Mit dem Elektroauto in den Urlaub – so geht’s

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Reif für den Urlaub? Zum Ferienstart fragen sich viele Elektroautofahrer: Kann ich im europäischen Ausland laden? Die Antwort lautet nicht nur “Ja”, sondern sogar “oft leichter als in Deutschland!”. Hier unsere Tipps für Schnellladestationen in den beliebtesten Pkw-Urlaubszielen.

Stand der Informationen: September 2020

Länderübergreifende Anbieter

Die Anbieter FASTNED (Deutschland, Niederlande, Großbritannien), IONITY (Deutschland, Österreich, Schweiz, Belgien, Spanien, Frankreich, Dänemark, Norwegen, Schweden, Slowenien, Ungarn) und ALLEGO (Deutschland, Niederlande, Belgien, Großbritannien) bieten in mehreren Ländern ihren Service an. Der Vorteil für Kunden: In der Regel sind identische Geräte aufgestellt, so dass die Bedienung leicht fällt. Während IONITY ausschließlich auf den europäischen Ladestandard CCS setzt, können bei FASTNED und ALLEGO auch Fahrzeuge mit CHAdeMO-Anschluss geladen werden.

Universal-Ladekarten sollten ins Gepäck

Für internationale Fahrten empfehlen wir die kostenfreien Ladekarten von EnBW (mobility+) und Shell Recharge rechtzeitig vorher zu bestellen bzw. die Apps zu installieren. Diese bieten in vielen Ländern (siehe unten) eine sehr gute Abdeckung. Während die EnBW auf fixe Preise setzt, variieren die Preise bei Shell Recharge teils stark je nach Anbieter der Station. Hier empfiehlt sich der Check in der Shell Recharge-App (iOS/Android) vor Ladestart.

Ladestationen per App leicht auffinden

Zum einfachen Auffinden von Ladestationen in den unten genannten Ländern empfehlen wir die App unseres Kooperationspartners MOOVILITY (iOS/Android), die in vielen Fällen auch Hinweise zu empfehlenswerten Ladetarifen gibt.

Österreich 🇦🇹

In Österreich gibt es nur einen nationalen Anbieter von Schnellladestationen – SMATRICS. Dort können Kunden für 0,45 EUR pro Minute mit bis zu 50 kW Leistung laden. Die Ladung wird per iOS-/Android-App gestartet und gestoppt. Roaming ist zu individuellen Tarifen u.a. mit vielen Ladenetz-Mitgliedern, Shell Recharge und EnBW möglich. Schnellere HPC-Stationen betreibt Smatrics nicht. Des weiteren gibt es zahlreiche lokale Energieversorger in den einzelnen Bundesländern. Diese sind in der Regel mit Shell Recharge, EinfachStromLaden (Maingau), EnBW und anderen an Hubject angeschlossenen Roaming-Anbietern nutzbar. Das Ad-hoc Bezahlen per NFC Kreditkarte an Stationen ist nicht möglich.

emobly Bewertung: In Österreich ist das elektrische Fahren problemlos möglich, die Autobahnen und größeren Städte sind sehr gut mit Schnellladestationen versorgt. Die technische Verfügbarkeit der Stationen ist hoch.

Niederlande 🇳🇱

Die Niederlande sind ein Elektroauto-Paradies: Alleine FASTNED und ALLEGO betreiben jeweils mehr als 100 Stationen, viele als HPC ausgebaut. Eine Kilowattstunde kostet direkt bei den Anbietern 0,59 EUR (Freischaltung via App). Per Roaming gelten andere Tarife. Roaming ist mit zahlreichen Anbietern (z.B. Shell Recharge, Plugsurfing, EinfachStromLaden) möglich, Fastned ist jedoch nicht mit EnBW nutzbar. Die Ad-hoc Bezahlung direkt per Kreditkarte an Stationen ist nicht vorgesehen.

emobly Bewertung: In den Niederlanden herrschen paradiesische Zustände. Das elektrische Fahren fällt so leicht wie früher per Benziner/Diesel. Die technische Verfügbarkeit der Stationen ist sehr hoch.

