Segelst du noch oder bremst du schon?

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Ich rekuperiere!

Das anmutig klingende „Segeln“ ist die Königsdisziplin unter den Elektrofahrern. Dabei gilt: Fuß vom Gaspedal und das Auto ganz ohne Antriebsenergie gleiten lassen. Das hilft nicht nur Energie zu sparen, sondern auch bei der wertvollen Energierückgewinnung, der Rekuperation. Klingt kompliziert, ist es aber nicht und lohnt sich allemal. 

Energieeffizienz ist das A und O

Beim „Segeln“ und Rekuperieren heißt das oberste Ziel: Die eingesetzte Energie soll möglichst effizient genutzt werden. Was ziemlich sinnvoll ist, wenn man bedenkt, wie viel Bremsenergie täglich beim innerstädtischen Stop-and-go als Wärme in der Atmosphäre verpufft. Elektrisch zu fahren, bietet da jedoch recht gute Alternativen. Im „Segelmodus“ wird das Auto antriebsfrei gleiten gelassen, in dem man einfach den Fuß vom Gaspedal nimmt. Sobald dies geschieht, wird der Motor vom Antriebsstrang abgekoppelt, sodass die Bremswirkung vom Motor entfällt. Und tschüss, bremsendes Schleppmoment! So kann vor allem bergab oder bei gleichmäßiger Geschwindigkeit ohne Antriebsenergie gefahren werden. Das spart Energie und schont die Bremsen. 

Am Anfang steht die Rotation

Bei der Rekuperation wird kinetische Energie in elektrische Energie umgewandelt und in den Akku eingespeist. Doch wie genau funktioniert das? Im Inneren des Elektromotors befindet sich eine Reihe von Elektromagneten, die sich anziehen und abstoßen. Dadurch kommt es zur Rotation oder auch Drehbewegung. Kinetische Energie entsteht. Diese wird an eine Achse weitergeleitet und in mechanische Energie umgewandelt. Die Räder bewegen sich, das Elektroauto fährt.

Bremsen lohnt sich

Wenn nun gebremst wird, bildet sich durch die Bremsbewegung erneut Bewegungsenergie. Die Räder geben diese Bewegungsenergie über den Antriebsstrang an den Motor weiter, der wie ein Generator funktioniert. Er nimmt die Bewegungsenergie auf und wandelt sie in elektrische Energie um. Auf diese Weise bremst der Motor das Auto, weil er ihm Bewegungsenergie entzieht, und lädt gleichzeitig den Akku. Dieser Strom kann dann wieder für die Weiterfahrt genutzt werden. Laut der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen kann der Stromverbrauch von Elektroautos so um bis zu 20 Prozent gesenkt werden. (Siehe Publikation Seite 28)

Vorausschauendes Fahren nötig

Wer rekuperieren oder eine Runde „segeln“ möchte, der muss allerdings vorausschauend fahren. Wie sehen die nächsten Kilometer auf meiner Fahrstrecke aus? Wann sollte ich vom Gaspedal gehen? Und wie sehr bremst der Motor das Auto ab? Das sind alles Fragen, die man sich vor Fahrantritt stellen sollte. Es muss zudem eingeschätzt werden, ob eine „weiche“ Rekuperation zum Bremsen reicht oder doch eher das Bremspedal für eine stärkere mechanische Bremsung betätigt werden muss. Das „richtige“ Fahrgefühl für das eigene elektrische Gefährt ist daher unerlässlich – Profisegler werden das bestimmt bestätigen. 

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Patrycja Muc
Nach dem Abitur am Niederrhein machte ich zunächst eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau und absolvierte im Anschluss den Bachelor „Technikjournalismus“ und den Master „Technik- und Innovationskommunikation“ in Sankt Augustin. Seit meinem Studium arbeite ich als freie Journalistin für diverse Zeitungen und Magazine und moderiere Veranstaltungen. Privat stehe ich regelmäßig an der Tischtennisplatte und bin bei gutem Wetter oft an der Rheinpromenade auf der „Schäl Sick“ in Bonn anzutreffen.