Das Elektroauto auf dem Mond bekommt bald Besuch

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Astronaut John W. Young gibt Stoff bei der Apollo 16 Mission - Quelle: NASA.gov

Vor 50 Jahren landete der erste Mensch auf dem Mond. Kurze Zeit später brachte er sein Elektro-Auto mit. Drei, um genau zu sein, die dort immer noch stehen.

Das Lunar Roving Vehicle (LVR) gilt als eines der begehrtesten Sammlerstücke unter den Elektroautos. Der Haken: Es wurden nur wenige Fahrzeuge hergestellt – und die befinden sich an ihrem Einsatzort – und das ist, wie der Name erahnen lässt, der Mond.

Die Apollo-Missionen 15 bis 17 zwischen Juli 1971 und Dezember 1972 wurden von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA mit je einem Mondauto ausgestattet, das den Bewegungsradius der Astronauten erheblich vergrößerte. 

Hersteller Boeing entschied sich für ein minimalistisches, futuristisches Design, das perfekt auf die extremen Einsatzbedingungen des Lunar Rovers abgestimmt war. Durch Leichtbauweise (Aluminiumrohre und Nylon) und den weitgehenden Verzicht auf eine Karosserie kommt das Fahrzeug lediglich auf eine Masse von 210 kg, die maximale Zuladung beträgt 490 kg.

Allerdings entfielen 353 kg auf die zwei Astronauten mit ihren Lebenserhaltungssystemen, weitere 100 kg auf Kommunikationsausstattung und wissenschaftliche Geräte. Dennoch konnten mehr als 25 kg Mondgestein mitgenommen werden. Vorder- und Hinterachslenkung ermöglicht einen Wendekreis von 3,1 Metern, das entspricht der Gesamtlänge des Rovers. 

Astronaut John W. Young gibt Stoff bei der Apollo 16 Mission – Quelle: NASA.gov

Zwei Silberoxid-Zink-Batterien liefern die Energie für vier 180-Watt-Elektromotoren, die an den Rädern sitzen und gemeinsam etwa eine Pferdestärke leisten. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 13 km/h, Apollo-17-Kommandant Eugene Cernan soll dennoch 18 km/h erreicht haben. Bei ihren Touren fuhren die Astronauten insgesamt 90,9 km in etwa elf Stunden. Die Besatzung von Apollo 17 fuhr 35,9 km, davon 20,1 km am Stück und traute sich 7,6 km vom Landemodul weg – Mondrekord.

Die zwei verbauten Silberoxid-Zink-Batterien hätten für bis zu 92 km gereicht, da sie nicht wiederaufladbar sind, wird sich an den Tachoständen wohl auch nichts mehr ändern.

Gesteuert wurden die Rover nicht per Lenkrad, sondern mit einem mittig zwischen den Sitzen angebrachten Joystick. Der Computer berechnete mithilfe eines Gyroskops und eines Kilometerzählers die aktuelle Position im Verhältnis zum Landemodul, dem wichtigsten Punkt für die Astronauten.

Apollo 15 Astronaut Jim Irwin und das erste LRV – Quelle: NASA.gov

Auf den Mond gebracht wurden die Fahrzeuge übrigens zusammengefaltet an der Landefähre verstaut. An der Front war unter anderem eine ferngesteuerte Fernsehkamera montiert. Damit wurde der Start von Apollo 17 auf dem Mond aufgenommen, wofür der Mission-Control-Operator Ed Fendell später mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet wurde.

Die Kosten beliefen sich letztlich auf 38 Millionen Dollar. Insgesamt wurden vier Rover gebaut, von denen einer als Ersatzteillager endete und zahlreiche weitere Modelle zu Test- und Trainingszwecken. Obwohl es während der Einsätze zu kleineren Problemen kam, war man mit den Fahrzeugen zufrieden und die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Apollo-Missionen wären ohne sie nicht möglich gewesen.

Chinas Erkundungsrover Yutu-2 aufgenommen von einem US-Satellit – Quelle: NASA.gov

2020 sollen die Mondautos endlich wieder Besuch bekommen. So plant laut Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) das deutsche Team PTScientists zwei 30 Kilogramm leichte, solar- und allradgetriebene “Audi Lunar Quattro”-Rover auf den Mond zu bringen, die den Landeplatz von Apollo 17 erkunden sollen. Die USA wollen 2024 wieder Menschen zum Mond schicken. Auch China und Russland planen bis 2030 mehrere, zum Teil bemannte Mond-Missionen.

Dieser Text entstand im Zuge einer Kooperation mit dem Fachbereich Technikjournalismus an der Hochschule Bonn/Rhein-Sieg.