Schweiz 🇨🇭

Die Netzwerke MOVE, swisscharge und easy4you betrieben in allen Kantonen DC-Schnellader, teilweise als HPC ausgebaut. Die Nutzung des Ad-hoc Zuganges per QR-Code hat seine Tücke: Die Schweiz ist nicht Teil des EU-Roamings, so dass zusätzliche Kosten beim Mobilfunk hinzukommen! Daher besser per RFID-Karte im Roaming nutzen. Shell Recharge, EinfachStromLaden und EnBW funktionieren an den meisten Stationen. Das direkte Bezahlen per NFC Kreditkarte geht nicht.

emobly Bewertung: In der gesamten Schweiz gibt es ausreichend DC-Infrastruktur. Sparfüchse können zu den Öffnungszeiten zudem auf zahlreiche kostenfreie Ladestationen bei Lidl-Supermärkten zurückgreifen.

Italien 🇮🇹

Der große nationale Anbieter Enel Drive betreibt in ganz Italien mehr als 160 Schnellladestationen. An der Ostküste ist die Abdeckung derzeit noch nicht ausreichend, an der Westküste dagegen so gut, dass eine problemlose Fahrt von Nord nach Süd möglich ist. Zur Nutzung ist die App JuicePass (iOS/Android) erforderlich, für die man sich am besten vor Abfahrt bereits anmeldet und Zahlungsdaten hinterlegt. Die kWh kostet 0,50 EUR. Roaming ist nicht möglich. In Südtirol und im Trentino betreibt Alperia Stationen. Hier ist Roaming u.a. per Shell Recharge, Plugsurfing, EnBW und EinfachStromLaden möglich. Entlang der A22 gibt es zudem einige kostenfreie Ladestationen der Brennerautobahn-Gesellschaft. Diese sind in der Hauptsaison stark frequentiert.

emobly Bewertung: Enel hat in kurzer Zeit viele Ladestationen aufgebaut. An der Ostküste gibt es jedoch noch große Lücken, die eine problemlose Fahrt verhindern. Die technische Verfügbarkeit von Alperia ist sehr hoch, die Stationen von Enel sind mitunter störanfällig (insbesondere die App).

Frankreich 🇫🇷

Das nationale Projekt “Corri-Door” bietet theoretisch zahlreiche DC-Schnellladestationen, vor allem entlang von Autobahnen. In der Praxis sind jedoch die meisten davon seit einiger Zeit außer Betrieb. Auf diesen Anbieter sollte man sich also nicht verlassen. Stattdessen kann auf mehrere Standorte von IONITY oder auf SDE22 oder Reveo ausgewichen werden, diese sind mit EnBW und Shell Recharge nutzbar. Stationen des Anbieters KiWhi dagegen sind komplizierter zu nutzen, da sie nicht im Roaming funktionieren. Hier braucht es eine Ladekarte, die eine jährliche Grundgebühr kostet. Darüber hinaus betreibt Lidl einige kostenfreie Stationen in Frankreich, die während der Öffnungszeiten von Kunden genutzt werden können. Zum Auffinden von Ladestationen ist in Frankreich die ChargeMap App (iOS/Android) sehr empfehlenswert.

emobly Bewertung: Frankreich ist leider noch nicht besonders einfach und zuverlässig elektrisch zu befahren. Wir empfehlen auf IONITY und SDE22/Reveo zu setzen. Die Stationen von Corri-Door sind sehr unzuverlässig und in schlechtem technischen Zustand.

Dänemark 🇩🇰

Der Anbieter CLEVER betreibt ein gutes Netz in Dänemark, welches das ganze Land abdeckt. Prepaid-Karten müssen vorab bestellt werden, die Aufladung kann per Kreditkarte erfolgen. Etwa 0,80 EUR/kWh müssen Prepaid-Kunden von CLEVER bezahlen. Die Nutzung im Roaming ist z.B. mit Shell Recharge, Plugsurfing und EinfachStromLaden möglich. Eine deutlich geringere Stationsdichte bietet E.ON DK, jedoch mit ähnlichen Roaming-Möglichkeiten. Die Strompreise in Dänemark sind deutlich höher als in Deutschland.

emobly Bewertung: Dank guter Roaming-Möglichkeiten ist die elektrische Reise nach oder durch Dänemark problemlos möglich. Die Verfügbarkeit der CLEVER-Stationen ist sehr hoch – die Preise leider ebenso.

