ADAC-Studie: Wenn Zahlen eine andere Sprache sprechen

Die ADAC-Studie 2018 zur Öko-Bilanz der Autos wird gerne als Argument gegen Elektromobilität zitiert. “Das Elektroauto ist nicht immer besonders klimafreundlich!” heißt es da. Ein Blick auf die nackten Zahlen spricht allerdings eine ganz andere Sprache.

In der ADAC-Studie findet man bereits am Anfang das Urteil: „Das Elektroauto ist nicht immer besonders klimafreundlich!“. Der Text liest sich kritisch gegenüber Elektromobilität und eher für Dieselmotoren: „…Deshalb hat bei stärker motorisierten Fahrzeugen der Diesel klimatisch klar die Nase vorn“.

Der ADAC hat offenbar einige Arbeit in die Studie investiert. Allerdings sprechen die Zahlen der Studie eine andere Sprache als der Text. Untersucht man die Ausgangsdaten genauer, zeigen sich einige Punkte, die das Elektroauto schlechter aussehen lassen als es ist.

Andere Sichtweise auf die Zahlen

Die Tabellen am Schluss der Studie zeigen, dass Elektrofahrzeuge, die mit Ökostrom geladen werden, bei weitem klimafreundlicher sind als alle anderen Antriebe im Vergleich. Das E-Auto amortisiert sich praktisch immer, im Hinblick auf den CO2 Ausstoß. Aber man sieht auch, dass die Stromerzeugung aus Kohle-Strom die Klimafreundlichkeit natürlich massiv mindert. Selbst dann bleiben Elektroautos, nach den Zahlen der ADAC Studie, in Summe am saubersten.

Was vergleicht der ADAC?

In den drei Fahrzeugklassen Kleinwagen, Kompaktklasse (untere Mittelklasse) und obere Mittelklasse werden jeweils die Fahrzeuge mit dem geringsten Verbrauch pro Antriebsart miteinander verglichen. Also das jeweils beste Auto mit Elektro-, Gas-, Benzin-, Diesel- oder Hybridmotor tritt an. Relevant sind die Testergebnisse des ADAC-Eco Test, dazu später mehr. Es wird der CO2 Ausstoß von der Produktion, Nutzung, bis zum Recycling des Fahrzeugs gerechnet.

Wäre ein Elektroauto das vollständig mit Ökostrom produziert, gefahren und recycelt würde, nicht CO2 neutral? Ökostrom bei der Produktion und beim Recycling werden in der Studie nicht betrachtet. Sofern Ökostrom ein Thema ist, geht es um ladbaren Ökostrom für Elektroantriebe.

Der Beste jeder Fahrzeugklasse

Aus ökologischer Sicht ist es nicht zielführend nur die besten Autos einer Klasse miteinander zu vergleichen. Die Umwelt reagiert nun mal auf den tatsächlichen CO2 Ausstoß. Der Vergleich des Mittelwertes jeder Klasse wäre realistischer gewesen und hätte das Ergebnis nochmal weiter zugunsten E-Auto verschoben. Denn Elektroantriebe haben geringe Komplexität und hohen Wirkungsgrad. Die besten Verbrennungsmotoren haben sehr hohe Komplexität und vergleichsweise schlechten Wirkungsgrad. Es ist also mit viel geringerem Aufwand möglich, einen sehr guten Elektroantrieb zu entwickeln. Z. B. ist der Wirkungsgrad eines durchschnittlichen Modellauto-Elektromotors selbst für die besten Dieselmotoren unerreichbar.

Das bestätigt sich auch, wenn man die CO2-Spanne zwischen den besten und schlechtesten Fahrzeugen beim ADAC Eco-Test vergleicht. Die Spanne ist bei Verbrennern deutlich größer, d.h. es gibt einen höheren Anteil an Autos (aktuelle Modelle) mit schlechteren Werten.

Der Energiemix 2013

Die ADAC Studie rechnet mit dem Deutsche Energiemix aus dem Jahr 2013. Dadurch sehen die E-Auto CO2 Werte beim ADAC Eco-Test grundsätzlich schlechter aus als sie heute, im Jahr 2018, sind. 

Diesel nicht zu Ende getestet

Die beiden Diesel-Gewinner in der Kleinwagen- und Kompaktklasse wurden nicht zu Ende getestet. Beide Diesel, Mazda 2 und Mazda 3, hatten beim ADAC Eco-Test auf dem Prüfstand bereits so schlechte Abgaswerte (z.B. NOx), dass sie, wegen des Regelwerk des ADAC, nicht mehr auf der Straße per RDE (Real Driving Emissions) getestet wurden.

