen dürfte Gewohnheit bzw. die Angst vor Neuem der eigentliche Grund sein.