Schweden 🇸🇪

E.ON und Bee (ehem. Clever Sverige) betreiben ein dichtes Netz in Schweden. Während Bee immerhin ein Roaming mit EinfachStromLaden bietet, findet man bei E.ON nur eine Roaming-Möglichkeit mit ChargeMap. Alternativ muss bei E.ON der Ad-hoc Zugang per QR Code oder NFC Kreditkarte oder per easyPark App genutzt werden. Mit der “Bee Fri” Karte kann bei Bee zudem für umgerechnet 0,47 EUR pro kWh geladen werden. Die Karte kann kostenfrei bei Bee bestellt werden.

emobly Bewertung: Das Ladenetz in Schweden ist sehr gut, die Ladung jedoch aufgrund sehr eingeschränkter Roaming-Möglichkeiten nicht ganz so komfortabel für deutsche Kunden. Wer oft in Schweden laden muss, holt sich am besten die Bee Fri Karte. Nördlich von Sundsvall wird das Netz jedoch deutlich dünner und endet dann irgendwann ganz. Je nach Reiseziel ist eine sorgfältige Planung notwendig.sich am besten die Bee Fri Karte.

Norwegen 🇳🇴

Über Norwegen braucht man nicht viel schreiben, denn hier ist es fast komplizierter einen Verbrenner zu fahren als ein Elektroauto. Drei große Anbieter stellen den Großteil der Infrastruktur: Fortum, Grønn Kontakt und Bilkraft. Alle können über vorher zu bestellende RFID-Chips genutzt werden, alternativ per App-Freischaltung. Die Kosten betragen umgerechnet etwa 0,26-0,45 EUR/Minute. Roaming funktioniert bei Fortum mit der eigenen Tochter Plugsurfing und auch mit Shell Recharge.

emobly Bewertung: Norwegen hat das dichteste und zuverlässigste Ladenetz in Europa. An den Ladestationen herrscht durchgängig ein Kommen und Gehen. Manchmal entstehen Wartezeiten aufgrund des großen Andrangs. Wir empfehlen vorab die RFID-Chips von Gronn Kontakt und Fortum zu besorgen, da diese bequemer als die App-Ladung funktionieren. Achtung: Der Ladestart per SMS funktioniert nur mit norwegischen SIM-Karten!

Kroatien 🇭🇷

Das Schnellladenetz in Kroatien befindet sich noch im Aufbau, es gibt noch viele größere Lücken in der Versorgung. Die Küste ist von Rijeka bis Sibenik rudimentär versorgt. Die Anbieter elen und puni (Hrvatska Telekom) betreiben DC-Stationen. Während elen derzeit kostenfrei und ohne Registrierung genutzt werden kann, benötigen Reisende für puni eine Ladekarte von Plugsurfing (das Roaming funktionierte hin und wieder in der Vergangenheit nicht immer). Alternativ kann eine kostenfreie Ladekarte bei der “Telekom Hrvatska” bestellt werden, dann sind auch Ladevorgänge aktuell kostenfrei. Kaufland betreibt ein paar kostenfreie Ladestationen, die während der Ladenöffnungszeiten von Kunden genutzt werden können.

emobly Bewertung: Das DC-Ladenetz in Kroatien ist noch sehr löchrig. Eine genaue Planung ist unbedingt notwendig. Wir empfehlen die Ladekarte der kroatischen Telekom vorab kostenfrei zu bestellen.

Slowenien 🇸🇮

Der Anbieter PETROL deckt ganz Slowenien sehr gut ab. Die Ladung kann mit einer RFID-Karte oder der App OneCharge (iOS/Android) erfolgen und kostet 0,20 EUR/Minute. Alternativ ist Roaming mit Shell Recharge möglich.

emobly Bewertung: Slowenien elektrisch zu besuchen ist kein Problem Dank sehr guten Ausbaus der Infrastruktur.