Die letzte Ölung

Samstag. Der Overall sitzt, der Maulschlüssel liegt fest in der Hand. Es wird geschraubt, poliert, Kühlwasser aufgefüllt. Ein Traumtag für viele autoliebende Männer. Doch wenn es um Elektroautos geht, fragt man(n) sich zunehmend: Wo darf ich eigentlich selbst noch ran?

Für alle Hobbymechaniker, die auf Elektromobilität setzen wollen, brechen wohl schwere Zeiten an: Im Vergleich zum Verbrennungsmotor fällt der Wartungsaufwand nämlich deutlich geringer aus. Allein die Batterie hält aktuell mindestens zehn Jahre. Es gibt keine regelmäßigem Öl- und Filterwechsel mehr, keine Arbeiten am Kühlsystem, kein Austausch der Zündkerzen.

Viele weitere Komponenten wie Katalysator, Kupplung, Auspuff und Tankanlage, die bislang für Glücksgefühle nach erfolgreicher Fehlerbehebung in der Garageneinfahrt sorgten, gibt es beim Elektroauto schlichtweg nicht. Das erste Fazit ist daher traurig, aber wahr: Mit den Hauptkomponenten rund um den Elektromotor, die Leistungselektronik und die Batterie, gibt es einfach nicht mehr so viele Einzelteile, an denen rumgewerkelt werden kann. 

Hier wird noch Manpower gebraucht

Doch es gibt die ein oder andere “Baustelle”, bei der sich Hobbyschrauber beweisen dürfen. Da wären zum einen die Kühl-, Brems- und Scheibenwaschflüssigkeit, die ausgetauscht werden müssen. Darüber hinaus freut sich der Scheibenwischer ein bis zwei Mal im Jahr über neue Wischerblätter.

Die Bremsbeläge, die aufgrund der Rekuperation bei Elektroautos deutlich langsamer verschleißen, müssen ebenfalls gewartet werden. Hinzu sollten das Lager und die Naben, Leuchten und Scheinwerfer, die Lenkung, und der Ladestand der Batterie kontrolliert werden. Die Reifen wechseln sich (zum Glück?) nicht von alleine und Schönheitsreparaturen wie Ausbesserungen am Lack, Unterbodenwäsche und das Polieren können weiterhin für einen schönen, dreckigen Samstag sorgen.

Was tun bei Schäden und Pannen?

Trotz weniger Bauteile kann es natürlich auch beim Elektroauto zu einer Panne oder einem Schaden kommen. Das Wichtigste vorab: Finger weg vom Motor und der Fahrbatterie! Nur Fachleute, die sich mit der Hochvolttechnik auskennen, sollten Reparaturarbeiten leisten. Denn mit mehr als 400 Volt will keiner freiwillig in Berührung kommen. Bei einer gewöhnlichen Reifenpanne sieht das schon entspannter aus – da darf man(n) tatsächlich selbst noch ran.

Sollte die Batterie jedoch einmal nicht genug Strom liefern, übernehmen Pannendienste den Transport zur nächsten Ladestation. Mobile Ladegeräte sind aktuell kaum im Einsatz. Uns sind nur vier umgebaute Hyundai Ioniq-Modelle bekannt, die Strom per CCS aus der eigenen Fahrbatterie an andere Fahrzeuge mit CCS-Anschluss abgeben können. Diese sind beim ADAC und bei einem süddeutschen Hyundai-Händler stationiert.

Professionelle Hilfe in Aussicht

Wer eine Werkstatt seines Vertrauens sucht, kann diese auf verschiedenen Wegen finden. Viele Hersteller bieten auf ihren Webseiten eine Übersicht und die Kontaktdaten ihrer Vertragswerkstätten. Aber auch Versicherungen vermitteln geeignete Werkstätten direkt an ihre Kunden.

Auf Auto-Anleitung gibt es sogar ein noch recht überschaubares Firmenverzeichnis, das nur darauf wartet, gefüllt zu werden. Das wäre vielleicht eine schöne Aufgabe für alle Werkstatt-Besitzer: An einem Samstag statt ölverschmutzt unter einem Auto, lieber auf der Terrasse zu sitzen, einen Kaffee zu trinken und sich “in diesem Internet” zu verewigen.