Nun hat der ADAC diese Fahrzeuge, die er nicht zum RDE zugelassen hat, als Speerspitze klimafreundlicher Dieselmotoren herangezogen. Das funktioniert nur weil die Studie außer dem CO2 explizit keine anderen Abgaswerte berücksichtigt. Kohlenstoffmonoxid (CO), Stickstoffoxide (NOx), Kohlenwasserstoffe (CnHm), die Partikelmasse (PM) und die Partikelanzahl (PN) sind außen vor. Diese Gase entstehen typischerweise bei der Verbrennung fossiler Stoffe wie Benzin, Diesel und Kohle. Also weitere Gründe auf fossile Energiequellen zu verzichten.

Elektro-SUV-Sportwagen gegen gemächliche Limousine

In der oberen Mittelklasse vergleicht der ADAC den Tesla Model X 100D mit dem Mercedes E 220d 9G-TRONIC. In dieser Klasse wurde nur ein einziges batterie-elektrisches Fahrzeug getestet; gegenüber 19 Diesel-Fahrzeugen.

Beim Vergleich des CO2 Ausstoßes im deutschen Energiemix 2013, verliert der Tesla den ersten Platz. Nach den ADAC Tabellen übrigens die einzige aller untersuchten Varianten, in der ein Elektrofahrzeug, gerechnet über den Lebenszyklus von 150 000 km, nur auf Platz 2 landet.

In Zahlen:

Tesla X, Elektro-SUV, Leistung 386 kW, Beschleunigung 4,9 s (0…100km/h), 2,5 Tonnen

Mercedes E Klasse, Diesel-Limousine, Leistung 143 kW, Beschleunigung 7,3 s (0…100km/h), 1,8 Tonnen

Mal ehrlich: Wer einen SUV-Sportwagen sucht, der greift nicht zum Mercedes E220d, dessen Beschleunigungswert auf Höhe des BMW i3 rangiert. Realistischer wäre wohl der, dem Tesla X ebenbürtige, Audi SQ7 TDI gewesen. Dort wären Abmessungen und Leistungsdaten auf vergleichbarer Höhe gewesen. Beim CO2 Ausstoß liegt der Audi Diesel allerdings mit 293 g/km (ADAC WTW) bei fast dem doppelten des Mercedes Diesel mit 159 g/km (ADAC WTW). Der Vergleich Elektro vs Diesel wäre dann sicher anders ausgegangen.

emobly Fazit

Aus ökologischer Sicht bestätigt die ADAC Studie das Ziel von Umweltfreunden: Mit Elektrofahrzeugen und dem durchgängigen Ausbau von Ökostrom ist eine massive Reduzierung des CO2 Ausstoßes zu erreichen. Dabei sind kleinere, leichtere Fahrzeuge besonders hilfreich.

Ein wichtiges gesellschaftliches Ziel ist der Verzicht auf fossile Brennstoffe, da sie die Umwelt mit CO2 und weiteren Schadstoffen belasten. Das Elektroauto kann das Potential dieser Umstellung voll ausnutzen. Jedes genutzte Elektroauto profitiert von jedem zusätzlichen Quäntchen geladenem Ökostrom. Die Umwelt belohnt das schon bei der nächsten Fahrt und nicht erst beim nächsten Autokauf. Umweltmaßnahmen von Regierungen, Energieversorgern, bis hin zu privaten Ökostrom-Anlagen wirken sich beim E-Auto sofort aus.

Autos mit Verbrennungsmotoren profitieren vom Ökostrom nur bei Produktion und Recycling. 

Die Nutzung eines Verbrenners führt für die nächsten 10-20 Jahre zu CO2 Ausstoß und weiteren umweltschädlichen Emissionen, bis das Auto zum letzten mal auf der Welt seinen Besitzer gewechselt hat – hoffentlich dem Recyclingunternehmen.

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Christian Niekerke
Seit meinem Elektrotechnik Diplom bin als Software Entwickler tätig. Die Projektarbeiten haben mich in verschiedene Branchen gebracht: Mobilfunk, Energietechnik, Gesundheit, Medien, Mineralöl und Automobilbranche. Die verschiedenen Arten von Energien haben mich schon immer fasziniert, und auch wie man jede Quelle am besten nutzt. Aus diese Neugier entstand für das iPhone ein Simulator zur Verbrauchsabschätzung für unterschiedliche Fahrzeugtypen und Antriebskonzepte. Für technisch interessierte Nutzer eine Möglichkeit, ihren individuellen Batterie-Verbrauch zu simulieren, auch wenn sie real im Verbrenner sitzen.