Wofür brauche ich eine Wallbox?

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Die heimische Wallbox - Quelle: BMW

„Ich würde mir ja sofort ein Elektroauto kaufen, aber wo soll ich das denn aufladen?“ – Ganz einfach: Zuhause. Wir erklären Euch, welche Optionen es zum Laden von Elektroautos zuhause gibt, was deren Vor- und Nachteile sind und ob Ihr wirklich eine Wallbox braucht.

Bevor die Aufschreie kommen: Ja, natürlich hat nicht jede/r Elektrofahrer/in einen eigenen Stellplatz für das Auto. Wer davon betroffen ist, kann hier überprüfen, ob in der Nähe der Wohnung eine öffentliche Ladestation zu finden ist. Die passende Ladekarte gibt’s in unserem Ladekarten-Kompass.

Jetzt aber zum Laden zuhause:

Die einfachste Möglichkeit: Schuko

Die klassische Haushaltssteckdose (auch „Schuko“ = Schutz-Kontakt) kennt Ihr alle und geladen habt Ihr daran sicher alle auch schon, nämlich Euren Laptop oder Euer Smartphone. Das Laden mit einem Elektroauto funktioniert quasi genauso, auch da gibt es ein Ladekabel, über das ihr das Elektroauto mit der Steckdose verbinden könnt.

Allerdings dauert das Laden damit sehr lange – bei einem 90 kWh Akku (übliche Größe bei den hochpreisigen Elektroautos) vergehen bei 2,3 kW Ladeleistung satte 39 Stunden, bis ein ganz entleerter Akku wieder voll ist. Wer wenig fährt oder ein Auto mit kleinem Akku hat, kann aber sehr gut mit einer Schuko-Dose auskommen.

Wenn’s schneller gehen muss: Drehstrom

Mit Drehstrom laden (die meisten) Elektroautos deutlich schneller als an der Haushaltssteckdose. Den gibt es in sehr vielen Häusern, Problem ist hier meistens, dass die die Garage oder der Parkplatz aus Kostengründen nicht mit entsprechenden Leitungen versorgt sind.

Wer jedoch eine Drehstromsteckdose in der Nähe des Autos hat, ist bestens versorgt – damit bekommt Ihr quasi alle Elektroautos über Nacht vollständig geladen (die mit kleinen Akkus natürlich deutlich schneller).

In den Anfangsjahren der Elektromobilität waren Drehstromsteckdosen die Brot- und Butter-Lösung, um unterwegs zu laden, Drehstrom bekam man durch freundliches Nachfragen quasi überall.

Tesla Model X lädt in den Bergen
Drehstrom-Steckdosen gibt es selbst in den entlegendsten Gegenden. Bild: Robin Engelhardt

Auch heute sind sie noch eine gute Ladeoption – im Gegensatz zur Schuko-Steckdose ist sie auf hohe Dauerlast ausgelegt und deshalb deutlich besser für das Laden eines Auto-Akkus geeignet.

Für Sicherheit und Komfort: Wallboxen

Der Strom, der aus einer Wallbox kommt, ist genau derselbe wie aus normalen Steckdosen – meistens 400 Volt Drehstrom mit 16 oder 32 Ampere. Für was braucht es dann überhaupt eine Wallbox?

Komfort

Erstens ist eine Wallbox komfortabler, weil sie (wie der Name schon sagt) an der Wand befestigt ist und nicht ein loses Adapterkabel in der Garage im Weg liegt und dreckig wird. Die besseren Modelle haben sogar ein fest angeschlagenes Kabel – das ist die komfortabelste Lösung, da könnt Ihr euer Auto binnen Sekunden anstecken und seid fertig.

Sicherheit

Der zweite und viel wichtigere Punkt ist aber definitiv das Thema Sicherheit: Gerade Schuko-Steckdosen sind nicht dafür gedacht, über lange Zeiträume hohe Ströme auszuhalten. Gerade bei alten Elektro-Installationen kann das zu Problemen führen. Im Regelfall fliegt da nur die Sicherung raus (was ja aber auch schon ärgerlich ist, wenn im gleichen Stromkreis noch andere Geräte angeschlossen sind), im Extremfall kann es passieren, dass dadurch Brände entstehen. Wenn Ihr euer Elektroauto dauerhaft an einer Schuko-Steckdose laden wollt, solltet ihr Eure Installation auf jeden Fall vorher von einem Elektriker prüfen lassen (mehr dazu weiter unten).

Eine Wallbox löst diese Probleme:

Sie hat separate Sicherungen – wenn es ein Problem beim Laden des Autos gibt, lösen zuerst die aus und nicht gleich die Sicherung im Haus.

Außerdem verriegelt die Wallbox das Ladekabel, damit es während des Ladevorgangs nicht ausgesteckt werden kann. Bei einem Adapterkabel für Schuko oder Drehstrom kann das Ladekabel einfach ausgesteckt werden – für spielende Kinder kann das schnell gefährlich werden.

Zusätzlich ist auf der Steckdose in der Wallbox erst Strom, wenn das Kabel auf beiden Enden mit Fahrzeug und Box verbunden ist – davor sind die Kontakte stromlos. Auch das ist ein wichtiger Sicherheitsaspekt.

