Elektromobilität: Was ist eine Wallbox?

0

Zum Volltanken an die Tankstelle? Ganz normal beim Verbrenner. Elektroautos werden geladen, idealerweise zuhause – an der eigenen Wallbox. emobly beantwortet die wichtigsten Fragen zur heimischen Ladestation.

Eins vorweg: Ja, theoretisch könntet Ihr die Akkus Ihres Elektroautos auch an einer haushaltsüblichen Steckdose mit 230 Volt aufladen.

Davor solltet Ihr jedoch unbedingt den Anschluss, die Leitungen und die Belastbarkeit des Stromnetzes von einem Fachmann überprüfen lassen. Denn nicht jede Steckdose ist für die hohe Belastung geeignet. Zusätzlich benötigt Ihr ein Ladekabel mit In-Kabel-Kontrollbox (In-Cable Control Box, kurz: ICCB), das den Ladevorgang steuert und kontrolliert. Dieses ist bei vielen Elektroautos schon im Lieferumfang enthalten.

Aber…

Wirklich alltagstauglich ist diese Lösung nicht. Denn das Aufladen an der Haushaltssteckdose dauert durch die geringe Leistung, die übertragen werden kann, sehr lange.

Außerdem geht mit dieser Methode eine Sicherheitslücke einher, da während des Ladens auch die Steckdose bzw. Leitung über eine große Dauer stark belastet wird. Das Risiko eines Kabelbrandes steigt.

Deshalb wird das ICCB-Kabel auch als Notladekabel bezeichnet. Sowohl Experten als auch Automobilhersteller empfehlen das Aufladen an einer Ladestation oder an einer Wallbox. Letztere ist für den Nutzer wohl die komfortabelste Art des Ladens.

Was ist eine Wallbox?

Bei einer Wallbox handelt es sich um eine kleine Ladestation für zuhause, die – wie der Name schon sagt – an der Wand in der Garage oder unter dem Carport angebracht wird. Sie verbindet Ihr Elektroauto mit dem Stromnetz. Auch (Wand-) Ladestation oder Wall Connector sind gängige Bezeichnungen. Es gibt sie sowohl für den Innen- als auch Außenbereich.

Warum eine Wallbox?

Der wohl größte Vorteil dieser heimischen Ladestation: Fahrten zur (Strom-) Tankstelle könnt Ihr Euch damit im Alltag sparen. Und eine Wallbox stellt eine höhere Ladeleistungen als eine Schukosteckdose bereit. Bedeutet in der Praxis: deutlich kürzere Ladezeiten.

Ein Rechenbeispiel hierzu: Der Renaut Zoe Intens verbraucht laut ADAC-Test im Eco-Modus 20,3 kWh auf 100 Kilometern. Mit der Maximalleistung einer Steckdose von 2,7 kW dauert das Aufladen für diese Laufleistung siebeneinhalb Stunden, mit einer 11-kW-Wallbox rund zwei Stunden und mit 22-kW-Ladeleistung knapp eine Stunde.

Außerdem ist eine Wallbox im Vergleich mit einer Steckdose die sicherere Lösung, da die integrierte Technik auf die hohe Dauer-Ladeleistung ausgelegt ist und zudem effizientes Laden ermöglicht. Ein FI-Schutzschalter bzw. eine Fehlerstrom- Schutzeinrichtung (RCD) verhindern zum Beispiel, dass Ihr einen gefährlichen Stromschlag bekommt, wenn eine Leitung defekt oder ein Kontakt feucht geworden ist.

Doch auch hier muss ein Fachmann die Installation übernehmen. Er überprüft die Voraussetzungen im Haushalt und klärt, ob alle Anschlüsse und Kabel die Dauerbelastung aushalten. Denn auch bei der Anbringung einer Ladestation gibt es einiges zu beachten: etwa die Art des Netzes, wo am Haus die Zuleitung ist und wo der ideale Platz für die Ladestation aus sicherheits- und installationstechnischer Sicht ist.

Unter Umständen müssen sogar im Privathaushalt gesetzliche Rahmenbedingungeneingehalten werden, die in der Ladesäulenverordnung (LSV) festgelegt sind. Übernimmt ein Fachbetrieb die Installation, haftet dieser dann auch für den korrekten Einbau.

Worauf solltet Ihr beim Kauf achten?

Entscheidend für den Kauf einer Ladestation ist vor allem das Elektroauto, das daran aufgeladen werden soll.

Denn ein wichtiger Faktor ist die Ladeleistung des Fahrzeugs. Hier reicht die Spanne von 3,7 kW bis 22 kW. Je nach E-Auto bzw. Batteriekapazität kann die Dauer eines Ladevorgangs dadurch sehr unterschiedlich sein.

