Elektroauto vs. Verbrenner: Wer kostet mehr?

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Auf den ersten Blick sind E-Autos kostspielig. Doch ausschließlich anhand des Anschaffungspreises lassen sich Elektro und Verbrenner nicht vergleichen – auch Fix- und Betriebskosten müssen in der Rechnung berücksichtigt werden.

Der Kaufpreis

Wer über den Kauf eines Neuwagens nachdenkt, wägt meist anhand des Preises ab, welches Auto infrage kommt und welches nicht. Dieser Vergleich bedeutet allerdings auch oft das direkte Aus fürs Elektroauto, da Stromer in der Regel teurer sind als vergleichbare Benzin- oder Diesel-Modelle.

So kostet der vollelektrische Renault Zoë (41 kWh, 68 kW) 27.000 Euro und sein Benziner-Bruder, der Renault Clio TCe 90 (66 kW), 15.590 Euro. Der VW e-Golf (100 kW) ist für 36.835 Euro* zu haben und das Diesel-Modell VW Golf 1.6 TDI (85 kW) für 29.145 Euro. Selbst die Umweltprämie ändert an der Differenz nicht viel:
Elektroautos bleiben bis zu 10.000 Euro teurer.

ELEKTRO VS BENZINER: VERBRENNER

Genau hingucken!

Doch neben den Anschaffungskosten spielt auch der Unterhalt eine erhebliche Rolle. Denn für einen fairen Vergleich müssen auch Kfz-Steuer, -Versicherung, Kraftstoff- bzw. Sprit- und Wartungskosten sowie der Wertverlust mit einbezogen werden.

Kraftfahrzeugsteuer

Bei Benzin- und Dieselfahrzeugen berechnet sich die Kfz-Steuer auf Grundlage des Kohlendioxidausstoßes. Da dieser bei Elektrowagen nicht gegeben ist, werden E- Autos nach ihrem Gewicht besteuert – jedoch erst ab 2021.

Denn Elektrofahrzeuge mit Erstzulassung zwischen dem 18. Mai 2011 und 31. Dezember 2020 sind nach Kraftfahrzeugsteuergesetz (KraftStG) zehn Jahre von der Kraftfahrzeugsteuer befreit. 

E-Fahrzeuge, die ab 2021 zugelassen werden, erhalten eine Steuervergünstigung, die die Elektromobilität weiter fördern soll. Die zu zahlende Kraftfahrzeugsteuer ermäßigt sich demnach um 50 Prozent.

ELEKTRO VS BENZINER: ELEKTRO

Kfz-Versicherung

Der Elektroantrieb spielt bei der Kfz-Versicherung kaum eine Rolle. Die Kosten richten sich sowohl nach den Typklassen als auch den Regionalklassen, die jährlich vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) herausgegeben werden. Dazu kommen weitere Faktoren wie der Schadenfreiheitsrabatt (SFR), die jährliche Laufleistung oder der Fahrerkreis.

Eine Tarifberechnung von CHECK24 hat ergeben, dass Autofahrer für ihr Elektroauto bis zu 22 Prozent weniger Kfz-Versicherungsbeitrag zahlen als für einen vergleichbaren Pkw mit Verbrennungsmotor. 

Quelle: obs/CHECK24 GmbH/CHECK24.de

“Kfz-Versicherungen für Elektroautos sind nicht grundsätzlich günstiger oder teurer als für vergleichbare Verbrenner”, so Tobias Stuber, Geschäftsführer Kfz- Versicherungen bei CHECK24. “Für die Abweichungen beim Kfz- Versicherungsbeitrag ist die Typklasse der betrachteten Modelle ausschlaggebend, die unter anderem die Schadenhäufigkeit berücksichtigt. Der Vergleich verschiedener Kfz-Versicherungstarife lohnt sich in jedem Fall.”

Tipp: Beachten Sie bei der Wahl Ihrer Kfz-Versicherung den Akku – das Herzstück Ihres Elektroautos. Sowohl Schäden am Stromspeicher als auch durch den Stromspeicher sollten mitversichert werden. Nicht alle Kasko-Versicherungen gewährleisten dies.

ELEKTRO VS VERBRENNER: UNENTSCHIEDEN

Kraftstoff: Strom-, Benzin- und Dieselkosten

Der Vergleich der Beispiel-Fahrzeuge vom Beginn in puncto Verbrauch und Kosten auf 100 bzw. 15000 Kilometer zeigt, dass allein auf Basis dieser Rechnung ein Elektroauto deutlich günstiger ist als ein Verbrenner.

Die Daten zum Verbrauch stammen von Spritmonitor.de. Als durchschnittliche Benzinpreise (1,456 Euro pro Liter) und Dieselpreise (1,289 Euro pro Liter) wurden die Werte aus dem Jahr 2018 herangezogen. Für eine Kilowattstunde Strom wurden 30 Cent berechnet.

