Das sind die Elektroauto-Reichweiten-Champions

Taugt ein Elektroauto auch für die Langstrecke? Ja, wenn die Reichweite stimmt. Doch neue Messverfahren lassen Herstellerangaben schnell zusammenschrumpfen. Ein Vergleich ist schwierig und selbst mit Wohlwollen und Mathematik schafft kaum ein bestellbarer BEV real 400 Kilometer.

Auch wenn eine Durchschnittsfahrt nur 50 Kilometer weit geht: Wenn es einen Benziner ersetzen soll, muss ein Elektroauto auch eine Langstrecke überstehen. 400 Kilometer mit einer Akkuladung ist hierbei unser Wunschwert. 

Das zu schaffen, behaupten gleich einige Hersteller. Doch nach dem neuen Prüfverfahren WLTP schrumpfen einige Herstellerangaben schnell zusammen. Tesla-Stromer haben jeweils in ihrer Premium-Ausstattung die beste Chance, die 400 Kilometer vollzumachen. Ansonsten ragen nur noch der Jaguar iPace sowie der Hyundai Kona an diese Werte heran. In realen Tests werden aber auch diese Idealwerte selten erreicht. 

NEFZ ist veraltet, WLTP und EPA sind ungenau

Seit September 2018 verlangt die EU, die Reichweite nach dem WLTP-Verfahren zu messen. Und das ist nicht unumstritten. Denn so “weltweit”, wie der Name “Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure” suggeriert, ist das Testverfahren nicht. Die USA, Japan und Südkorea spielen hier nicht mit. Teslas Reichweite etwa wird nach dem in den USA seit 2012 gültigen EPA-Verfahren gemessen, das WLTP ähnelt. Beide Prüfverfahren gelten zumindest als deutlich verlässlicher als das veraltete NEFZ. Weil dies allerdings jahrelang Standard war und WLTP erst für Neufahrzeuge Pflicht ist, weisen viele Hersteller die Reichweite noch in NEFZ aus.

Die Werte lassen sich nicht miteinander vergleichen. Eine Umfrage der “Stuttgarter Zeitung” unter E-Mobilherstellern ergab unter WLTP eine um 20 Prozent geringere Reichweite als unter NEFZ. Aber auch NEFZ hat Schwächen. So gelten die Werte hier unter Laborbedingungen bei einer Temperatur von 23 Grad. Gerade bei niedrigeren Temperaturen schrumpft die Reichweite aber massiv dahin. Dekra kam in Tests mit dem Citroen C-Zero etwa zu dem Ergebnis, dass sich die Reichweite bei einer Außentemperatur von -5 Grad Celsius im Vergleich zu 22 Grad halbierte.

Alltagsreichweite: Auch unser Maßstab

Hersteller BMW geht deswegen so weit und gibt für den i3 (94 Ah) zusätzlich eine Alltagsreichweite an. Lag die Reichweite unter NEFZ-Verfahren bei 290 bis 300 Kilometern, kamen nach WLTP nur noch 235 bis 255 Kilometer zustande. Die Alltagsreichweite wiederum beziffert BMW sogar nur mit 200 Kilometern, also ein ganzes Drittel weniger als die bislang unter NEFZ angegebene Reichweite.

BMW ist damit erfreulich ehrlich. Denn in der Praxis reduzieren Beladung, Wind, Nutzung von Heizung oder Klimaanlage, häufiges Beschleunigen und vor allem die Außentemperatur natürlich die Reichweite massiv. 

Wir haben uns in unserer Tabelle folglich auf die Alltagsreichweite beschränkt, die wir bei durchschnittlicher Außentemperatur und Tempo ermittlelt haben. Mit dem Ergebnis, dass Reichweiten von 400 Kilometern oder mehr mit einem aktuell in Deutschland erhältlichen Elektroauto – mit Ausnahme von Tesla – noch vielfach eine Wunschvorstellung sind.

Grundsätzlich gilt: Wenn Euch eine Reichweitenangabe begegnet, achtet genau darauf, nach welchem Verfahren ein Hersteller seine Reichweite angibt. Und rechnet damit, dass sich diese in der Praxis deutlich verringert – vor allem im Winter.