Der ADAC gibt dazu folgendes Beispiel:

Dauert das Laden eines leeren 30-kWh-Akkus mit einer Wallbox simpelster Auslegung (230 V, einphasig, 16 A, 3,7 kW) mindestens zehn Stunden, reduziert sich der Ladevorgang bei höherwertigen Wallboxen (400 V, dreiphasig, 16 A, 11 kW) auf rund drei Stunden. Die 11-kW-Option entspricht dem Anschluss an eine 400 Volt- Leitung – wie etwa beim Küchenherd üblich.

Der ADAC empfiehlt eine universelle11-kW-Wallbox mit fest installiertem Kabel, da mit dieser 1-phasig mit 3,7 kW (z. B. Nissan Leaf), 2-phasig mit 7,4 kW (z. B. VW e- Golf) oder auch 3-phasig mit 11 kW (z. B. Renault Zoe) geladen werden kann.

Außerdem wichtig: Es gibt Wallboxen mit und ohne fest angebrachtes Ladekabel. Die Variante mit Kabel ist bequemer, da Sie nicht jedes Mal das im Auto liegende Kabel herausholen müssen. In diesem Fall muss der Stecker jedoch auch zum Fahrzeug passen.

Am verbreitetsten unter den europäischen Autoherstellern ist der Typ-2-EU-Stecker, auch Mennekes-Stecker genannt, mit dem die meisten Ladestationen ausgestattet sind. Dieser Stecker wurde speziell für das Laden von Elektroautos entwickelt. Zusätzlich zum Strom tauscht er auch Informationen mit dem Auto aus.

Insbesondere auf dem asiatischen Markt (zum Beispiel bei KIA oder Nissan) ist auch der Typ-1-Stecker gängig. Hierfür wird ein passendes Anschlusskabel mit einem sogenannten Euro-Stecker angeboten, das auf der einen Seite einen Typ 2-Stecker und auf der anderen Seite einen Typ 1-Stecker hat.

Hilfreich, aber kein Muss

Darüber hinaus gibt es einige optionale Funktionen, über die Ihr Euch im Vorfeld Gedanken machen solltet. Befindet sich Ihre Wallbox zum Beispiel nicht in einer abschließbaren Garage, empfiehlt sich ein Zugangsschutz via RFID. So geht Ihr sicher, dass nur berechtigte Personen die Ladestation nutzen.

Außerdem gibt es Wallboxen, die Ihr mit Eurem Smart Home oder Eurer Solaranlage koppeln könnt. Dann kann die lädt die Wallbox, wenn die Sonne scheint.

Tipp: Wallboxen müssen über besondere Fehlerstrom-Schutzschalter verfügen. Achtet beim Kauf Eurer Wallbox darauf, dass ein solcher FI-Schalter integriert ist. Ansonsten muss dieser separat dazu gekauft werden.

Wie teuer ist eine Wallbox?

Die Kosten für eine Wallbox setzen sich aus verschiedenen Faktoren zusammen: Kosten für die Ladestation, Kosten für weitere notwendige Komponenten, Kosten für die Installation, Kosten für die Abnahme des Ladesystems durch einen Fachmann.

Die Preisspanne von Wallboxen ist deshalb groß – und reicht von etwa 500 bis über 2500 Euro. Die Installationskosten kommen dazu, und belaufen sich auf etwa 800 bis 1000 Euro, je nach Randbedingungen.

Einige Elektroauto-Hersteller bieten sie mittlerweile jedoch auch vergünstigt oder kostenlos bei Autokauf bzw. Leasing. Daneben gibt es zahlreiche Angebote auf dem freien Markt.

Tipp: Außerdem gibt es Förderungen von der Förderbank KfW sowie von verschiedenen Bundesländern, Gemeinden und Stromanbietern. Der ADAC hat eine Liste mit den aktuellen Förderungen von Elektroautos und Wallboxen zusammengestellt.

Vorheriger ArtikelRenault ZOE – Ein Fazit
Nächster Artikel“Get Charge” – Deutsche Telekom baut Ladestrom-Angebot aus
Hannah Fuchs
Abitur auf einem Technikkolleg, Studium des Technikjournalismus und der Innovationskommunikation. Die Faszination für die Themen ist geblieben. Heute arbeite ich als Journalistin mit den Schwerpunkten Wissenschaft, Umwelt und Technik. Das Beste daran? Ich lerne täglich etwas Neues dazu. Wenn ich könnte, würde ich mit einem DeLorean in die Zukunft reisen – ich möchte wissen, wie wir in 100 Jahren leben. Dreht sich mein Alltag nicht gerade um Digitales, ist Klettern mein größtes analoges Hobby.