FahrzeugKosten pro 100 kmKosten pro 15.000 km
Renault Zoe (16,57 kWh/100 km)4,97 Euro745,65 Euro
Renault Clio TCe 90 (6,03 Liter/100 km)8,78 Euro1316,95 Euro
VW e-Golf (13,58 kWh/100 km)4,07 Euro611,10 Euro
VW Golf 1.6 TDI (5,43 Liter/100 km)7,00 Euro1049,89 Euro

Tabelle 1: eigene Rechnung

Doch ein alleiniger Vergleich der Kraftstoffpreise reicht nicht aus, denn beim Elektroauto muss auch die Ladeinfrastruktur mitbedacht werden. Wer elektrisch fährt, spart sich dank heimischer Wallbox bestenfalls die Fahrten zur (Strom-) Tankstelle – doch die muss erst einmal installiert werden. Die Preisspanne von Wallboxen ist groß und reicht von etwa 500 bis über 2500 Euro. 

Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit, dass kostenlose Ladestationen zur Verfügung stehen – zum Beispiel beim Arbeitgeber. Zudem schwanken die Preise für Strom, Benzin und Diesel.

Ein präziser Vergleich ist somit nur schwer möglich. Doch allein aufs Jahr und 15.000 Kilometer bezogen, fallen durch das Fahren mit Benziner oder Diesel fast die doppelten Kosten für Kraftstoff an.

ELEKTRO VS VERBRENNER: ELEKTRO

Werkstatt und Wartung

Laut Institut für Automobilwirtschaft (IFA) liegen die Wartungs- und Reparaturkosten für Elektrofahrzeuge rund 35 Prozent unter denen eines vergleichbaren Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor.

Der Hauptgrund: Beim E-Auto entfallen zum Beispiel Öl- und Zahnriemenwechsel komplett, die Erneuerung der Bremsflüssigkeit oder der Wechsel von Bremsen ist seltener nötig, Kupplung oder Auspuff sind erst gar nicht vorhanden. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor haben deutlich mehr Verschleißteile wie solche mit Elektromotor.

ELEKTRO VS VERBRENNER: ELEKTRO

Wertverlust

„Der größte Posten der monatlichen Autokosten ist der Wertverlust, den Ihr neues Auto schon vom ersten Tag an erleidet”, heißt es im ADAC Autokosten-Bericht

Auto Bild und Schwacke haben zuletzt in 13 Fahrzeugkategorien unter allen in Deutschland aktuell erhältlichen Pkw den “Wertmeister 2018” ermittelt. Das Ergebnis:

Während der Porsche 911 GT3 daraus als wertstabilstes Fahrzeug hervorging, haben auch die Elektroautos überzeugt: mit einem durchschnittlichen geringeren Wertverlust als Verbrenner-Pkw.

Bei dem Test wiesen die drei bei der Auswertung bestplatzierten Elektroauto-Modelle nach vier Jahren jeweils noch fast 60 Prozent Restwert auf – „erheblich über dem Marktdurchschnitt konventioneller Verbrenner-Pkw,“ heißt es im Fazit. “Noch immerherrscht speziell bei Privatkunden Unsicherheit in Bezug auf die Wertbeständigkeit von Elektroautos. Hier liefert der ‚Wertmeister‘-Titel wichtige Argumente”, soSchwacke-Chef Thorsten Barg.

ELEKTRO VS VERBRENNER: ELEKTRO

Wer gewinnt?

Der ADAC hat in einer Vollkosten-Analyse acht ausgewählte Elektroautos mit vergleichbarer Motorleistung und ähnlicher Ausstattung untersucht und deren Kaufpreis, Betriebs- und Wartungsaufwände sowie Wertverlust einberechnet. Die Gesamtbilanz wurde auf die Kosten pro Kilometer umgelegt.

Im Vergleich zu Benzin- und Diesel-Autos schnitten die vier Elektro-Modelle BMW i3sHyundai Ioniq ElektroSmart fortwo coupé EQ prime und Tesla Model X günstiger ab. Der elektrische VW Golf kommt jedoch dabei nicht an das entsprechende Dieselmodell ran. Der e-Golf kostet in der Gesamtrechnung 48,6 Cent pro Kilometer, der Diesel 47 Cent. Nur den 1.5 TSI Benziner (49 Cent) kann die Elekroversion hinter sich lassen.

Grundlage der ADAC-Berechnungen ist eine Haltedauer von fünf Jahren bei einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern.

Doch nehme man alle Kosten eines Autos zusammen, „schneiden Elektroautos immer häufiger überraschend gut ab“, lautet das ADAC-Fazit. Und „je mehr ein Elektroauto fährt, desto eher rechnet es sich“, heißt es darin weiter. Besonders machen sich die vergleichsweise geringen Wartungs- und Betriebskosten von Elektroautos in der Gesamtbilanz bemerkbar.

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Anschaffungskosten
💨
Kfz-Steuer🍃
Kfz-Versicherung🍃💨
Kraftstoff🍃
Werkstatt & Wartung🍃
Wertverlust🍃
GESAMT52

Tabelle 2: emobly-Endstand

*Der e-Golf schlägt nicht nur wegen seines E-Antriebs und der Batterie mit rund 36.000 € zu Buche, sondern auch wegen seiner guten Ausstattung. Klimaanlage und Navigationssystem sind in der Basisversion schon enthalten.