Langstrecke mit dem Elektroauto? – Kein Problem!

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Elektroautos haben nicht nur einen anderen Antrieb als Verbrenner. Sie sind auch ein neues Mobilitätskonzept. Wenn man das einmal verstanden hat, sind plötzlich auch Langstrecken gar kein Problem mehr.

Jedes Auto hat ein beschränkte Reichweite. Wenn die mitgeführte Energie zur Neige geht, wird eine Pause fällig. Das betrifft Elektroautos genauso wie Verbrenner. Wer weiter fahren will, muss irgendwie in geeigneter Form die Energie wieder auffüllen und dann kann es weiter gehen.

In den seltensten Fällen fährt man einfach so drauf los. Meistens hat man ein Ziel. Also geht es darum, möglichst zügig und angenehm dieses Ziel zu erreichen. Beim Verbrenner macht man sich um die Planung meist keine großen Gedanken. Man fährt drauf los und stoppt, wenn irgend jemand mal eine Pause braucht oder der Tank leer ist.

Wer einen Tesla hat, kann im Grunde genauso agieren: Ziel in das Navi eintippen und dann einfach nur den Anweisungen folgen. Mit einer Reichweite von deutlich über 400 Kilometern und seinem eigenen Netzwerk an Superchargern hat man keinerlei Sorge, irgendwo liegen zu bleiben.

Anders ist das bei den meisten anderen Elektroautos der ersten Generation. Hier muss man sich ein kleines bisschen Gedanken um die Streckenplanung machen. Mit zunehmender Dichte der Ladesäulen und größerer Reichweite der Elektroautos wird aber auch das immer weniger relevant.

Der CCS-Stecker hat sich in Europa als Standard durchgesetzt

Was ist die richtige Ladesäule?

Dafür gibt es eigentlich nur drei Kriterien:

Welchen Steckertyp hat eine Ladesäule? Wie kann ich sie freischalten? Wie teuer ist der Strom?

Elektroautos, die für eine Langstreckenfahrt taugen, haben entweder einen Anschluss für einen CCS- oder für einen CHAdeMO-Stecker. Wer ein Auto besitzt, das nur über einen einfachen Typ2-Anschluss verfügt, wird auf Langstreckenfahrten wenig Freude haben, da hier das Laden unverhältnismäßig lange dauert.

CHAdeMO verbaut in Europa nur noch Nissan im Leaf. Alle anderen Hersteller haben sich auf CCS als Standard geeinigt. Wer sich also ein neues Elektroauto kauft, das Schnellladen kann, hat ziemlich sicher einen CCS-Anschluss.

Wie finde ich eine passende Ladesäule?

Vorweg die schlechte Nachricht: Die eingetragenen Ladesäulen in den meisten Navis sind veraltet. Die gute Nachricht. Es gibt tolle Webseiten und Apps, die das sehr gut kompensieren können.

Um schnell eine geeignete Ladesäule zu finden, ist es am einfachsten, unsere emobly-Ladekarte zu konsultieren. Hier findet man nahezu alle Ladepunkte in Deutschland, Österreich und Schweiz in Echtzeit. Man sieht, welche Ladesäulen frei, welche belegt und welche defekt sind.

Mit der emobly-Ladekarten-Map bekommt Ihr einen guten Überblick über freie Ladestationen in Echtzeit!

Für längere Strecken benutzt man am besten einen Routenplaner. Davon gibt es mittlerweile eine ganze Menge und die sind auch recht gut dazu geeignet, um mal zu testen, ob und wie man seine Fahrten in einem Elektroauto planen könnte.

Die besten Ergebnisse liefert Abetterrouteplanner. Die Bedienung ist etwas gewöhnungsbedürftig und es werden auch noch nicht alle Fahrzeuge richtig unterstützt. Dafür sind die Ergebnisse ziemlich gut und können ohne viel Nacharbeit einfach so benutzt werden. Wer möchte, kann sich die Route direkt auf sein Smartphone schicken und dann mit Google Maps, Waze oder Apple Maps der Strecke folgen.

Wer es etwas einfacher haben möchte, nutzt den Routenplaner der Kollegen von Goingelectric und bekommt mit wenig Aufwand einen Vorschlag, wie das Ziel zu erreichen ist. Die Ergebnisse sind zwar nicht so gut wie bei Abetterrouteplanner – dafür ist die Bedienung denkbar einfach:

  1. Startpunkt auswählen.
  2. Zielpunkt auswählen.
  3. Auto auswählen.
  4. Auf den blauen “Autoroute”-Knopf drücken.
  5. Fertig!