Vernetzung

Dritter Vorteil, (der für die breite Masse an Autofahrern aber eher uninteressant ist), sind die intelligenten Funktionen einer Wallbox, je nach Preisklasse zählt die Wallbox die geladen Kilowattstunden und meldet sie an das Smartphone, bietet Optionen zum zeitgesteuerten Laden und manche lassen sich sogar so mit der Photovoltaik-Anlage verbinden, dass das Elektroauto nur so viel Strom bekommt, wie die Solaranlage gerade liefert.

Was gibt es beim Einbau zu beachten?

Allerwichtigster Punkt ist, dass sämtliche Arbeiten an elektrischer Infrastruktur nur von Fachpersonal durchgeführt werden dürfen. Sollte eigentlich klar sein, kann aber nicht oft genug erwähnt werden. Elektro-Basteleien auf eigene Faust gefährden nicht nur den Hobby-Elektriker, sie erhöhen auch das Risiko von Bränden – auf Schlagzeilen von brennenden E-Autos können wir gerne verzichten.

Im Übrigen hat nicht jeder Elektriker Ahnung von Wallboxen – sucht Euch im Zweifelsfall jemand, der wirklich kompetent ist.

Zweitens: Bei allen Bauarbeiten darauf achten, dass die Infrastruktur zukunftsfest ist. Für einen smart mit kleinem Akku reicht eine Haushaltssteckdose, einen Tesla wollt ihr da aber nicht laden.

Teuer ist nicht das dickere Kabel, sondern wenn eine Wand aufgerissen werden muss. Welches Kabel dann dort verlegt wird, ist relativ egal. Wenn für neue Kabel Wände aufgerissen werden müssen oder gar Erdarbeiten durchgeführt werden, empfiehlt es sich, immer zumindest entsprechend dimensionierte Leerrohre zu legen, dass man bei Bedarf ein dickeres Kabel einfach durchziehen kann, ohne erneut zu Schaufel oder Bohrer greifen zu müssen.

Drittens: Lasst Euch nichts andrehen, was Ihr nicht braucht. Die billigsten Wallboxen gibt es für knapp 400 €, man kann aber auch vierstellige Beträge investieren. Fragt Euch, was für Euch nützlich ist. Ihr habt keine Photovoltaik-Anlage und plant auch keine? Dann muss die Wallbox keine Überschussstromladung unterstützen. Euch interessiert die Technik nicht und zur Erfassung des Stromverbrauchs habt ihr ohnehin schon einen entsprechenden Zähler? Dann könnt ihr bei teuren Connectivity-Funktionen sparen.

Fazit

Wallboxen sorgen für mehr Komfort und Sicherheit beim Laden, kosten dabei aber nicht die Welt (die billigste uns bekannte kostet 400 €). Wer einmal eine hat, will sie nicht mehr missen, aber sie ist keine zwingende Voraussetzung, um ein Elektroauto zuhause zu laden. Es gibt viele Elektrofahrer, die seit Jahren nur mit einer Schuko-Dose und dem sogenannten Notladekabel auskommen, unter anderen Angela Merkels Chefberater für Elektroautos, der Ex-SAP-Chef Henning Kagermann.

Insbesondere in gemieteten (Tief-) Garagen gibt es zwar oft Steckdosen, aber Wallboxen dürfen nicht immer montiert werden. Hier ist ein Notladekabel besser als nichts – das ist immer noch komfortabler, als an einer öffentlichen Säule zu laden.

Die wichtigsten Vor- und Nachteile nochmal in Stichpunkten

Schuko-Steckdose mit Adapterkabel

+ Quasi keine Kosten, wenn bereits eine Steckdose in der Nähe des Auto-Stellplatzes ist

+ viele Hersteller liefern das entsprechende Kabel meist serienmäßig mit

+ Mobil einsetzbar (Adapterkabel wird ausgesteckt und kann dann überall eingesetzt werden)

– sehr lange Ladezeiten, bei Autos mit großen Akkus über mehrere Tage

– Steckdosen nicht immer für Dauerlast ausgelegt, möglicherweise ist eine Überprüfung durch einen Elektriker notwendig

– Kabel kann während des Ladevorgangs jederzeit ausgesteckt werden

Drehstrom-Steckdose mit Adapterkabel

+ Schnellere Ladung als mit Schuko

+ günstiger als die Installation einer Wallbox

+ Kabel werden von manchen Herstellern mitgeliefert

+ Steckdosen für Dauerbelastung ausgelegt

+ Mobil einsetzbar (Adapterkabel wird ausgesteckt und kann dann überall eingesetzt werden)

– unkomfortabel

– unter gewissen Umständen gefährlich (Steckdose dauerhaft unter Strom)

– Kabel kann während des Ladevorgangs jederzeit ausgesteckt werden

Wallbox

+ mehr Komfort (Kabelhalterung dabei, fest angeschlagenes Kabel möglich)

+ Kabel wird während des Ladevorgangs verriegelt

+ Anschluss erst unter Strom, wenn ein Auto verbunden ist

+ Zusatzfeatures (Stromverbrauch zählen, Kopplung mit Photovoltaik, etc.)

– kostet mehr

– unflexibler (kann nicht zum Laden z.B. in der Ferienwohnung mitgenommen werden)

– Installation aufwändiger, als einfach ein Kabel in eine Steckdose zu stecken