Und was ist, wenn ich unterwegs umplanen muss?

Hier liefern chargEV (iOS) und Wattfinder (Android) hervorragende Schützenhilfe. Der Vorteil: Beide Apps nutzen die Erfahrungen der Nutzer, um den Zustand einer Ladesäule darzustellen. Hat also der letzte Nutzer die Ladesäule als “defekt” markiert, so sieht man das in der App.

Defekte Ladesäulen?

Unschön, kommt aber öfter vor, als man denkt. Trotzdem gibt es auch darauf Antworten.

Die erste Option: Plan B haben

Es ist ohnehin grundsätzlich sinnvoll, die Batterie nicht bis auf das letzte Elektron leer zu fahren, sondern mit einem gewissen Puffer zu arbeiten. Der Puffer sollte so groß sein, dass man eine alternative Ladesäule erreichen kann, wenn das eigentliche Ziel nicht zur Verfügung steht. Verbrennerfahrer kennen das aus dem Sommerurlaub. Dort ist es auf den belebten Strecken auch eine gute Idee, wenn man nicht auf eine spezielle Tankstelle angewiesen ist, sondern ausweichen kann.

Die zweite Option: Ladeparks statt Ladesäulen ansteuern.

Wer kann, sollte einzelne Ladesäulen meiden und stattdessen Standorte ansteuern, die mehr als eine Ladepunkte bieten. Vor allem Ionity und Fastned bieten solche Optionen an. Andere Betreiber ziehen langsam nach. Das hat den Vorteil, dass eine defekte oder belegte Ladesäule kein Problem ist, weil ja eine oder mehrere weitere gleich daneben stehen.

Fastned Ladestation
© Fastned / Schnellladestation in den Niederlanden

Aber Laden dauert doch so lange! Da komme ich doch nie an!

Regelmäßig eine Pause einzulegen, sorgt nicht nur für eine sicherere Fahrt, sondern hilft auch, am Ziel nicht völlig fertig umzufallen und den vermeintlichen Vorsprung „Ich fahre mit meinem Diesel 1000 km am Stück!” durch heftige Erschöpfung und gefährliche Übermüdung zu bezahlen.

Also: Auto anstecken, kurz mal austreten, sich frisch machen, einen Kaffee trinken und mit den Mitfahrern oder neugierigen Passanten ein kurzes Schwätzchen halten – der Akku ist oft schneller wieder voll, als man glaubt.

Dazu auch gleich ein Pro-Tipp: Die Batterie nie bis 100% voll laden!

Wer das tut, steht tatsächlich eine gefühlte Ewigkeit an der Ladesäule. Die Ladung einer Batterie funktioniert so ähnlich wie ein Konzertsaal ohne Reservierung: Am Anfang strömen die Leute ziemlich fix rein und finden ohne Probleme einen Platz. Irgendwann wird der Saal voller und die Leute brauchen länger und länger. Die letzten Leute irren sehr lange durch den Raum. Bei den meisten Elektroautos liegt die magische Grenze irgendwo bei 80%.

Was gibt es sonst noch zu wissen?

Für eine Langstreckenfahrt ist auch das Wetter relevant. Wer im tiefsten Winter unterwegs ist, sollte sich den Artikel “Frust- und frostfrei durch den Winter” anschauen.

Aber auch im restlichen Jahr gibt es Regen und Wind, was die Reichweite beeinflussen könnte. Bei starkem Gegenwind oder heftigem Regen also lieber etwas konservativer planen.

Wer sich auf die Urlaubsfahrt in die Alpen begibt, wird ebenfalls sehr schnell feststellen, dass die Fahrt bergauf kräftig an den Energievorräten nagt, während die Batterie auf dem Weg nach Hause überhaupt nicht leerer zu werden scheint. Wer mit Abetterrouteplanner seine Tour geplant hat, ist hier fein raus: Das Tool rechnet Berge gleich mit ein.

Welche Fahrzeuge eignen sich eigentlich für Langstreckenfahrten?

Neben den Tesla-Modellen, die weiterhin das Maß aller Dinge darstellen, gibt es eine Reihe weiterer Fahrzeuge, teilweise auch erheblich günstiger, die für Langstreckenfahrten geeignet sind.

Grundsätzlich gilt dabei: Eine große Batterie ist durch nichts zu ersetzen – außer durch eine noch größere Batterie. Bei Fahrzeugen ab einer Batteriegröße von 40 kWh und einer Reichweite von 200 km mit Schnelllademöglichkeit kann man allgemein von Langstreckentauglichkeit reden. Bei einer Batteriegröße von etwa 60 kWh beginnt der Komfortbereich.